Denn wir sehen im Spiegel nicht so etwas wie das Bild des Dinges, sondern in ihm das Ding selber.
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Fußnote 1:
Der Ausdruck Spiegel-bild ist sehr mißverständlich, und sein Recht ist schwer zu fassen. Weder ist der Spiegel selber ein Bild; hingegen Gemälde z. B. oder Photographien sind selber Bilder; noch ist das, was im Spiegel ist, ein Bild; denn in ihm ist etwas überhaupt nur in der Weise und in dem Sinn, daß und wenn wir etwas im Spiegel sehen. Das Spiegelbild ist das Bild des Spiegels, und dieser Genitiv ist ein possessiver. Der Spiegel besitzt aber nicht etwas, das ein Bild wäre, sondern spiegelt das Ding ähnlich wie der Maler das Ding malt. Das Spiegelbild ist so das Bild des Spiegels ähnlich wie ein Bild das Bild des Malers ist, der es gemalt hat. Allein der Maler kann ein Ding nicht malen oder abmalen, es sei denn er male ein Bild des Dinges; während der Spiegel es fertig bringt, ein Ding zu spiegeln, ohne sozusagen gezwungen zu sein, ein Bild des Dinges zu spiegeln. Damit hängen dann weitere Unterschiede zusammen. Der Maler, der ein Ding abmalt, stellt das Ding dar; wenigstens kann man ohne Not, um der folgenden Abhebung willen, so sagen. Der Spiegel, der ein Ding spiegelt, mag gleichfalls durch sein Spiegeln das Ding darstellen. Endlich sagt man, ein Bild, z. B. ein Gemälde, stelle eine Sache dar. Daß nun der Maler das Ding darstellt (abmalt), ist rein eigentlich zu nehmen. Das Darstellen ist ohne weitere Bedingungen das Tun des Malers. Das dies Bild diese Sache darstellt, ist rein uneigentlich gesagt und darf unter keiner Bedingung dahin verstanden werden, daß das Darstellen das Tun des Bildes ist. Wie aber steht es nun mit dem Darstellen des Spiegels? Es darf weder rein eigentlich noch rein uneigentlich verstanden werden. Wir werden sagen: der Spiegel stelle dar in mittlerer Eigentlichkeit. Daß der Spiegel spiegelt, ist dies, daß er (in mittlerer Eigentlichkeit) das Ding, welches er spiegelt, darstellt. Das Spiegelbild ist demzufolge ein in mittlerer Eigentlichkeit vom Spiegel produziertes oder hergestelltes Bild. Und es ist nun für seinen Charakter als Bild definitiv, daß es ein nur in mittlerer Eigentlichkeit hergestelltes Bild ist. […]
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Josef König: Sein und Denken. Studien im Grenzgebiet von Logik, Ontologie und Sprachphilosophie, Halle 1937, S. 67f.
[via walter-benjamin-bluemchen]