Nº. 1 of  5

Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

Posts tagged Sprechen:

[via abgrundtiefe]
“Der Kuß ist trotz allem nicht das Wort. Sicherlich sprechen die Liebenden, aber es ist ein Sprechen an der Grenze, es ist ohnmächtig, exzessiv in seiner exzessiven Armut, ein Sprechen, in dem sich die Liebe auch schon verfängt: ‘Die Liebenden sprechen und das Wirrwarr ihrer Worte dämpft und steigert zugleich das Gefühl, das sie bewegt. Denn sie verleihen dem eine Dauer, dessen Wahrheit nur für den Augenblick eines Blitzes da ist.’ (Georges Bataille).”
Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem Französischen von Gisela Febel und und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 79f.

[via abgrundtiefe]

“Der Kuß ist trotz allem nicht das Wort. Sicherlich sprechen die Liebenden, aber es ist ein Sprechen an der Grenze, es ist ohnmächtig, exzessiv in seiner exzessiven Armut, ein Sprechen, in dem sich die Liebe auch schon verfängt: ‘Die Liebenden sprechen und das Wirrwarr ihrer Worte dämpft und steigert zugleich das Gefühl, das sie bewegt. Denn sie verleihen dem eine Dauer, dessen Wahrheit nur für den Augenblick eines Blitzes da ist.’ (Georges Bataille).”

Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem Französischen von Gisela Febel und und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 79f.

RODIN

Des Meisters Leben geht von uns so fern,
als wär es schon in Mythen umgewandelt;
wir fühlen nur die Dinge, die er handelt,
– und nicht ihn selbst: wir haben keinen Herrn.

Wir sind allein und weit an einer Stelle,
wo längst der Strom dem Brückenmaß entwuchs,
uns redet, was vorübergeht: die Welle,
die leise Stimme eines fernen Buchs;

Erinnerung und Zukunft spricht und schweigt.
Wir aber müssen uns daran gewöhnen,
daß sich uns auf dem weiten Weg zum Schönen
der seltne Freund nur aus Fernen zeigt,
darin er einsam ist mit seinen Tönen.

II. Des Meisters Weg ist dunkel, als verlöre
er sich am Anfang einer alten Zeit.
Mir ist, als ob ich seine Einsamkeit,
wie man ein Meer bei Nacht hört – rauschen höre.
Wo kam er her? Wer sagts? Er kam von weit.

Und wir? weißt du es denn, woher wir stammen?
Oh unsre Wege sind wie Nacht und Wald.
Wer weiß, woher wir sind, wie reich, wie alt?
Und unsre Lampen scheue schwache Flammen
erhellen nicht mal die Gestalt –

viel weniger des Weges langen Lauf. –
Und das ist leben: nichts und keinen kennen,
nur alles sehn und zittern und nichts deuten, –
so hell wie möglich eine Weile brennen,
wie eine Kerze brennt bei fremden Leuten.

Rainer Maria Rilke: Rodin.

In: Rodin. Ein Vortrag. Die Briefe an Rodin, hrsg. von Oswalt von Nostitz. Frankfurt am Main und Hamburg 1955, S. 151f.

In den Tag hinein (Maria Speth, 2001).
“Das Ergebnis ist nicht die Lösung. Es bleiben Unbekannte und das ist die Kunst. Die Figuren bleiben unerklärt, so genau ihr Platz auch anzugeben ist in einer ausgezirkelten Konstellation. Die Erzählweise und die Bilder entsprechen einander in dieser Weise. Unterm Druck großer künstlerischer Kontrolle öffnet sich, paradoxer Weise aus dieser Kontrolle heraus, ein Freiheitsraum. Für die Figuren, für die Interpretation. Nicht, dass das immer ganz überzeugt. Manchmal verklumpt es sich zum bloßen Klischee - obwohl man den Eindruck hat, dass man sozusagen die Rückseite des Klischees zu sehen bekommt, die anders gedacht ist als seine Vorderseite. Nur bleiben sie in Momenten ununterscheidbar, diese beiden Seiten.”
Film-Kritik von Ekkehard Knörer, Jump Cut-Magazin
[via infinitetext:lanuitamericaine]

In den Tag hinein (Maria Speth, 2001).

“Das Ergebnis ist nicht die Lösung. Es bleiben Unbekannte und das ist die Kunst. Die Figuren bleiben unerklärt, so genau ihr Platz auch anzugeben ist in einer ausgezirkelten Konstellation. Die Erzählweise und die Bilder entsprechen einander in dieser Weise. Unterm Druck großer künstlerischer Kontrolle öffnet sich, paradoxer Weise aus dieser Kontrolle heraus, ein Freiheitsraum. Für die Figuren, für die Interpretation. Nicht, dass das immer ganz überzeugt. Manchmal verklumpt es sich zum bloßen Klischee - obwohl man den Eindruck hat, dass man sozusagen die Rückseite des Klischees zu sehen bekommt, die anders gedacht ist als seine Vorderseite. Nur bleiben sie in Momenten ununterscheidbar, diese beiden Seiten.”

Film-Kritik von Ekkehard Knörer, Jump Cut-Magazin

[via infinitetext:lanuitamericaine]

Ist das Zeitalter der Interpretation der Welt vorüber und gilt es sie zu verändern, dann nimmt Philosophie Abschied, und im Abschied halten die Begriffe inne und werden zu Bildern. Möchte Philosophie als wissenschaftliche Semantik Sprache in Logik übersetzen, so ist ihr als spekulativer noch übrig, die Logik zum Sprechen zu bringen. Nicht die Erste Philosophie ist an der Zeit sondern eine letzte.

Theodor W. Adorno: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 5, S. 47.

[via diesebastionbehrisch]

Know this as well: We no longer have our words. They have withdrawn. In truth, they live, they wander among us. THE FACE WITH THE LOST MOUTH.

Henri Michaux - Épreuves, exorcismes, translation by Louise Landes Levi.

[via frenchtwist]

“Die zweite Sprechweise [von Marx] ist politisch: Sie ist knapp und direkt, mehr als knapp und mehr als direkt, denn sie schließt jedes Wort kurz. Sie trägt keinen Sinn mehr, sondern einen Appell, eine Gewalt, eine Entscheidung zum Bruch (rupture).”
Maurice Blanchot: Les trois paroles de Marx. In: Maurice Blanchot: L’Amitié. Paris 1971, S. 116.
Zit. nach: Jacques Derrida: Marx’ Gespenster. Der Staat der Schuld, die Trauerarbeit und die neue Internationale. Frankfurt am Main 2004, S. 53.
[via negationdernegation]

“Die zweite Sprechweise [von Marx] ist politisch: Sie ist knapp und direkt, mehr als knapp und mehr als direkt, denn sie schließt jedes Wort kurz. Sie trägt keinen Sinn mehr, sondern einen Appell, eine Gewalt, eine Entscheidung zum Bruch (rupture).”

Maurice Blanchot: Les trois paroles de Marx. In: Maurice Blanchot: L’Amitié. Paris 1971, S. 116.

Zit. nach: Jacques Derrida: Marx’ Gespenster. Der Staat der Schuld, die Trauerarbeit und die neue Internationale. Frankfurt am Main 2004, S. 53.

[via negationdernegation]


Verkehrte Welt der Sprache ist Bedingung der Möglichkeit aller menschlichen Erfahrung. Sie ist so grundverkehrt, daß in ihr der Satz des zu vermeidenden Widerspruchs gilt und nicht gilt. Das ist mit keiner unverschämten Beschönigung zu verschleiern. Diese unsere Welt ist nicht niedlich.

Bruno Liebrucks: Sprache und Bewußtsein, Frankfurt am Main 1964, Band 1, S. 25.

[via diesebastionbehrisch]

Language makes thought, as much as it is made by thought. Thought inhabits language and language is its body.

Maurice Merleau-Ponty: Consciousness and the Acquisition of Language, translation by Hugh J. Silverman.

[via frenchtwist:foxesinbreeches]

Wenn man das Wagnis eingeht, ein Begrüßungswort zu sprechen, läßt man vielleicht den Eindruck entstehen, man wäre hier bei sich zu Hause, man wüßte, was das heißt, bei sich zu Hause sein, und daß man zu Hause empfängt, dorthin einlädt, dort seine Gastfreundschaft anbietet, sich also einen Ort aneignet, um den Anderen dort zu empfangen, oder, schlimmer noch, daß man den Anderen dort empfängt, um sich einen Ort anzueignen und die Sprache der Gastlichkeit zu sprechen (…)

Jacques Derrida: Adieu. Nachruf auf Emmanuel Lévinas, Carl Hanser Verlag, 1999, S. 33

[via retorsion]



“L’écriture n’a jamais été la chose du capitalisme. Le capitalisme est profondément analphabète. La mort de l’écriture, c’est comme la mort de Dieu ou du père, il y a longtemps que c’est fait, bien que l’événement mette longtemps à nous parvenir, et que survive en nous le souvenir de signes disparus avec lesquels nous écrivons toujours. La raison en est simple: l’écriture implique un usage du language en général d’après lequel le graphisme s’aligne sur la voix, mais aussi la surcode et induit une voix fictive des hauteurs fonctionnant comme signifiant. L’arbitraire du désigné, la subordination du signifié, la transcendance du signifiant despotique, et enfin sa décomposition consécutive en éléments minimaux dans un champ d’immanence mis à découvert par le retrait du despote, tout cela marque l’appartenance de l’écriture à la représentation despotique impériale. Dès lors, quand on annonce l’éclatement de la “galaxie Gutenberg”, que veut-on dire au juste? Certes, le capitalisme s’est beaucoup servi et se sert de l’écriture; non seulement l’écriture convient avec la monnnaie comme équivalent général, mais les fonctions spécifiques de la monnaie dans le capitalisme passèrent par l’écriture et l’imprimerie, et pour une part continuent de passer par là. Il n’en reste pas moins que l’écriture joue typiquement le rôle d’un archaïsme dans le capitalisme, l’imprimerie-Gutenberg étant alors l’élément qui donne à l’archaïsme une fonction actuelle. Mais l’usage capitaliste du langage est en droit d’une autre nature et se réalise ou devient concret dans le champ d’immanence propre au capitalisme lui-même, lorsqu’apparaissent les moyens techniques d’expression qui correspondent au décodage généralisé des flux, au lieu de renvoyer encore sous une forme directe ou indirecte au surcodage despotique.”
(L’Anti-Œdipe, p. 285–286)
[“Writing has never been capitalism’s thing. Capitalism is profoundly illiterate. The death of writing is like the death of God or the death of the father: the thing was settled a long time ago, although the news of the event is slow to reach us, and there survives in us the memory of extinct signs with which we still write. The reason for this is simple: writing implies a use of language in general according to which graphism becomes aligned on the voice, but also overcodes it and induces a fictitious voice from on high that functions as a signifier. The arbitrary nature of the thing designated, the subordination of the signified, the transcendence of the despotic signifier, and finally, its consecutive decomposition into minimal elements within a field of immanence uncovered by the withdrawal of the despot—all this is evidence that writing belongs to imperial despotic representation. Once this is said, what exactly is meant when someone announces the collapse of the ‘Gutenberg galaxy’? Of course capitalism has made and continues to make use of writing: not only is writing adapted to money as the general equivalent, but the specific functions of money in capitalism went by way of writing and printing, and in some measure continue to do so. The fact nonetheless remains that writing typically plays the role of an archaism in capitalism, the Gutenberg press being the element that confers on the archaism a current function. But the capitalist use of language is different in nature; it is realized or becomes concerted within the field of immanence peculiar to capitalism itself, with the appearance of the technical means of expression that correspond to the generalized decoding of flows, instead of still referring, in a direct or indirect form, to despotic overcoding.”
(Anti-Oedipus, p. 260—261)
“Noch nie war die Schrift Sache des Kapitalismus. Dieser ist von Grund auf Analphabeth. Der Tod der Schrift, das ist wie mit dem Tode Gottes oder des Vaters, schon lange zuvor hat das Ereignis stattgefunden, und doch braucht es Zeit, bis es zu uns dringt, lange überdauert in uns die Erinnerung an untergegangene Zeichen, mit denen wir gleichwohl noch schreiben. Der Grund ist ein einfacher: die Schrift impliziert einen allgemeinen Sprachgebrauch, der dadurch sich auszeichnet, daß sich der Graphismus an der Stimme ausrichtet, sie aber gleichzeitig übercodiert und eine als Signifikant funktionierende fiktive Stimme der Höhen einführt. Das Beliebige des Bezeichneten, die Unterordnung des Signifikats, die Transzendenz des despotischen Signifikanten, und endlich seine nachfolgende Dekomposition in kleinste Elemente innerhalb eines durch das Zurückweichen des Signifikanten aufgedeckten Immanenzfeldes: alles das markiert die Zugehörigkeit der Schrift zur imperialen despotischen Repräsentation. Indessen, wenn man das Ende der ‘Gutenberg-Galaxis’ annonciert, was mag man letztlich damit sagen wollen? Der Kapitalismus hat sich gewiß der Schrift umfassend bedient und bedient sich ihrer weiterhin; die Schrift entspricht nicht nur dem Geld als allgemeines Äquivalent, vielmehr laufen die spezifischen Strukturen des Geldes im Kapitalismus über die Schrift und den Buchdruck - auch heute noch. Es braucht weiter nichts, als daß die Schrift die Rolle des Archaismus im Kapitalismus spielt, die Gutenberg-Buchdruckerei jenes Element ist, das dem Archaismus eine aktuelle Funktion verleiht. Doch der kapitalistische Gebrauch der Sprache ist in Wahrheit von anderer Natur, er realisiert sich oder wird konkret in dem spezifisch kapitalistischen Immanenzzusammenhang dann, wenn die technischen Ausdrucksmittel auftauchen, die der verallgemeinerten Decodierung der Ströme entsprechen statt wie bisher in mittel- oder unmittelbarer Form auf die despotische Übercodierung zu verweisen.”
(Anti-Ödipus, S. 308 - 309)]
[via fuckyeahgillesdeleuze]
[via areashape]

“L’écriture n’a jamais été la chose du capitalisme. Le capitalisme est profondément analphabète. La mort de l’écriture, c’est comme la mort de Dieu ou du père, il y a longtemps que c’est fait, bien que l’événement mette longtemps à nous parvenir, et que survive en nous le souvenir de signes disparus avec lesquels nous écrivons toujours. La raison en est simple: l’écriture implique un usage du language en général d’après lequel le graphisme s’aligne sur la voix, mais aussi la surcode et induit une voix fictive des hauteurs fonctionnant comme signifiant. L’arbitraire du désigné, la subordination du signifié, la transcendance du signifiant despotique, et enfin sa décomposition consécutive en éléments minimaux dans un champ d’immanence mis à découvert par le retrait du despote, tout cela marque l’appartenance de l’écriture à la représentation despotique impériale. Dès lors, quand on annonce l’éclatement de la “galaxie Gutenberg”, que veut-on dire au juste? Certes, le capitalisme s’est beaucoup servi et se sert de l’écriture; non seulement l’écriture convient avec la monnnaie comme équivalent général, mais les fonctions spécifiques de la monnaie dans le capitalisme passèrent par l’écriture et l’imprimerie, et pour une part continuent de passer par là. Il n’en reste pas moins que l’écriture joue typiquement le rôle d’un archaïsme dans le capitalisme, l’imprimerie-Gutenberg étant alors l’élément qui donne à l’archaïsme une fonction actuelle. Mais l’usage capitaliste du langage est en droit d’une autre nature et se réalise ou devient concret dans le champ d’immanence propre au capitalisme lui-même, lorsqu’apparaissent les moyens techniques d’expression qui correspondent au décodage généralisé des flux, au lieu de renvoyer encore sous une forme directe ou indirecte au surcodage despotique.”

(L’Anti-Œdipe, p. 285–286)

[“Writing has never been capitalism’s thing. Capitalism is profoundly illiterate. The death of writing is like the death of God or the death of the father: the thing was settled a long time ago, although the news of the event is slow to reach us, and there survives in us the memory of extinct signs with which we still write. The reason for this is simple: writing implies a use of language in general according to which graphism becomes aligned on the voice, but also overcodes it and induces a fictitious voice from on high that functions as a signifier. The arbitrary nature of the thing designated, the subordination of the signified, the transcendence of the despotic signifier, and finally, its consecutive decomposition into minimal elements within a field of immanence uncovered by the withdrawal of the despot—all this is evidence that writing belongs to imperial despotic representation. Once this is said, what exactly is meant when someone announces the collapse of the ‘Gutenberg galaxy’? Of course capitalism has made and continues to make use of writing: not only is writing adapted to money as the general equivalent, but the specific functions of money in capitalism went by way of writing and printing, and in some measure continue to do so. The fact nonetheless remains that writing typically plays the role of an archaism in capitalism, the Gutenberg press being the element that confers on the archaism a current function. But the capitalist use of language is different in nature; it is realized or becomes concerted within the field of immanence peculiar to capitalism itself, with the appearance of the technical means of expression that correspond to the generalized decoding of flows, instead of still referring, in a direct or indirect form, to despotic overcoding.”

(Anti-Oedipus, p. 260—261)

“Noch nie war die Schrift Sache des Kapitalismus. Dieser ist von Grund auf Analphabeth. Der Tod der Schrift, das ist wie mit dem Tode Gottes oder des Vaters, schon lange zuvor hat das Ereignis stattgefunden, und doch braucht es Zeit, bis es zu uns dringt, lange überdauert in uns die Erinnerung an untergegangene Zeichen, mit denen wir gleichwohl noch schreiben. Der Grund ist ein einfacher: die Schrift impliziert einen allgemeinen Sprachgebrauch, der dadurch sich auszeichnet, daß sich der Graphismus an der Stimme ausrichtet, sie aber gleichzeitig übercodiert und eine als Signifikant funktionierende fiktive Stimme der Höhen einführt. Das Beliebige des Bezeichneten, die Unterordnung des Signifikats, die Transzendenz des despotischen Signifikanten, und endlich seine nachfolgende Dekomposition in kleinste Elemente innerhalb eines durch das Zurückweichen des Signifikanten aufgedeckten Immanenzfeldes: alles das markiert die Zugehörigkeit der Schrift zur imperialen despotischen Repräsentation. Indessen, wenn man das Ende der ‘Gutenberg-Galaxis’ annonciert, was mag man letztlich damit sagen wollen? Der Kapitalismus hat sich gewiß der Schrift umfassend bedient und bedient sich ihrer weiterhin; die Schrift entspricht nicht nur dem Geld als allgemeines Äquivalent, vielmehr laufen die spezifischen Strukturen des Geldes im Kapitalismus über die Schrift und den Buchdruck - auch heute noch. Es braucht weiter nichts, als daß die Schrift die Rolle des Archaismus im Kapitalismus spielt, die Gutenberg-Buchdruckerei jenes Element ist, das dem Archaismus eine aktuelle Funktion verleiht. Doch der kapitalistische Gebrauch der Sprache ist in Wahrheit von anderer Natur, er realisiert sich oder wird konkret in dem spezifisch kapitalistischen Immanenzzusammenhang dann, wenn die technischen Ausdrucksmittel auftauchen, die der verallgemeinerten Decodierung der Ströme entsprechen statt wie bisher in mittel- oder unmittelbarer Form auf die despotische Übercodierung zu verweisen.”

(Anti-Ödipus, S. 308 - 309)]

[via fuckyeahgillesdeleuze]

[via areashape]

Das Ich ist der erste Hörer der inneren Sprache – nicht derjenige, der antwortet – sondern derjenige, der antworten wird. Sobald er antwortet, ist er nicht mehr Ich.

Paul Valery: »Ich, Selbst und die Individualität«, in: Thomas Stölzel (Hg.): Ich grase meine Gehirnwiese ab. Paul Valéry und seine verborgenen Cahiers, Frankfurt am Main 2011, S. 134.

[via diesebastionbehrisch]

Nº. 1 of  5