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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

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SCHREIB DICH NICHT
zwischen die Welten,

komm auf gegen
der Bedeutungen Vielfalt,

vertrau der Tränenspur
und lerne leben.

Paul Celan: Schreib dich nicht. In: Paul Celan - Die Gedichte. Kommentierte Gesamtausgabe in einem Band, herausgegeben und kommentiert von Barbara Wiedemann, Frankfurt am Main 2005, S. 493.

Georges Hugnet - Sans Titre,  1935
[via regardintemporel]
“Sie [die Komparenz] besteht im Erscheinen des Zwischen als solchem: du und ich (das Zwischen-uns); in dieser Formulierung hat das und nicht die Funktion des Nebeneinandersetzens, sondern die des  Aussetzens. Im Zusammen-Erscheinen wird folgendes exponiert - und dies  sollte man in allen denkbaren Kombinationen zu lesen wissen: ‘du (b(ist)  / und) (ganz anders als) ich’; oder einfacher gesagt: du Mit-Teilung ich.”
Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem  Französischen von Gisela Febel und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 65.

Georges Hugnet - Sans Titre,  1935

[via regardintemporel]

“Sie [die Komparenz] besteht im Erscheinen des Zwischen als solchem: du und ich (das Zwischen-uns); in dieser Formulierung hat das und nicht die Funktion des Nebeneinandersetzens, sondern die des Aussetzens. Im Zusammen-Erscheinen wird folgendes exponiert - und dies sollte man in allen denkbaren Kombinationen zu lesen wissen: ‘du (b(ist) / und) (ganz anders als) ich’; oder einfacher gesagt: du Mit-Teilung ich.”

Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem Französischen von Gisela Febel und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 65.

(via foxesinbreeches)

Next to the bowels and the genital organs is the mouth, through which enters the world to be swallowed up. And next is the anus. All these convexities and orifices have a common characteristic; it is within them that the confines between bodies and between the body and the world are overcome: there is an interchange and an interorientation.

Michail M. Bachtin, Rabelais and His World

[via foxesinbreeches]

Dominik Eulberg - Die 3 Millionen Musketiere [Album: Diorama, 2011, Traum CD24]

“Was zwischen Traum und Tanz liegt, gehört dem besonnenen Menschen. Traum und Tanz sind die Gegenpole der Müdigkeit; was dazwischen liegt, gibt uns das absorbierende Chaos, die Erholungspause der Besonnenheit inmitten unseres Selbstvernichtungsprozesses.”

Aby Warburg: Fragmente, 02.08.1901

Nur einige wenige aus der täglichen Arbeit aufsteigende Ahnungen über das Zwischenreich habe ich zu verzeichnen […].

—Sigmund Freud, Briefe an Wilhelm Fließ 1887-1904, Frankfurt/M., S. Fischer Verlag, 1986, S. 191.

DisTanzen

“Wie das Beispiel der Guten und der Bösen zeigt, handelt es sich vielmehr um einen >Nicht-Ort<, um reine Distanz, um die Tatsache, daß die Gegner nicht demselben Raum angehören. Daher ist niemand für das Entstehen verantwortlich, und niemand kann sich dessen rühmen. Es geschieht stets in einem Zwischenraum.

In gewisser Weise wird auf der Bühne immer dasselbe Stück gespielt, jenes Stück nämlich, das Herrscher und Beherrschte unablässig aufführen. Wenn Menschen über andere Menschen herrschen, kommt es zu Wertunterscheidungen; wenn Klassen über andere Klassen herrschen, entsteht die Idee der Freiheit; wenn Menschen bei der Beschaffung lebensnotwendiger Dinge Ungleiches als gleich behandeln und Veränderliches als unveränderlich, bedeutet das die Geburt der Logik. Das Herrschaftsverhältnis ist ebenso wenig ein >Verhältnis<, wie der Ort, an dem es stattfindet, ein Ort ist. Und deshalb fixiert es sich in jedem Augenblick der Geschichte in einem Ritual; es schafft Verpflichtungen und Rechte, es bildet minutiöse Verfahrensweisen aus. Es sorgt für Merkzeichen, gräbt den Dingen und selbst noch dem Körper Erinnerungen ein und führt Buch über die Schulden. Eine Welt von Regeln, die keineswegs die Gewalt mildern, sondern sie im Gegenteil zufrieden stellen soll. (…) Die Regel ist vielmehr die kalkulierte Lust am Gemetzel und die Hoffnung auf Blut. Sie gestattet es, das Herrschaftsspiel ständig von neuem zu beginnen; sie setzt eine peinlich genaue Wiederholung in Szene. Der Wunsch nach Frieden, der sanfte Kompromiß, die stillschweigende Anerkennung des Gesetzes sind nicht die moralische Wende oder der Nutzenkalkulation , aus denen die Regel hervorgegangen ist; sie sind vielmehr deren Folge und, genau besehen, deren Perversion: (…) Die Menschheit schreitet langsam von Kampf zu Kampf voran, bis sie zu einer universellen Gegenseitigkeit fände, in der die Regeln für immer an die Stelle des Krieges träten; sie faßt jede dieser Gewalttätigkeiten in ein Regelsystem und bewegt sich so von einer Herrschaft zur anderen.

Die Regel macht es möglich, daß der Gewalt Gewalt angetan wird und eine andere Herrschaft die gerade Herrschenden unters Joch beugt. Die Regeln selbst sind leer, gewalttätig, nicht zweckbezogen; sie können jedem Zweck dienen und lassen sich zu jedem Zwecke nutzen. Das große Spiel der Geschichte dreht sich um die Frage, wer sich der Regeln bemächtigt; wer an die Stelle derer tritt, die sie für sich nutzen; wer sie am Ende pervertiert, in ihr Gegenteil verkehrt und gegen jene wendet, die sie einst durchsetzten; wer in den komplizierten Apparat eindringt und ihn so funktionieren läßt, daß die bisherigen Herrscher nun von ihnen beherrscht werden. Die verschiedenen Entstehungsprozesse lassen sich nicht als einander folgende Gestalten derselben Bedeutung begreifen; sie sind vielmehr das Ergebnis unterschiedlicher Arten der Ersetzung, Versetzung und Verschiebung, der verdeckten Eroberung und der systematischen Verkehrung. Wenn deuten hieße, eine im Ursprung verborgene Bedeutung langsam ans Licht zu holen, dann könnte nur die Metaphysik das Werden der Menschheit deuten. Wenn aber Deuten heißt, sich mit Gewalt und List eines Regelsystems zu bemächtigen, das in sich keine Wesensbedeutung trägt, und es in den Dienst eines neuen Willens zu stellen, in ein anderes Spiel einzubringen und es anderen Regeln zu unterwerfen, dann ist das Werden der Menschheit eine Abfolge von Deutungen. Und die Genealogie muß deren Historie sein: Geschichte der Moralvorstellungen, der Ideale, der metaphysischen Begriffe, des Begriffs der Freiheit oder des asketischen Lebens, jeweils als Entstehung andersartiger Deutungen. Und sie muß diese Deutungen wie Ereignisse im Theater des Gerichts erscheinen lassen.”

Michel Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie. In: Hamacher (Hg.): Nietzsche aus Frankreich, Berlin Wien 2003, S. 108f.