Sein Gesicht war wie der Hauch von einem Gesicht – ein Schwaden, den ein unbekannter Passant in der Luft hinterlassen hatte. In seinen blassen, blau emaillierten Händen hielt er eine Brieftasche, in der er etwas betrachtete.
[…] Ich stand mit der Seite an ihn gelehnt und blickte mit fernen, nicht sehenden Augen auf die zarten Menschenkörper, als das Fluidum eines unbestimmten Aufruhrs, der die Luft plötzlich getrübt hatte, zu mir vordrang und mich mit einem Schauer der Verstörung, einer Welle plötzlichen Verstehens überlief. Doch inzwischen war das vernebelte Lächeln, das sich unter seinem weichen, hübschen Schnurrbart abzeichnete, der Anflug des Begehrens, der sich als pulsierende Ader über seinen Schläfen spannte, und das Gesicht war in die Abwesenheit zurückgekehrt, hatte sich selbst vergessen und zerstreut.
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Bruno Schulz: Die Zimtläden, München 2009, S. 20f.