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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

Posts tagged Welt:

19. April 1943 
„[…] Znałam takich. Drażnił ich świat – ponieważ był. Nie miał prawa być po tym, co śię zdarzyło, a istniał w najlepsze.””[…] Ich habe solche Leute gekannt. Die Welt ärgerte sie - weil sie da war. Sie hatte nach allem, was geschehen war, nicht das Recht zu bestehen, aber sie existierte aufs beste.”
Hanna Krall
[Herzlichen Dank an Jakub!]

19. April 1943 

„[…] Znałam takich. Drażnił ich świat – ponieważ był. Nie miał prawa być po tym, co śię zdarzyło, a istniał w najlepsze.”

”[…] Ich habe solche Leute gekannt. Die Welt ärgerte sie - weil sie da war. Sie hatte nach allem, was geschehen war, nicht das Recht zu bestehen, aber sie existierte aufs beste.”

Hanna Krall

[Herzlichen Dank an Jakub!]

Die ihrer selbst bewußte und sich aussprechende Zerrissenheit des Bewußtseins ist das Hohngelächter über das Dasein sowie über die Verwirrung des Ganzen und über sich selbst; es ist zugleich das sich noch vernehmende Verklingen dieser ganzen Verwirrung. – Diese sich selbst vernehmende Eitelkeit aller Wirklichkeit und alles bestimmten Begriffs ist die gedoppelte Reflexion der realen Welt in sich selbst; einmal in diesem Selbst des Bewußtseins, als diesem , das andere Mal in der reinen Allgemeinheit desselben oder im Denken. […]
In jener Seite der Rückkehr in das Selbst ist die Eitelkeit aller Dinge seine eigene Eitelkeit , oder es ist eitel. Es ist das fürsichseiende Selbst, das alles nicht nur zu beurteilen und zu beschwatzen, sondern geistreich die festen Wesen der Wirklichkeit wie die festen Bestimmungen, die das Urteil setzt, in ihrem Widerspruche zu sagen weiß, und dieser Widerspruch ist ihre Wahrheit. –

—G. W. F. Hegel: Phänomenologie des Geistes. In: Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel (Hrsg.): G. W. F. Hegel - Werke, Band 3, Frankfurt am Main 1986, S. 389.

Und wenn es so wäre, daß ich wahnsinnig bin, daß eine Welt in mir ist, die der deinen nicht gleicht - wenn es so wäre, wenn alles um mich herum riefe: Es ist nicht wahr. Du bist krank, wir sind gesund! Worin läge solcher Gesundheit Reiz? Wo deren Schönheit? Einmal war mir die Erde ein Fest, ein Ballsaal, unendlicher Spielraum, nächtliches Kaufhaus. Und jetzt? Wir sind schwarzweiße Comic-Helden, Floskeln, die man vom Ohr zu Ohr durch eine große grau Leere wirft. Ich habe keinen Wiedersehenswert entdeckt in deinem Land. Deiner Verwesung polternd Gasgemisch lebendig zu nennen - Euphemismus! Hättest soviel zu tun, aus dir noch was zu machen, so viel - das fällt in den Bereich der Theorie oder in die Vorstellungskraft hollywoodesker Lohnpoeten, denen für Geld kein Happy End zu aufgepriemelt ist. Dein Körper ist ein Massengrab verschenkter Möglichkeiten, erstickter Träume, ohne Sauerstoffmaske gar nicht begehbar, selbst dann nur mit Ekel!

Helmut Krausser: Der große Bagarozy, Hamburg 1997, S. 175.

[via animarson]

Spiegel: Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung…

Adorno: Mir nicht.

Theodor W. Adorno: »Keine Angst vor dem Elfenbeinturm, 1969«, in: Rolf Tiedemann u.a. (Hg.), Theodor W. Adorno, Gesammelte Schriften Band 20.1, Vermischte Schriften I. Frankfurt am Main 1986, S. 402 - 409, hier: S. 402.

[via eigentlichkeiten:electronic-riot]

SCHREIB DICH NICHT
zwischen die Welten,

komm auf gegen
der Bedeutungen Vielfalt,

vertrau der Tränenspur
und lerne leben.

Paul Celan: Schreib dich nicht. In: Paul Celan - Die Gedichte. Kommentierte Gesamtausgabe in einem Band, herausgegeben und kommentiert von Barbara Wiedemann, Frankfurt am Main 2005, S. 493.

Von der Einsamkeit angezogen, verweilt er dennoch im Weltlichen: ein Säulenheiliger ohne Säule.

E.M. Cioran: Vom Nachteil, geboren zu sein, Frankfurt am Main 1979, S. 66.

[via diesebastionbehrisch]

Und da wegen der Erfülltheit der Welt alles verknüpft ist und jeder Körper auf jeden anderen Körper je nach Entfernung mehr oder weniger stark einwirkt und von ihm aus durch Gegenwirkung betroffen wird, so folgt daraus, dass jede Monade ein lebendiger Spiegel oder mit innerer Haltung ausgestattet ist, dass sie das Weltall gemäß ihrem Gesichtspunkt darstellt und ebenso geregelt ist wie das All selbst.

—Gottfried Wilhelm Leibniz: Monadologie [1714]. In: Ders.: Kleine Schriften zur Metaphysik. Philosophische Schriften Band 1, Französisch und Deutsch, herausgegeben und übersetzt von Hans Heinz Holz. Frankfurt am Main 1996,  S. 417.

Die Inflexion ist eine Idealität oder Virtualität, die aktual nur in der Seele existiert, welche sie umhüllt. So ist es auch die Seele, welche voller Falten ist. Die Falten sind in der Seele und existieren aktual nur in der Seele. Das trifft bereits für die ‘eingeborenen Ideen’ zu: diese sind reine Virtualitäten, reine Vermögen, deren Tat in Verhaltensweisen oder Anlagen (Falten) in der Seele besteht und deren vollendete Tat in einer inneren Tätigkeit der Seele besteht (innere Entfaltung). Das trifft aber für die Welt nicht weniger zu: die ganze Welt ist nur eine Virtualität, die aktual nur in den Falten der Seele existiert, die sie ausdrückt, wobei die Seele von inneren Entfaltungen aus operiert, wodurch sie sich eine Repräsentation der eingeschlossenen Welt gibt. Wir gehen in einem Subjekt von der Inflexion zum Einschluß wie vom Virtuellen zum Aktualen […].

—Gilles Deleuze: Die Falte. Leibniz und der Barock. Frankfurt am Main 1988, S. 41f.

Als ein Wesen, das imaginiert, weil es begehrt, ist der Mensch fähig, die ganze Welt in ein Bild seines Verlangens zu verwandeln. Und deshalb ist er ein liebendes Wesen, er sehnt sich nach einer Präsenz, die das lebendige Bild, die Verkörperung seines Traums ist.

—Octavio Paz

Francis Picabia - Le Double monde, 1919
[via eraseourhead]
[via enx]

Francis Picabia - Le Double monde, 1919

[via eraseourhead]

[via enx]

Gefühl in den Augenblicken totenähnlichen Seins: Alle Menschen sind der Liebe wert. Erwachend fühlst du die Bitternis der Welt, darin ist alle deine ungelöste Schuld; Dein Gedicht eine unvollkommene Sühne.

—Georg Trakl: Dichtungen und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe, hrsg. v. Walther Killy und Hans Szklenar, Salzburg 1987, Band 1, S. 463.

Pause


Hinter den tiefsten Erinnerungen
Verwächst die Zeit;
Die alten Wege waren tief und breit,
Nun hat die Welt sie überdrungen.


„O Rauschen tief in mir,
Was aber hast du, das ich gerne hörte?
Ist denn ein Ton in dir,
Der mich nicht störte?”


„Ich habe nichts als Rauschen,
Kein Deutliches erwarte dir;
Sei dir am Schmerz genug, in dich zu lauschen.“

Rudolf Borchardt: Pause, in: Theodor W. Adorno (Hg.): Rudolf Borchardt - Ausgewählte Gedichte. Frankfurt/M. 1968, S.40.

[via fextracts]

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