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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

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…deine welt ist schön! asked by eyhier

“Es ist dies ein Verhältnis, das die Erinnerung an den Gedanken von Novalis wachruft: daß das Äußere ein in Geheimniszustand erhobenes Inneres ist.”

Josef König: Bemerkungen zur Metapher. In: Günter Dahms (Hg.): Josef König - Kleine Schriften. München 1994, S. 176.

Sie sind sehr optimistisch. Seien Sie hiermit herzlich begrüßt,

Ihr W-B-Bluemchen

‘Diese Welt ist nicht real. Dieses Leben ist nicht das wirkliche Leben.’
‘Aber dein Leiden ist doch real’, sagte ich.
‘Ja’, sagte Tang. ‘Das ist das Problem: reales Leiden in einer unrealen Welt.’

Philip Gourevitch: The Boat People, zit. nach Geoffrey Hartman: Das beredte Schweigen der Literatur. Frankfurt am Main 2000, S. 32

[via walter-benjamin-bluemchen]

We are not in the world; we become with the world; we become by contemplating it. Everything is vision, becoming. We become universes. Becoming animal, plant, molecular, becoming zero. […] This is true of all the arts. […]
-
Man ist nicht in der Welt, man wird mit der Welt, man wird in ihrer Betrachtung. Alles ist Schauen, Werden. Man wird Universum. Tier-Werden, Pflanze-Werden, Molekular-Werden, Null werden. […] Das gilt für alle Künste: […].

Gilles Deleuze/Félix Guattari, What is philosophy?, 1994

[via symbolicum:deleuzenotes]

Gilles Deleuze/Félix Guattari: Was ist Philosophie? Frankfurt am Main 2000, S. 199.

Von Arthur Rimbaud wird, wie wir uns erinnern, folgender sonderbarer Ausdruck gebraucht: ‘logische Revolten’. Nun, ich glaube, die Philosophie ist gerade dies: eine logische Revolte. In der Philosophie besteht ein tiefgründiges Begehren, das Denken der Ungerechtigkeit der Welt entgegenzustellen. In der Philosophie ist eine kritische Unzufriedenheit mit den Sachen, so wie diese sind, zu finden. Aber die Bewegung des Denkens, durch die sich diese Unzufriedenheit bzw. diese Revolte entwickelt, setzt die Präposition einer neuen Logik voraus. In der Philosophie gibt es immer einen Willen zur Argumentation und Konsistenz. Man kann also die Behauptung aufstellen, dass die Philosophie diesem mysteriösen Imperativ der Dichtung untersteht, eine ‘logische Revolte’ durchzuführen. Die Philosophie ist ein Aufstand des Denkens, das dennoch seinen Grundsatz der Kohärenz zu bewahren sucht.

—Alain Badiou: Die Gegenwärtige Welt und das Begehren der Philosophie. In: Ders./Jacques Rancière: Politik der Wahrheit. Aus dem Französischen von Rado Riha. Wien, Berlin 2010, S. 7.

19. April 1943 
„[…] Znałam takich. Drażnił ich świat – ponieważ był. Nie miał prawa być po tym, co śię zdarzyło, a istniał w najlepsze.””[…] Ich habe solche Leute gekannt. Die Welt ärgerte sie - weil sie da war. Sie hatte nach allem, was geschehen war, nicht das Recht zu bestehen, aber sie existierte aufs beste.”
Hanna Krall
[Herzlichen Dank an Jakub!]

19. April 1943 

„[…] Znałam takich. Drażnił ich świat – ponieważ był. Nie miał prawa być po tym, co śię zdarzyło, a istniał w najlepsze.”

”[…] Ich habe solche Leute gekannt. Die Welt ärgerte sie - weil sie da war. Sie hatte nach allem, was geschehen war, nicht das Recht zu bestehen, aber sie existierte aufs beste.”

Hanna Krall

[Herzlichen Dank an Jakub!]

Die ihrer selbst bewußte und sich aussprechende Zerrissenheit des Bewußtseins ist das Hohngelächter über das Dasein sowie über die Verwirrung des Ganzen und über sich selbst; es ist zugleich das sich noch vernehmende Verklingen dieser ganzen Verwirrung. – Diese sich selbst vernehmende Eitelkeit aller Wirklichkeit und alles bestimmten Begriffs ist die gedoppelte Reflexion der realen Welt in sich selbst; einmal in diesem Selbst des Bewußtseins, als diesem , das andere Mal in der reinen Allgemeinheit desselben oder im Denken. […]
In jener Seite der Rückkehr in das Selbst ist die Eitelkeit aller Dinge seine eigene Eitelkeit , oder es ist eitel. Es ist das fürsichseiende Selbst, das alles nicht nur zu beurteilen und zu beschwatzen, sondern geistreich die festen Wesen der Wirklichkeit wie die festen Bestimmungen, die das Urteil setzt, in ihrem Widerspruche zu sagen weiß, und dieser Widerspruch ist ihre Wahrheit. –

—Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes. In: Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel (Hrsg.): G. W. F. Hegel - Werke, Band 3, Frankfurt am Main 1986, S. 389.

Und wenn es so wäre, daß ich wahnsinnig bin, daß eine Welt in mir ist, die der deinen nicht gleicht - wenn es so wäre, wenn alles um mich herum riefe: Es ist nicht wahr. Du bist krank, wir sind gesund! Worin läge solcher Gesundheit Reiz? Wo deren Schönheit? Einmal war mir die Erde ein Fest, ein Ballsaal, unendlicher Spielraum, nächtliches Kaufhaus. Und jetzt? Wir sind schwarzweiße Comic-Helden, Floskeln, die man vom Ohr zu Ohr durch eine große grau Leere wirft. Ich habe keinen Wiedersehenswert entdeckt in deinem Land. Deiner Verwesung polternd Gasgemisch lebendig zu nennen - Euphemismus! Hättest soviel zu tun, aus dir noch was zu machen, so viel - das fällt in den Bereich der Theorie oder in die Vorstellungskraft hollywoodesker Lohnpoeten, denen für Geld kein Happy End zu aufgepriemelt ist. Dein Körper ist ein Massengrab verschenkter Möglichkeiten, erstickter Träume, ohne Sauerstoffmaske gar nicht begehbar, selbst dann nur mit Ekel!

Helmut Krausser: Der große Bagarozy, Hamburg 1997, S. 175.

[via animarson]

Spiegel: Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung…

Adorno: Mir nicht.

Theodor W. Adorno: »Keine Angst vor dem Elfenbeinturm, 1969«, in: Rolf Tiedemann u.a. (Hg.), Theodor W. Adorno, Gesammelte Schriften Band 20.1, Vermischte Schriften I. Frankfurt am Main 1986, S. 402 - 409, hier: S. 402.

[via eigentlichkeiten:electronic-riot]

SCHREIB DICH NICHT
zwischen die Welten,

komm auf gegen
der Bedeutungen Vielfalt,

vertrau der Tränenspur
und lerne leben.

Paul Celan: Schreib dich nicht. In: Paul Celan - Die Gedichte. Kommentierte Gesamtausgabe in einem Band, herausgegeben und kommentiert von Barbara Wiedemann, Frankfurt am Main 2005, S. 493.

Von der Einsamkeit angezogen, verweilt er dennoch im Weltlichen: ein Säulenheiliger ohne Säule.

E.M. Cioran: Vom Nachteil, geboren zu sein, Frankfurt am Main 1979, S. 66.

[via diesebastionbehrisch]

Und da wegen der Erfülltheit der Welt alles verknüpft ist und jeder Körper auf jeden anderen Körper je nach Entfernung mehr oder weniger stark einwirkt und von ihm aus durch Gegenwirkung betroffen wird, so folgt daraus, dass jede Monade ein lebendiger Spiegel oder mit innerer Haltung ausgestattet ist, dass sie das Weltall gemäß ihrem Gesichtspunkt darstellt und ebenso geregelt ist wie das All selbst.

—Gottfried Wilhelm Leibniz: Monadologie [1714]. In: Ders.: Kleine Schriften zur Metaphysik. Philosophische Schriften Band 1, Französisch und Deutsch, herausgegeben und übersetzt von Hans Heinz Holz. Frankfurt am Main 1996,  S. 417.

Die Inflexion ist eine Idealität oder Virtualität, die aktual nur in der Seele existiert, welche sie umhüllt. So ist es auch die Seele, welche voller Falten ist. Die Falten sind in der Seele und existieren aktual nur in der Seele. Das trifft bereits für die ‘eingeborenen Ideen’ zu: diese sind reine Virtualitäten, reine Vermögen, deren Tat in Verhaltensweisen oder Anlagen (Falten) in der Seele besteht und deren vollendete Tat in einer inneren Tätigkeit der Seele besteht (innere Entfaltung). Das trifft aber für die Welt nicht weniger zu: die ganze Welt ist nur eine Virtualität, die aktual nur in den Falten der Seele existiert, die sie ausdrückt, wobei die Seele von inneren Entfaltungen aus operiert, wodurch sie sich eine Repräsentation der eingeschlossenen Welt gibt. Wir gehen in einem Subjekt von der Inflexion zum Einschluß wie vom Virtuellen zum Aktualen […].

—Gilles Deleuze: Die Falte. Leibniz und der Barock. Frankfurt am Main 1988, S. 41f.

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