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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

Posts tagged Schönheit:

Da wir dem Leben keine Schönheit abzuringen vermögen, sollten wir zumindest versuchen, unserem Unvermögen Schönheit abzuringen. Verwandeln wir unser Scheitern in einen Sieg, in etwas Positives, Erhabenes, mit Säulen, Würde und unserer geistigen Zustimmung!

Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe, Zürich 2003, S. 302.

[via abendgesellschaft]

Und wenn es so wäre, daß ich wahnsinnig bin, daß eine Welt in mir ist, die der deinen nicht gleicht - wenn es so wäre, wenn alles um mich herum riefe: Es ist nicht wahr. Du bist krank, wir sind gesund! Worin läge solcher Gesundheit Reiz? Wo deren Schönheit? Einmal war mir die Erde ein Fest, ein Ballsaal, unendlicher Spielraum, nächtliches Kaufhaus. Und jetzt? Wir sind schwarzweiße Comic-Helden, Floskeln, die man vom Ohr zu Ohr durch eine große grau Leere wirft. Ich habe keinen Wiedersehenswert entdeckt in deinem Land. Deiner Verwesung polternd Gasgemisch lebendig zu nennen - Euphemismus! Hättest soviel zu tun, aus dir noch was zu machen, so viel - das fällt in den Bereich der Theorie oder in die Vorstellungskraft hollywoodesker Lohnpoeten, denen für Geld kein Happy End zu aufgepriemelt ist. Dein Körper ist ein Massengrab verschenkter Möglichkeiten, erstickter Träume, ohne Sauerstoffmaske gar nicht begehbar, selbst dann nur mit Ekel!

Helmut Krausser: Der große Bagarozy, Hamburg 1997, S. 175.

[via animarson]

Edward Hopper - Excursion into Philosophy, 1959
[via nevver:animarson]

Edward Hopper - Excursion into Philosophy, 1959

[via nevver:animarson]

Das, was man als schön bezeichnet, entsteht in der Regel aus der Praxis des täglichen Lebens heraus. So entdeckten unsere Vorfahren, die wohl oder übel in dunklen Räumen leben mussten, irgendwann die dem Schatten innewohnende Schönheit, und sie verstanden es schließlich sogar, den Schatten einen ästhetischen Zweck dienstbar zu machen. Tatsächlich gründet die Schönheit eines japanischen Raumes rein in der Abstufung der Schatten. Sonst ist überhaupts nichts vorhanden. Abendländer wundern sich, wenn sie japanische Räume anschauen, über ihre Einfachheit und haben den Eindruck, es gebe da nur graue Wände ohne die geringste Ausschmückung. Das ist von ihrem Standpunkt her gesehen, durchaus plausibel; aber es zeigt, dass sie das Rätsel des Schattens nicht begriffen habe.

Tanizaki: In’ei-raisan (Lob des Schattens, 1933), Zürich 2010, Manesse Verlag, S. 37f.

[via animarson]

minusgold:

“LAUT ZU LESEN


es ist nicht deine schuld,
dass er dein gesicht nicht berühren kann,
deine nähe nicht sucht.

es ist nicht deine schuld,
dass die fäden seiner angst ihm die hände fesseln,
sich niemals nach dir ausstrecken.

es ist nicht deine schuld,
dass seine sprache deine schönheit nicht zu benennen vermag,
dass er, anders als du, von fremden träumt.

es ist nicht deine schuld,
dass sein schweigen deine uhren frisst,
seine antworten jahre brauchen.

es ist nicht deine schuld,
dass er sich kaputt in höhlen verkriecht,
lieber, als deine unberührten hände zu halten.

es ist nicht deine schuld.

und dennoch,
ist es deine haut,
die zu reißen versucht
es ist dein herz,
das die liebe verflucht

dein kopf,
der nach befreiung schreit,
deine zeit,
die sich zwischen nachrichten verteilt

deine lippen,
rosa ungeküsst
deine wunden
triefen weiter ungewusst


du, die zu lieben sich so sicher war
du und dein herz bleiben verwundbar.”

Maya Deren - Meditation on Violence, 1948

Edle Frisuren II: Jean Seberg in À bout de souffle (Jean-Luc Godard, 1960)

Edle Frisuren II: Jean Seberg in À bout de souffle (Jean-Luc Godard, 1960)

(via salomeincrisis)

Edle Frisuren I: Trude Fleischmann, Portrait, 1930
[via foxesinbreeches:garconniere, regardintemporel]

Edle Frisuren I: Trude Fleischmann, Portrait, 1930

[via foxesinbreeches:garconniere, regardintemporel]

Otto Dix - An die Schönheit [To Beauty], 1922
[via laura9]

Otto Dix - An die Schönheit [To Beauty], 1922

[via laura9]

(via merisoniomart)

Alexander McQueen: Savage Beauty Sarabande, Spring/Summer 2007 Photographer: Sølve Sundsbø 
(Source: The Metropolitan Museum of Art)
[via maliciousglamour:thonesz]

Alexander McQueen: Savage Beauty
Sarabande, Spring/Summer 2007
Photographer: Sølve Sundsbø 

(Source: The Metropolitan Museum of Art)

[via maliciousglamour:thonesz]

Demnach bleibt in aller Schönheit der Kunst jener Schein, will sagen jenes Streifen und Grenzen ans Leben noch wohnen und sie ist ohne diesen nicht möglich. Nicht aber umfaßt derselbe ihr Wesen. Dieses weist vielmehr tiefer hinab auf dasjenige, was am Kunstwerk im Gegensatze zum Schein als das Ausdruckslose bezeichnet werden darf, außerhalb dieses Gegensatzes aber in der Kunst weder vorkommt, noch eindeutig benannt werden kann. Zum Schein nämlich steht das Ausdruckslose, wiewohl im Gegensatz, doch in derart notwendigem Verhältnis, daß eben das Schöne, ob auch selber nicht Schein, aufhört ein wesentlich Schönes zu sein, wenn der Schein von ihm schwindet. Denn dieser gehört ihm zu als die Hülle und als das Wesensgesetz der Schönheit zeigt sich somit, daß sie als solche nur im Verhüllten erscheint. Nicht also ist, wie banale Philosopheme lehren, die Schönheit selbst Schein.
[…]
Nicht Schein, nicht Hülle für ein anderes ist die Schönheit. Sie selbst ist nicht Erscheinung, sondern durchaus Wesen, ein solches freilich, welches wesenhaft sich selbst gleich nur unter der Verhüllung bleibt. Mag daher Schein sonst überall Trug sein - der schöne Schein ist die Hülle vor dem notwendig Verhülltesten. Denn weder die Hülle noch der verhüllte Gegenstand ist das Schöne, sondern dies ist der Gegenstand in seiner Hülle. Enthüllt aber würde er unendlich unscheinbar sich erweisen. Hier gründet die uralte Anschauung, daß in der Enthüllung das Verhüllte sich verwandelt, daß es ‘sich selbst gleich’ nur unter der Verhüllung bleiben wird. Also wird allem Schönen gegenüber die Idee der Enthüllung zu der der Unenthüllbarkeit. Sie ist die Idee der Kunstkritik.

—Walter Benjamin: Goethes Wahlverwandtschaften. In: Siegfried Unseld (Hg.): Walter Benjamin - Illuminationen. Frankfurt am Main 1977, S. 129f.

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