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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

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SCHREIB DICH NICHT
zwischen die Welten,

komm auf gegen
der Bedeutungen Vielfalt,

vertrau der Tränenspur
und lerne leben.

Paul Celan: Schreib dich nicht. In: Paul Celan - Die Gedichte. Kommentierte Gesamtausgabe in einem Band, herausgegeben und kommentiert von Barbara Wiedemann, Frankfurt am Main 2005, S. 493.

Wenn wir die Sätze im Kopf haben, dachte ich, haben wir noch nicht die Sicherheit, sie aufs Papier zu bringen. Die Sätze machen uns Angst, dann der Satz, dann, daß wir diesen Satz möglicherweise nicht mehr im Kopf haben, wenn wir ihn aufschreiben wollen. Sehr oft schreiben wir einen Satz zu früh auf, dann wieder einen zu spät; wir haben den Satz zu dem richtigen Zeitpunkt aufzuschreiben, sonst ist er verloren.

—Thomas Bernhard, Beton, 206.

(Source: glassplitter, via brainexpectingrain)

Kann man gewisse Gedanken und gewisse Zweifel einfach ausschließen, ohne das Ausgeschlossene dem Ausschließenden zu unterwerfen und damit das Vertrauen des Denkens, seine Mindest- oder Vorleistung prinzipiell einzuschränken? Einfach: ohne den Widerstreit des Uneinsseins. Wenn Denken, das sich mit bloßem Vertrauen nicht abgeben kann, ja dessen Begriff unvereinbar ist mit bloßem Vertrauen, durch die arbeitsteilige, anerkennende und abgrenzende Rechtfertigung des Vertrauens, in dem seine unabdingbare Mindest- oder Vorleistung liegt, diese prinzipiell einschränkt, so erhebt es sich subreptiv über das, was es ermöglicht, eignet sich Aufklärung das Andersein an, das sie ‘an sich’ haben soll.

Alexander Garcia Düttmann:Trust me. Aufklärung und Vertrauen, in: Ders. (Hg.): Philosophie der Übertreibung, Frankfurt am Main 2004, S. 66.

[via diesebastionbehrisch]

»Die Dinge wären weitaus schöner, wenn man sie sich im Zusammenbruch vorstellte, würde Schumann sich selbst sagen. War nicht die bloße Idee eines möglichen Rückschlages angenehmer als die Gewißheit vertrauter Dinge?«

—Dominique Druhen, Aufzeichnungen zu den Siegfried Jerusalem / Elena Bashkirova Aufnahmen von Dichterliebe und Liederkreis, (Erato: 1992), 8-9.

Vertrauen ist die Passion der Aufklärung, der Schatten, den sie an sich und in sich ziehen möchte, bis sie beinahe zum Schatten, der Schatten hingegen beinahe zum Leib wird. Mit leidenschaftlichem Doppelsinn sagt der Aufklärer: Der lösende und bindende Zweifel ist meine Sache, und deshalb kann ich nicht umhin, dem anderen zu glauben und zu vertrauen, dem anderen in mir selbst. Trust me.

Alexander Garcia Düttmann: Trust me. Übertreibung und Aufklärung, in: Ders.: Philosophie der Übertreibung, Frankfurt am Main 2004, S. 69f.

[via diesebastionbehrisch]