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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

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Die meisten Bücher, die wir zitieren, sind Bücher, die wir mögen (manchmal aus geheimen oder perversen Gründen). Es macht nichts, daß einige sehr bekannt, andere weniger bekannt oder vergessen sind. Wenn wir zitieren, dann nur aus Liebe. Wir beanspruchen nicht, eine Summa zu verfassen oder eine Chronik aufzustellen, unsere Verfahren sind Vergessen und Subtraktion. […] Findet die Stellen in einem Buch, mit denen ihr etwas anfangen könnt.

Gilles Deleuze und Félix Guattari: Rhizom. Berlin 1977, S. 39f.

[via brainexpectingrain]

[via walter-benjamin-bluemchen]

“Am Bach entlang gehe ich spazieren, 
sehe den Fischen im trüben Wasser zu.
Betrübt bin ich aber deinetwegen,
meine geliebte Saniye mit den wehenden Haaren.
Traurig bin ich, weil deine Blicke meine Liebe nicht erwidern.
Betrübt bin ich aber deinetwegen,
meine geliebte Saniye mit den wehenden Haaren.
Traurig bin ich, weil deine Blicke meine Liebe nicht erwidern.”

“Am Bach entlang gehe ich spazieren, 

sehe den Fischen im trüben Wasser zu.

Betrübt bin ich aber deinetwegen,

meine geliebte Saniye mit den wehenden Haaren.

Traurig bin ich, weil deine Blicke meine Liebe nicht erwidern.

Betrübt bin ich aber deinetwegen,

meine geliebte Saniye mit den wehenden Haaren.

Traurig bin ich, weil deine Blicke meine Liebe nicht erwidern.”

Vielleicht lässt sich ja die Schlagkraft von Schlagwörtern, die unmittelbare Breitenwirkung von “Hits” also, in einer Art “Remix” auch für ein besinnlicheres Denken nutzen.
[…]
Denn die bedächtig gesetzten Schritte, mit denen der Text langsam, - Schritt für Schritt -, Satz für Satz -, in seinem dunklen unvorhersehbaren Gang vorantappt -, sie zeitigen einen eigenartigen “Groove”, dessen “Thrill” gerade darin zu bestehen scheint, die Zwischentöne/Untertöne und Umbrüche verlautbar zu machen, die das Sagen des Textes ständig begleiten und fortlaufend bestimmen.
[…]
In der Befremdlichkeit der Nacht, in der das Ungestillte des kommenden Tages ans Licht drängt, im Schutze der Dunkelheit melden sich allererst die Laute der immer noch ungestillten Begierden und unerhörten Zwischentöne des Ungeborenen.

Arno Böhler: Unterwegs zu einer Sprache der Freundschaft. DisTanzen: Nietzsche - Deleuze - Derrida. Wien 2000, S. 66ff.

Traktate mögen lehrhaft zwar in ihrem Ton sein; ihrer innersten Haltung nach bleibt die Bündigkeit einer Unterweisung ihnen versagt, welche wie die Lehre aus eigener Autorität sich zu behaupten vermöchte. Nicht weniger entraten sie der Zwangsmittel des mathematischen Beweises. In ihrer kanonischen Form wird als einziges Bestandstück einer mehr fast erziehlichen als lehrenden Intention das autoritäre Zitat sich einfinden. Darstellung ist der Inbegriff ihrer Methode. Methode ist Umweg. Darstellung als Umweg - das ist denn der methodische Charakter des Traktats.

—Walter Benjamin: Ursprung des deutschen Trauerspiels. Frankfurt am Main 1978, S. 10.

Nicht wer allein ist, fühlt sich allein; dieses Ungeheuer der Verlassenheit braucht die Anwesenheit eines anderen, damit seine Verlassenheit eine Bedeutung hat.

Maurice Blanchot, Faux Pas, zitiert nach: Gerald L. Bruns, Samuel Becketts Wie es ist, S. 147 in: Samuel Beckett, Herausgegeben von Hartmut Engelhardt, Frankfurt/M. 1986.

[via noxe]

Die meisten Bücher, die wir zitieren, sind Bücher, die wir mögen (manchmal aus geheimen oder perversen Gründen). Es macht nichts, daß einige sehr bekannt, andere weniger bekannt oder vergessen sind. Wenn wir zitieren, dann nur aus Liebe. Wir beanspruchen nicht, eine Summa zu verfassen oder eine Chronik aufzustellen, unsere Verfahren sind Vergessen und Subtraktion. […] Findet die Stellen in einem Buch, mit denen ihr etwas anfangen könnt.

Gilles Deleuze und Félix Guattari: Rhizom. Berlin 1977, S. 39f.

[via brainexpectingrain]

Benjamin, qui a poursuivi toute sa vie le projet d’écrire une œuvre composée exclusivement de citations, avait compris que l’autorité convoquée par la citation se fonde précisément sur la destruction de l’autorité qui est attribuée à un texte donné par sa situation dans l’histoire de la culture : sa charge de vérité est fonction du caractère unique de son apparition hors de son contexte vivant dans ce que Benjamin appelle, dans l’une des Thèses sur la philosophie de l’Histoire, “une citation à l’ordre du jour”, au jour du Jugement Dernier. Le passé ne se laisse fixer que dans l’image qui apparaît une fois pour toutes dans l’instant de son extranéation, tout comme un souvenir surgit soudain dans un moment de danger.

Giorgio Agamben, L’homme sans contenu, Circé, Traduit de l’italien par Carole Walter, 1996, p. 138.

[via a4rizm]

warum so ängstlich? zitat, zitat, zitat... ich will mehr als nur zitat! wo soll das ewige zitieren denn hinführen? asked by Anonymous

Mein Freund, du vergisst das Bild, die Konstruktion und die Medialiät; das Zitat ist nie “nur Zitat”; hier ist es vor allem fragmentarisch; und wo es hinführt? Davon kann ich nicht wissen; und: ja, ich habe Angst; aber bin ich deswegen ängstlich? Was ich fürchte ist der Verlust des Dialogs; was ich tue? Entfalten, vervielfältigen…

Aber ich habe Deinen Einspruch gehört, ich will mich nicht undankbar zeigen dafür.

Vielleicht lässt sich ja die Schlagkraft von Schlagwörtern, die unmittelbare Breitenwirkung von “Hits” also, in einer Art “Remix” auch für ein besinnlicheres Denken nutzen.
[…]
Denn die bedächtig gesetzten Schritte, mit denen der Text langsam, - Schritt für Schritt -, Satz für Satz -, in seinem dunklen unvorhersehbaren Gang vorantappt -, sie zeitigen einen eigenartigen “Groove”, dessen “Thrill” gerade darin zu bestehen scheint, die Zwischentöne/Untertöne und Umbrüche verlautbar zu machen, die das Sagen des Textes ständig begleiten und fortlaufend bestimmen.
[…]
In der Befremdlichkeit der Nacht, in der das Ungestillte des kommenden Tages ans Licht drängt, im Schutze der Dunkelheit melden sich allererst die Laute der immer noch ungestillten Begierden und unerhörten Zwischentöne des Ungeborenen.

—Arno Böhler: Unterwegs zu einer Sprache der Freundschaft. DisTanzen: Nietzsche - Deleuze - Derrida. Wien 2000, S. 66ff.