Jean-Baptiste Greuze - Der zerbrochene Spiegel
“Auf einer ernsteren Ebene schlägt [Diderot] beim Vergleich der beiden Bilder vor, dass man nicht antworten, diskurieren muss, dass das Bild kein Spiegel ist, der eine unmittelbare oder verborgene Bedeutung reflektierte, den Geist oder die Natur, einen bestimmten natürlichen oder kulturellen Gegenstand, einen Vogel oder einen Spiegel: Der Vogel ist immer schon davon geflogen, der Spiegel zerbrochen, gesprungen, und es ist das Zerbrechen der Bedeutung, das das junge Mädchen beweint, der Verlust nicht nur des Spiegels oder des Vogels, sondern jedes Bezugspunktes und daher jedes Diskurses; sie beweint die ‘Opferung’ des Subjekts oder den Verlust des Objekts, was tatsächlich nach Freud Melancholie erzeugt, bis die Trauerarbeit geleistet ist.”
Sarah Kofman: Melancholie der Kunst. Aus dem Französischen von Birgit Wagner. Wien 2008, S. 20f.



