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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

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And that is cinema, its future, that time silenced of images, that heroic time, poetic, that time of childhood, where we can all be transported to by the sole force of desire through the body and its stories. And eyes wide open in the dark, and it scares us so much, so much, but also we laugh we cry, and it has held us, breathless, in front of this big face with sealed eyes and with the heart knocking against our chest, we have run along the way, and we have cried out from the dunes: “Johannes…”, and we have waited, and hoped, so much, and against the wind, and against the great cloudy sky, shouted again, with him, with the father, “Johannes…Johannes…” and for a moment we have become, without knowing how, that father looking for his child, his lost son, and then that trampled grass and then the entire moor. That is cinema. Its destiny, its future, is to stand, unfailingly, before the world, to its eternal return, facing the high noon, to the sacred “yes” of the child.

Philippe Grandrieux, About the “insane horizon” of cinema

[via batarde]

Ödipus ist wie ein Labyrinth, man tritt aus ihm nur heraus, indem man wieder eintritt (oder in dem man einen anderen zum Eintritt veranlaßt). Ödipus als Problem oder Lösung, das sind die zwei Enden einer Binde, die die umfassende Wunschproduktion zum Stocken bringt. Man dreht die Schraubenmuttern fest, bis nichts mehr von der Produktion herausdringt außer einem Gemurmel. Das Unbewußte ist niedergewalzt, trianguliert, vor Alternativen gestellt worden, die nicht die seinen sind. Alle Ausgänge verriegelt: aus mit dem möglichen Gebrauch inklusiver, nicht-limitativer Disjunktionen. Man hat dem Unbewußten Eltern gemacht!

—Gilles Deleuze und Félix Guattari: Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie I. Übersetzt von Bernd Schwibs. Frankfurt am Main 1977, S. 102.

Les machines désirantes sont des machines binaires, à règle binaire ou régime associatif ; toujours une machine couplée avec une autre. La synthèse productive, la production de production, a une forme connective : « et », « et puis »… C’est qu’il y a toujours une machine productrice d’un flux, et une autre qui lui est connectée, opérant une coupure, un prélèvement de flux (le sein - la bouche). Et comme la première est à son tour connectée à une autre par rapport à laquelle elle se comporte comme coupure ou prélèvement, la série binaire est linéaire dans toutes les directions. Le désir ne cesse d’effectuer le coupage de flux continus et d’objets partiels essentiellement fragmentaires et fragmentés. Le désir fait couler, coule et coupe. « J’aime toue ce qui coule, même le flux menstruel qui emporte les œufs non fécondés… », dit Miller dans son chant du désir*. Poche des eaux et calculs du rein ; flux de cheveu, flux de bave, flux de sperme, de merde ou d’urine qui sont produits par des objets partiels, constamment coupés par d’autres objets partiels, lesquels produisent d’autres flux, recoupés par d’autres objets partiels. Tout « objet » suppose la continuité d’un flux, tout flux, la fragmentation de l’objet. Sans doute chaque machine-organe interprète le monde entier d’après son propre flux, d’après l’énergie qui flue d’elle : l’œil interprète tout en termes de voir - le parler, l’entendre, le chier, le baiser… Mais toujours une connexion s’établit avec une autre machine, dans une transversale où la première coupe le flux de l’autre ou « voit » son flux coupé par l’autre.

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[Die Wunschmaschinen bilden binäre, auf binärer Regel und assoziativer Ordnung beruhende Maschinen. Stets ist eine Maschine einer anderen angekoppelt. Die produktive Synthese, Produktion der Produktion, besitzt konnektive Form: ‘und’, ‘und dann’ … Weil nämlich immer eine den Strom erzeugende Maschine und jene ihr angeschlossene, einen Einschnitt, eine Stromentname [prélèvement de flux] ausführende Maschine vorhanden ist (die Brust - der Mund). Und da jene erste Maschine ihrerseits einer weiteren angeschlossen ist, der gegenüber ihr Einschnitt und Entnahme ausführt, ist die binäre Serie in alle Richtungen hin linear. Unaufhörlich bewirkt der Wunsch die Verkopplung der stetigen Ströme mit den wesentlich fragmentarischen und fragmentierten Partialobjekten. Der Wunsch läßt fließen, fließt und trennt. ‘Ich liebe alles was fließt, sogar den Menstruationsfluß, der den unfrauchtbaren Samen wegschwemmt’, schreibt Miller in seinem Gesang vom Wunsch*. Fruchtblase und Nierensteine; Haar- und Speichelstrom, Ströme von Sperma, Scheiße, Urin, von Partialobjekten geschaffen, von anderen immer wieder abgetrennt, die neue Ströme erschaffen, die neuerlich von weiteren Partialobjekten abgeschnitten werden. Jedes ‘Objekt’ setzt die Beständigkeit eines Stroms voraus, jeder Strom die Fragmentierung des Objekts. Ohne Zweifel interpretiert jede Organmaschine die umfassende Wirklichkeit entsprechend ihrem eigenen Strom, das heißt entsprechend der ihr entströmenden Energie: das Auge deutet alles in Kategorien des Sehens - das Sprechen, das Hören, das Scheißen, das Ficken … Aber immer stellt die Verbindung zwischen zwei Maschinen her, innerhalb einer Transversale, in der die erste den Strom der anderen abtrennt oder ihren eigenen Strom von dieser abgetrennt ‘sieht’.]

Gilles Deleuze, Felix Guattari, L’anti-œdipe, Capitalisme et schizophrénie, Les éditions de minuit, Paris, 1972/1973, pp. 11-12.

* Henry Miller, Tropique du cancer, ch. XIII (« … et mes entrailles s’épandent en un immense flux schizophrénique, évacuation qui me laisse face à face avec l’absolu… »).”
[merci a4rizm!]

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[Gilles Deleuze/Félix Guattari: Anti-Oedipus. Kapitalismus und Schizophrenie I. Übersetzt von Bernd Schwibs. Frankfurt am Main 1977, S. 11f.

* Henry Miller, Wendekreis des Krebses, Hamburg 1965, S. 277f. (‘… und mein Inneres ergießt sich in einem schizophrenen Ausbruch, einer Entleerung, die mich dem Absoluten von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen läßt.’)]

Cinema is the ultimate pervert art. It doesn’t give you what you desire - it tells you how to desire.

—Slavoj Žižek: The Pervert´s Guide To Cinema

(Source: iamhipsterjesus, via foxesinbreeches)

Es gibt nicht gesellschaftliche Produktion von Realität auf der einen, Wunschproduktion von Phantasie auf der anderen Seite. Wobei zwischen beiden Produktionen sich nur sekundäre Verbindungen von Introjektion und Produktion herstellen sollen, gleichsam als verdoppelten die Sozialpraktiken sich in internalisierten mentalen Praktiken oder als projizierten diese sich in die Sozialpraktiken - ohne daß doch beide in ihren jeweiligen Rechten beeinträchtigt werden könnten. Solange wir uns damit begnügen, zum einen Geld, Gold, Kapital und das kapitalistische Triangel, zum anderen Libido, After, Phallus und das familiale Triangel parallel zu setzen, liefern wir uns wohl einem angenehmen Zeitvertreib aus, nur bleiben damit die Geldmechanismen nicht weniger gleichgültig gegenüber der analen Projektion dessen, der sich jenem Spiel hingibt. Die Parallelisierung von Marx und Freud bleibt absolut steril und irrelevant, bringt Kategorien hervor, die sich wechselseitig internalisieren oder projizieren sollen, ohne daß doch, wie aus der berühmten Gleichung Geld = Scheiße zu ersehen, ihrer Indifferenz ein Ende gesetzt wäre. In Wahrheit ist die gesellschaftliche Produktion allein die Wunschproduktion selbst unter bestimmten Bedingungen (kursiv). Wir erklären, daß das gesellschaftliche Feld unmittelbar vom Wunsch durchlaufen wird, daß es dessen historisch bestimmtes Produkt ist und daß die Libido zur Besetzung der Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse keiner Vermittlung noch Sublimation, keiner psychischen Operation noch Transformation bedarf. Es gibt nur den Wunsch und das Gesellschaftliche, nichts sonst (kursiv).

—Gilles Deleuze/Félix Guattari: Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie I Frankfurt am Main 1977, S. 38f.