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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

Posts tagged Surrealismus:

Das Leben schien nur lebenswert, wo die Schwelle, die zwischen Wachen und Schlaf ist, in jedem ausgetreten war, wie von Tritten massenhafter hin und wider flutender Bilder, die Sprache nur sie selbst, wo Laut und Bild und Bild und Laut mit automatischer Exaktheit derart glücklich ineinandergriffen, daß für den Groschen »Sinn« kein Spalt mehr übrigblieb. Bild und Sprache haben den Vortritt. Saint-Pol-Roux befestigt, wenn er gegen Morgen sich zum Schlafe niederlegt, an seiner Tür ein Schild: Le poète travaille. Breton notiert: »Still. Ich will, wo keiner noch hindurchgegangen ist, hindurchgehen, still! – Nach Ihnen, liebste Sprache.« Die hat den Vortritt.[…]
Die wahre, schöpferische Überwindung religiöser Erleuchtung aber liegt nun wahrhaftig nicht bei den Rauschgiften. Sie liegt in einer profanen Erleuchtung, einer materialistischen, anthropologischen Inspiration, zu der Haschisch, Opium und was immer sonst die Vorschule abgeben können. (Aber eine gefährliche. Und die der Religionen ist strenger.)
[…]
Jede ernsthafte Ergründung der okkulten, sürrealistischen, phantasmagorischen Gaben und Phänomene hat eine dialektische Verschränkung zur Voraussetzung, die ein romantischer Kopf sich niemals aneignen wird. Es bringt uns nämlich nicht weiter, die rätselhafte Seite am Rätselhaften pathetisch oder fanatisch zu unterstreichen; vielmehr durchdringen wir das Geheimnis nur in dem Grade, als wir es im Alltäglichen wiederfinden, kraft einer dialektischen Optik, die das Alltägliche als undurchdringlich, das Undurchdringliche als alltäglich erkennt. Die passionierteste Untersuchung telepathischer Phänomene zum Beispiel wird einen über das Lesen (das ein eminent telepathischer Vorgang ist) nicht halb soviel lehren, wie die profane Erleuchtung des Lesens über die telepathischen Phänomene. Oder: die passionierteste Untersuchung des Haschischrausches wird einen über das Denken (das ein eminentes Narkotikum ist) nicht halb soviel lehren, wie die profane Erleuchtung des Denkens über Literarische und ästhetische Essays den Haschischrausch. Der Leser, der Denkende, der Wartende, der Flaneur sind ebensowohl Typen des Erleuchteten wie der Opiumesser, der Träumer, der Berauschte. Und sind profanere. Ganz zu schweigen von jener fürchterlichsten Droge – uns selber –, die wir in der Einsamkeit zu uns nehmen.

—Walter Benjamin: Der Sürrealismus. In: Tiedemann/Schweppenhäuser (Hrsg.): Walter Benjamin - Gesammelte Schriften II.1., Frankfurt am Main 1991, S. 295-310; hier: S. 296f. und S. 307f.

Hier tritt die Einsicht in ihr Recht, die im »Traite du Style«, Aragons letztem Buche, die Unterscheidung von Vergleich und Bild verlangt. Eine glückliche Einsicht in Stilfragen, die erweitert sein will. Erweiterung: nirgends treffen diese beiden – Vergleich und Bild – so drastisch und so unversöhnlich wie in der Politik aufeinander. Den Pessimismus organisieren heißt nämlich nichts anderes als die moralische Metapher aus der Politik herausbefördern und im Raum des politischen Handelns den hundertprozentigen Bildraum entdecken. Dieser Bildraum aber ist kontemplativ überhaupt nicht mehr auszumessen. Wenn es die doppelte Aufgabe der revolutionären Intelligenz ist, die intellektuelle Vorherrschaft der Bourgeoisie zu stürzen und den Kontakt mit den proletarischen Massen zu gewinnen, so hat sie vor dem zweiten Teil dieser Aufgabe fast völlig versagt, weil er nicht mehr kontemplativ zu bewältigen ist. Und doch hat das
die wenigsten gehindert, sie immer wieder so zu stellen, als wäre sie es, und nach proletarischen Dichtern, Denkern und Künstlern zu rufen. Dagegen mußte schon Trotzki – in »Literatur und Revolution« – darauf verweisen, daß sie nur aus einer siegreichen Revolution hervorgehen werden.

Walter Benjamin: Der Sürrealismus. In: Tiedemann/Schweppenhäuser (Hrsg.): Walter Benjamin - Gesammelte Schriften II.1., Frankfurt am Main 1991, S. 295-310, hier: S. 308f.

Da spürt man denn doch andere Luft in der Schrift von Naville, die die »Organisierung des Pessimismus« zur Forderung des Tages macht. Im Namen seiner literarischen Freunde stellt er ein Ultimatum, an dem unfehlbar dieser gewissenlose, dieser dilettantische Optimismus Farbe bekennen muß: Wo liegen die Voraussetzungen der Revolution? In der Änderung der Gesinnung oder der äußeren Verhältnisse? Das ist die Kardinalfrage, die das Verhältnis von Politik und Moral bestimmt und die keine Vertuschung zuläßt. Der Sürrealismus ist ihrer kommunistischen Beantwortung immer näher gekommen. Und das bedeutet: Pessimismus auf der ganzen Linie. Jawohl und durchaus. Mißtrauen in das Geschick der Literatur, Mißtrauen in das Geschick der Freiheit, Mißtrauen in das Geschick der europäischen Menschheit, vor allem aber Mißtrauen, Mißtrauen und Mißtrauen in alle Verständigung: zwischen den Klassen, zwischen den Völkern, zwischen den Einzelnen. Und unbegrenztes Vertrauen allein in I. G. Farben und die friedliche Vervollkommnung der Luftwaffe. Aber was nun, was dann?

—Walter Benjamin: Der Sürrealismus. In: Tiedemann/Schweppenhäuser (Hrsg.): Walter Benjamin - Gesammelte Schriften II.1., Frankfurt am Main 1991, S. 295-310, hier: S. 308.


Max Ernst - Petite Féerie Nocturne, 1957/58
Galerie Ludorff, Düsseldorf, Germany
[via amare-habeo]
Max Ernst - Petite Féerie Nocturne, 1957/58

Galerie Ludorff, Düsseldorf, Germany

[via amare-habeo]

frenchtwist:


Edith Rimmington - Museum, 1951
from the exhibition Angels of Anarchy: Women Artists and Surrealism at the Manchester Art Gallery
[via madonnawithlion*gilliflower]

frenchtwist:

Edith Rimmington - Museum, 1951

from the exhibition Angels of Anarchy: Women Artists and Surrealism at the Manchester Art Gallery

[via madonnawithlion*gilliflower]

artemisdreaming:

Salvador Dalí - Venus and a Sailor, 1925

artemisdreaming:

Salvador Dalí - Venus and a Sailor, 1925

(via merisoniomart)

Salvador Dalí - “Surrealist Piano”, a scenario sketch for the screenplay “Giraffes on Horseback Salad”, also called “The Surrealist woman” for the Marx Brothers, 1937
[via artemisdreaming]

Salvador Dalí - “Surrealist Piano”, a scenario sketch for the screenplay “Giraffes on Horseback Salad”, also called “The Surrealist woman” for the Marx Brothers, 1937

[via artemisdreaming]

(via merisoniomart)

Meine Gifte sind die euren: hier sind die Liebe, die Kraft, die Geschwindigkeit. Wollt ihr Leiden, den Tod oder Gesänge?
Heute bringe ich euch ein Rauschgift, das von den Grenzen des Bewußtseins, dem Rande des Abgrunds kommt. Was habt ihr in den Drogen bisher anderes gesucht als ein Gefühl von Macht, schöne Selbstherrlichkeit und die freie Entfaltung eurer Fähigkeiten im Leeren? Das Mittel, das euch zu bieten ich die Ehre habe, verhilft euch zu alledem, verschafft euch auch ungeahnte, immense Vorteile, es übertrifft eure Wünsche, erweckt sie und läßt euch neue verrückte Wünsche haben; aber seid euch darüber im klaren: die diesen Zaubertrank des Absoluten in Umlauf bringen sind Gegner der Ordnung.
[…]
Dieses Laster, genannt SURREALISMUS, besteht in dem unmäßigen und leidenschaftlichen Gebrauch des Rauschgiftes BILD oder vielmehr in der unkontrollierten Beschwörung des Bildes um seiner selbst willen und auf daß es im Darstellungsbereich unvorhersehbare Umwälzungen und Metamorphosen bewirkt: denn jedes Bild zwingt euch immer wieder von neuem, das ganze Universum zu revidieren.

Louis Aragon: Rede der Phantasie.

In: Karlheinz Barck (Hrsg.): Surrealismus in Paris 1919 - 1939. Ein Lesebuch. Leipzig 1985, S. 423ff.

surrealism:

Salvador Dalí: Remorse or Sphinx Embedded in the Sand, 1931. Oil on canvas. 19.1 x 26.7 cm (7 1/2 x 10 1/2 in.). Gift of John F. Wolfram. Kresge Art Museum, Michigan State University, East Lansing.
What we’ve seen before.

surrealism:

Salvador Dalí: Remorse or Sphinx Embedded in the Sand, 1931. Oil on canvas. 19.1 x 26.7 cm (7 1/2 x 10 1/2 in.). Gift of John F. Wolfram. Kresge Art Museum, Michigan State University, East Lansing.

What we’ve seen before.

surrealism:

Successively Lives by Mihai Criste.

surrealism:

Successively Lives by Mihai Criste.

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