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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

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Der Zusammenbruch des konventionellen deutschen Films entzieht einer von uns abgelehnten Geisteshaltung endlich den wirtschaftlichen Boden. Dadurch hat der neue Film die Chance, lebendig zu werden.
Deutsche Kurzfilme von jungen Autoren, Regisseuren und Produzenten erhielten in den letzten Jahren eine große Zahl von Preisen auf internationalen Festivals und fanden Anerkennung der internationalen Kritik. Diese Arbeiten und ihre Erfolge zeigen, daß die Zukunft des deutschen Films bei denen liegt, die bewiesen haben, daß sie eine neue Sprache des Films sprechen. […]
Der alte Film ist tot. Wir glauben an den Neuen.
Oberhausen, 28. Februar 1962.

Oberhausener Manifest: Erklärung 26 deutscher Filmemacher während der 8. Westdeutschen Kurzfilmtage, 1962.

Zit. nach: Hans Günther Pflaum/Hans Helmut Prinzler: Film in der Bundesrepublik Deutschland. Der neue deutsche Film. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Mit einem Exkurs über das Kino der DDR. Ein Handbuch. Bonn 1992, S. 9.

Jean-Baptiste Greuze - Der zerbrochene Spiegel
“Auf einer ernsteren Ebene schlägt [Diderot] beim Vergleich der beiden Bilder vor, dass man nicht antworten, diskurieren muss, dass das Bild kein Spiegel ist, der eine unmittelbare oder verborgene Bedeutung reflektierte, den Geist oder die Natur, einen bestimmten natürlichen oder kulturellen Gegenstand, einen Vogel oder einen Spiegel: Der Vogel ist immer schon davon geflogen, der Spiegel zerbrochen, gesprungen, und es ist das Zerbrechen der Bedeutung, das das junge Mädchen beweint, der Verlust nicht nur des Spiegels oder des Vogels, sondern jedes Bezugspunktes und daher jedes Diskurses; sie beweint die ‘Opferung’ des Subjekts oder den Verlust des Objekts, was tatsächlich nach Freud Melancholie erzeugt, bis die Trauerarbeit geleistet ist.”
Sarah Kofman: Melancholie der Kunst. Aus dem Französischen von Birgit Wagner. Wien 2008, S. 20f.

Jean-Baptiste Greuze - Der zerbrochene Spiegel

“Auf einer ernsteren Ebene schlägt [Diderot] beim Vergleich der beiden Bilder vor, dass man nicht antworten, diskurieren muss, dass das Bild kein Spiegel ist, der eine unmittelbare oder verborgene Bedeutung reflektierte, den Geist oder die Natur, einen bestimmten natürlichen oder kulturellen Gegenstand, einen Vogel oder einen Spiegel: Der Vogel ist immer schon davon geflogen, der Spiegel zerbrochen, gesprungen, und es ist das Zerbrechen der Bedeutung, das das junge Mädchen beweint, der Verlust nicht nur des Spiegels oder des Vogels, sondern jedes Bezugspunktes und daher jedes Diskurses; sie beweint die ‘Opferung’ des Subjekts oder den Verlust des Objekts, was tatsächlich nach Freud Melancholie erzeugt, bis die Trauerarbeit geleistet ist.”

Sarah Kofman: Melancholie der Kunst. Aus dem Französischen von Birgit Wagner. Wien 2008, S. 20f.

Ist das Zeitalter der Interpretation der Welt vorüber und gilt es sie zu verändern, dann nimmt Philosophie Abschied, und im Abschied halten die Begriffe inne und werden zu Bildern. Möchte Philosophie als wissenschaftliche Semantik Sprache in Logik übersetzen, so ist ihr als spekulativer noch übrig, die Logik zum Sprechen zu bringen. Nicht die Erste Philosophie ist an der Zeit sondern eine letzte.

Theodor W. Adorno: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 5, S. 47.

[via diesebastionbehrisch]

Cy Twombly
[via yvonneconstance:parenthesis-in-eternity]
“Von aller Kunst wäre zu sagen: Der Künstler ist der Zeiger von Affekten, Erfinder von Affekten, Schöpfer von Affekten, in Verbindung mit den Perzepten oder Visionen, die er uns gibt. Nicht nur in seinen Werken erschafft er sie, er gibt sie uns und läßt uns mit ihnen werden, er nimmt uns mit hinein ins Zusammengesetzte. […] Redon nannte eine Lithographie: ‘Es gab vielleicht ein erstes in der Blume versuchtes Sehen’. Die Blume sieht. Reiner und schlichter Schrecken: ‘Und siehst du diese Sonnenblume, die durch mein Schlafzimmerfenster hereinsieht? Den ganzen Tag glotzt sie in mein Zimmer.’ (Malcolm Lowry) Eine Geschichte der Blumen in der Malerei ist wie die immer wieder neu aufgenommene und fortgesetzte Erschaffung von Blumen-Affekten und Blumen-Perzepten. Kunst ist die Sprache der Empfindungen, ob sie über Wörter, Farben, Töne oder Steine verläuft. Kunst hat keine Meinung. Die Kunst zerstört die dreifache Organisation der Perzeptionen, Affektionen und Meinungen, um sie durch ein zusammengesetztes Monument aus Perzepten, Affekten und Empfindungsblöcken zu ersetzen, die für die Sprache stehen.”
Gilles Deleuze/Félix Guattari: Was ist Philosophie? Frankfurt am Main 2000, S. 207f.

Cy Twombly

[via yvonneconstance:parenthesis-in-eternity]

“Von aller Kunst wäre zu sagen: Der Künstler ist der Zeiger von Affekten, Erfinder von Affekten, Schöpfer von Affekten, in Verbindung mit den Perzepten oder Visionen, die er uns gibt. Nicht nur in seinen Werken erschafft er sie, er gibt sie uns und läßt uns mit ihnen werden, er nimmt uns mit hinein ins Zusammengesetzte. […] Redon nannte eine Lithographie: ‘Es gab vielleicht ein erstes in der Blume versuchtes Sehen’. Die Blume sieht. Reiner und schlichter Schrecken: ‘Und siehst du diese Sonnenblume, die durch mein Schlafzimmerfenster hereinsieht? Den ganzen Tag glotzt sie in mein Zimmer.’ (Malcolm Lowry) Eine Geschichte der Blumen in der Malerei ist wie die immer wieder neu aufgenommene und fortgesetzte Erschaffung von Blumen-Affekten und Blumen-Perzepten. Kunst ist die Sprache der Empfindungen, ob sie über Wörter, Farben, Töne oder Steine verläuft. Kunst hat keine Meinung. Die Kunst zerstört die dreifache Organisation der Perzeptionen, Affektionen und Meinungen, um sie durch ein zusammengesetztes Monument aus Perzepten, Affekten und Empfindungsblöcken zu ersetzen, die für die Sprache stehen.”

Gilles Deleuze/Félix Guattari: Was ist Philosophie? Frankfurt am Main 2000, S. 207f.

Und doch gelang es. Ich war wieder hinausgegangen, mit den anderen Lebenden, den anderen Bewohnern der Stadt, ich war in den Straßen umhergegangen, die Tränen waren versiegt und hatten den Blick wieder freigegeben, ich hatte geatmet, hatte wieder gesprochen, gelacht, hatte wieder Bücher gelesen und Kunstwerke betrachtet. Ich hatte weitergelebt, mit der ständigen Gegenwart dieser Bilder. Diese Bilder gehörten fortan zu unserm Dasein, sie waren nie wieder wegzudenken, und oft machten sie jedes Wort, das gesprochen wurde, jede Aufzeichnung, zu Lüge und Hohn.

Peter Weiss: Fluchtpunkt (1960/1961). Mit vier Collagen von Peter Weiss. Frankfurt am Main 1983, S. 136f.

[via realismousse:frutelia3000]

“Die Frage wird z.B. sein: Läßt sich, was ‘sattes Grün’ heißt, dadurch beibringen, daß man lehrt, was sattes Rot oder Gelb oder Blau ist?”
Ludwig Wittgenstein: Bemerkungen über die Farben. In: Werkausgabe Bd. 8. Frankfurt am Main 1984, S. 44.
[via frutelia3000:nidiosniamoniley]

“Die Frage wird z.B. sein: Läßt sich, was ‘sattes Grün’ heißt, dadurch beibringen, daß man lehrt, was sattes Rot oder Gelb oder Blau ist?”

Ludwig Wittgenstein: Bemerkungen über die Farben. In: Werkausgabe Bd. 8. Frankfurt am Main 1984, S. 44.

[via frutelia3000:nidiosniamoniley]

Daeng Buasand - Write Life, 2010oil on fabric covered foam, Japan clay, wood, 126 cm.
[via talkingknots:arpeggia]

Daeng Buasand - Write Life, 2010
oil on fabric covered foam, Japan clay, wood, 126 cm.

[via talkingknots:arpeggia]

Alle entscheidenden Schläge werden mit der linken Hand geführt werden.

—Walter Benjamin: Einbahnstraße. Frankfurt am Main 1955, S. 16.

Écrire dans une langue étrangère, c’est comme dessiner avec la main gauche lorsque tu es droitière… Cela donne un autre point de vue au final.

China Forbes, Chez vous en France, Geneviève Brame, La documentation Française, Paris 2006, p. 175.

[via a4rizm]

Das Gleichgewicht, worein sich Entstehen und Vergehen setzen, ist zunächst das Werden selbst. Aber dieses geht ebenso in ruhige Einheit zusammen. Sein und Nichts sind in ihm nur als Verschwindende; aber das Werden als solches ist nur durch die Unterschiedenheit derselben. Ihr Verschwinden ist daher das Verschwinden des Werdens oder Verschwinden des Verschwindens selbst. Das Werden ist eine haltungslose Unruhe, die in ein ruhiges Resultat zusammensinkt.
[…]
Aufheben und das Aufgehobene (das Ideelle) ist einer der wichtigsten Begriffe der Philosophie, eine Grundbestimmung, die schlechthin allenthalben wiederkehrt, deren Sinn bestimmt aufzufassen und besonders vom Nichts zu unterscheiden ist. – Was sich aufhebt, wird dadurch nicht zu Nichts. Nichts ist das Unmittelbare; ein Aufgehobenes dagegen ist ein Vermitteltes, es ist das Nichtseiende, aber als Resultat, das von einem Sein ausgegangen ist; es hat daher die Bestimmtheit, aus der es herkommt, noch an sich.
Aufheben hat in der Sprache den gedoppelten Sinn, daß es soviel wie Aufbewahren, erhalten bedeutet und zugleich soviel als aufhören lassen, ein Ende machen. Das Aufbewahren selbst schließt schon das Negative in sich […]. Die angegebenen zwei Bestimmungen des Aufhebens können lexikalisch als zwei Bedeutungen dieses Wortes aufgeführt werden. Auffallend müßte es aber dabei sein, daß eine Sprache dazu gekommen ist, ein und dasselbe Wort für zwei entgegengesetzte Bestimmungen zu gebrauchen. Für das spekulative Denken ist es erfreulich, in der Sprache Wörter zu finden, welche eine spekulative Bedeutung an ihnen selbst haben; die deutsche Sprache hat mehrere dergleichen.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Wissenschaft der Logik, Band I. In: Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel (Hsrg.): G.W.F. Hegel - Werke, Band 5. Frankfurt am Main 1979, S. 113-115.

[…] denn niemand von uns kann jemals das wirkliche Ausmaß seiner Wünsche, seiner Gedanken oder seiner Leiden ausdrücken; und die menschliche Sprache gleicht einem zersprungenen Kessel, auf den wir krude Rhythem wie für Tanzbären trommeln, während wir uns danach sehnen, eine Musik zu machen, bei der die Sterne schmelzen.

Gustave Flaubert: Madame Bovary.

[via totgesagt:docblume]

Verkehrte Welt der Sprache ist Bedingung der Möglichkeit aller menschlichen Erfahrung. Sie ist so grundverkehrt, daß in ihr der Satz des zu vermeidenden Widerspruchs gilt und nicht gilt. Das ist mit keiner unverschämten Beschönigung zu verschleiern. Diese unsere Welt ist nicht niedlich.

Bruno Liebrucks: Sprache und Bewußtsein, Frankfurt am Main 1964, Band 1, S. 25.

[via diesebastionbehrisch]

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