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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

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Verkehrte Welt der Sprache ist Bedingung der Möglichkeit aller menschlichen Erfahrung. Sie ist so grundverkehrt, daß in ihr der Satz des zu vermeidenden Widerspruchs gilt und nicht gilt. Das ist mit keiner unverschämten Beschönigung zu verschleiern. Diese unsere Welt ist nicht niedlich.

Bruno Liebrucks: Sprache und Bewußtsein, Frankfurt am Main 1964, Band 1, S. 25.

[via diesebastionbehrisch]

Die ihrer selbst bewußte und sich aussprechende Zerrissenheit des Bewußtseins ist das Hohngelächter über das Dasein sowie über die Verwirrung des Ganzen und über sich selbst; es ist zugleich das sich noch vernehmende Verklingen dieser ganzen Verwirrung. – Diese sich selbst vernehmende Eitelkeit aller Wirklichkeit und alles bestimmten Begriffs ist die gedoppelte Reflexion der realen Welt in sich selbst; einmal in diesem Selbst des Bewußtseins, als diesem , das andere Mal in der reinen Allgemeinheit desselben oder im Denken. […]
In jener Seite der Rückkehr in das Selbst ist die Eitelkeit aller Dinge seine eigene Eitelkeit , oder es ist eitel. Es ist das fürsichseiende Selbst, das alles nicht nur zu beurteilen und zu beschwatzen, sondern geistreich die festen Wesen der Wirklichkeit wie die festen Bestimmungen, die das Urteil setzt, in ihrem Widerspruche zu sagen weiß, und dieser Widerspruch ist ihre Wahrheit. –

—Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes. In: Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel (Hrsg.): G. W. F. Hegel - Werke, Band 3, Frankfurt am Main 1986, S. 389.

Die Wirklichkeit ist der Schatten des Wortes. Philosophie ist eigentlich Philologie, sie ist die tiefgreifende, schöpferische Erforschung des Wortes.

Bruno Schulz: Die Mythisierung der Wirklichkeit, in: Ders.: Die Zimtläden, München 2009, S. 151.

[via diesebastionbehrisch]

Verkehrt ist richtig

Ein Wirrsal ist’s solang’ es währt,
du tappst darin, als wär’s verkehrt,
und in dem Dunkel da und dort
erkennst du nur das Rätselwort.

Rätsel

Bald ist’s von dieser, bald von jener Sorte:
dort gilt’s der Silbe, hier gilt es dem Worte.
Leicht läßt es dich in alle Ferne schweifen,
wiewohl grad nur das Nächste ergreifen.
Bescheiden steht’s und wartet in der Ecke,
bis du den Sinn holst aus dem Wortverstecke.
Wenn endlich dir die Lösung glücken soll,
sei zu bedenken dieses dir gegeben:
gelöst wär’ nur dies eine eben,
jedoch fast jedes Ding im Leben,
es bleibt dir leider dessen voll.
Ja mehr als das - ich wag es auszusprechen
und will dich warnen, ehe es zu spät -,
dies eine selbst, es lohnt kein Kopfzerbrechen:
denn Rätsel bleibt es, wenn man’s auch errrät.

Karl Kraus: Rätsel. Die Fackel, Nr. 834-837, Mai 1930, XXXII. Jahr, S. 12 - 14.

In: Karl Kraus (Hrsg.): Die Fackel, Band 11, Nr. 834 bis 922, Mai 1930 bis Februar 1936, München 1976.

Die wirkliche Welt, wie sie gegenüber der Wahrheit des Gesetzes als Erscheinung gegeben ist, ist also in einem gewissen Sinne verkehrt; es geht in ihr nicht zu, wie es den Idealen eines abstrakten Mathematikers oder Moralisten entsprechen mag. Freilich besteht ihr lebendige Wirklichkeit gerade in dieser ihrer Verkertheit. Und das ist ihre Funktion im dialektischen Beweisgang der Phänomenologie: es wird sich ergeben, daß In-sich-verkehrt-sein heißt: sich-gegen-sich-selber-kehren, sich zu sich selbst verhalten, und das ist: Lebendig-sein.

Hans Georg Gadamer, Die verkehrte Welt, in: Hans Friedrich Fulda und Dieter Henrich (Hrsg.), Materialien zu Hegels Phänomenologie des Geistes, Frankfurt am Main 1979, S. 120.

[via universalestate:edsminorplace]