Nº. 1 of  1

Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

Posts tagged Traurigkeit:

“Am Bach entlang gehe ich spazieren, 
sehe den Fischen im trüben Wasser zu.
Betrübt bin ich aber deinetwegen,
meine geliebte Saniye mit den wehenden Haaren.
Traurig bin ich, weil deine Blicke meine Liebe nicht erwidern.
Betrübt bin ich aber deinetwegen,
meine geliebte Saniye mit den wehenden Haaren.
Traurig bin ich, weil deine Blicke meine Liebe nicht erwidern.”

“Am Bach entlang gehe ich spazieren, 

sehe den Fischen im trüben Wasser zu.

Betrübt bin ich aber deinetwegen,

meine geliebte Saniye mit den wehenden Haaren.

Traurig bin ich, weil deine Blicke meine Liebe nicht erwidern.

Betrübt bin ich aber deinetwegen,

meine geliebte Saniye mit den wehenden Haaren.

Traurig bin ich, weil deine Blicke meine Liebe nicht erwidern.”

Die Klage ist aber der undifferenzierteste, ohnmächtige Ausdruck der Sprache, sie enthält fast nur den sinnlichen Hauch; und wo auch nur Pflanzen rauschen, klingt immer eine Klage mit. Weil sie stumm ist, trauert die Natur. Doch noch tiefer führt in das Wesen der Natur die Umkehrung dieses Satzes ein: die Traurigkeit der Natur macht sie verstummen. Es ist in aller Trauer der tiefste Hang zur Sprachlosigkeit, und das ist unendlich viel mehr als Unfähigkeit oder Unlust zur Mitteilung. Das Traurige fühlt sich so durch und durch erkannt vom Unerkennbaren. Benannt zu sein - selbst wenn der Nennende ein Göttergleicher und Seliger ist - bleibt vielleicht immer eine Ahnung von Trauer.

Walter Benjamin: Über Sprache überhaupt und über die Sprache des Menschen.

[via hintergrundrauschen]

Und da kam es mir so vor, als sei der im feinen hartnäckigen Frühlingsregen sich ausbreitende graue feuchte Fleck auf dem aufgeschlagenen Zeitungsblatt eine visuelle Metapher, die auf seltsame Weise zu meinen Gefühlen paßte. Als ob das angstvolle Unbehagen, die Übelkeit, die körperliche Traurigkeit, die ich empfand, sich in den aufgelösten, aufgeweichten Fasern meines Körpers, in der trostlosen Landschaft meiner Seele ebenso ausbreiteten wie der feuchte Fleck auf jenem Zeitungsblatt.
Ich blieb im Regen stehen, sehr lange, wie mir scheint: elend.
[…] Ich sagte mir nicht mehr Gedichte von Baudelaire auf. Eine lange dunstige Ungewißheit von mir abschüttelnd, habe ich mich dabei ertappt, wie ich leise ein Sonett von Rubén Darío vor mich hin sagte, dessen letzter Vers so eindringlich war: ‘Hörst du nicht die Tropfen meiner Melancholie?’

Jorge Semprun: Unsre allzu kurzen Sommer, Frankfurt am Main 2001, S. 69.

[via diesebastionbehrisch]