something in you
stands up. it is like light,
or a crime. it is alive.
your turn.
—
Marty McConnell: The World’s Guide to Beginning
something in you
stands up. it is like light,
or a crime. it is alive.
your turn.
—
Marty McConnell: The World’s Guide to Beginning
VON UNGETRÄUMTEM geätzt,
wirft das schlaflos durchwanderte Brotland
den Lebensberg auf.
Aus einer Krume
knetest du neu unsre Namen,
die ich, ein deinem
gleichendes
Aug an jedem der Finger,
abtaste nach
einer Stelle, durch die ich
mich zu dir heranwachen kann,
die helle
Hungerkerze im Mund.
—Paul Celan: Von Ungeträumtem. In: Atemwende. Frankfurt am Main 1982, S. 8.
DIE Hand voller Stunden, so kamst du zu mir – ich sprach:
Dein Haar ist nicht braun.
So hobst du es leicht auf die Waage des Leids, da war es
schwerer als ich …
Sie kommen auf Schiffen zu dir und laden es auf, sie bieten es
feil auf den Märkten der Lust –
Du lächelst zu mir aus der Tiefe, ich weine zu dir aus der
Schale, die leicht bleibt.
Ich weine: Dein Haar ist nicht braun, sie bieten das Wasser der
See, und du gibst ihnen Locken …
Du flüsterst: Sie füllen die Welt schon mit mir und ich bleib
dir ein Hohlweg im Herzen!
Du sagst: Leg das Blattwerk der Jahre zu dir – es ist Zeit, daß
du kommst und mich küssest!
Das Blattwerk der Jahre ist braun, dein Haar ist es nicht.
—Paul Celan: Die Hand voller Stunden. In: Mohn und Gedächtnis. Gedichte. Frankfurt am Main 1976, S. 12.
RODIN
Des Meisters Leben geht von uns so fern,
als wär es schon in Mythen umgewandelt;
wir fühlen nur die Dinge, die er handelt,
– und nicht ihn selbst: wir haben keinen Herrn.
Wir sind allein und weit an einer Stelle,
wo längst der Strom dem Brückenmaß entwuchs,
uns redet, was vorübergeht: die Welle,
die leise Stimme eines fernen Buchs;
Erinnerung und Zukunft spricht und schweigt.
Wir aber müssen uns daran gewöhnen,
daß sich uns auf dem weiten Weg zum Schönen
der seltne Freund nur aus Fernen zeigt,
darin er einsam ist mit seinen Tönen.
II. Des Meisters Weg ist dunkel, als verlöre
er sich am Anfang einer alten Zeit.
Mir ist, als ob ich seine Einsamkeit,
wie man ein Meer bei Nacht hört – rauschen höre.
Wo kam er her? Wer sagts? Er kam von weit.
Und wir? weißt du es denn, woher wir stammen?
Oh unsre Wege sind wie Nacht und Wald.
Wer weiß, woher wir sind, wie reich, wie alt?
Und unsre Lampen scheue schwache Flammen
erhellen nicht mal die Gestalt –
viel weniger des Weges langen Lauf. –
Und das ist leben: nichts und keinen kennen,
nur alles sehn und zittern und nichts deuten, –
so hell wie möglich eine Weile brennen,
wie eine Kerze brennt bei fremden Leuten.
—
Rainer Maria Rilke: Rodin.
In: Rodin. Ein Vortrag. Die Briefe an Rodin, hrsg. von Oswalt von Nostitz. Frankfurt am Main und Hamburg 1955, S. 151f.
Il étend la surface de son corps pour se retrouver.
Il renie la présence de lui-même pour se retrouver.
Il vêt d’une chemise quelques vides, pour avant l’autre Vide, un petit semblant de plein.
—
Henri Michaux - La vie dans les plis
Ich weine –
Meine Träume fallen in die Welt.
In meine Dunkelheit
Wagt sich kein Hirte.
Meine Augen zeigen nicht den Weg
Wie die Sterne.
Immer bettle ich vor deiner Seele;
Weißt du das?
Wär ich doch blind -
Dächte dann, ich läg in deinem Leib.
Alle blüten täte ich
Zu deinem Blut.
Ich bin vielreich,
Niemandwer kann mich pflücken;
Oder meine Gaben tragen
Heim.
Ich will dich ganz zart mich lehren;
Schon weißt du mich zu nennen.
Sieh meine Farben,
Schwarz und stern
Und mag den kühlen Tag nicht,
Der hat ein Glasauge.
Alles ist tot,
Nur du und ich nicht.
—
Else Lasker-Schüler - Giselheer dem Heiden
(via minusgold)
(…)
Mit jedem neuen Schmerz fand er eine neue Tonhöhe.
Seine Stimme stieg auf zwischen all den andern Stimmen,
Die in den Himmel brüllten.
Aber er fühlte sich selbst nun entblößter denn je.
Sein eigener Schweiß brannte Blasen in seine Haut und jeder Kuss
War eine offene Verbrennung auf seinem weißen Unterbauch.
Abschiede hinterließen Narben an seinen Beinen und Knöcheln,
merkte er,
Wie Brandflecken, und Anfänge waren traurige Eröffnungen
Zu noch mehr Abschied.
Er packte sich selbst wieder ein,
Las seine Eierschale auf, Stück für Stück,
Und klebte sie auf seine wunde Oberfläche. Ließ die Kanten
zusammenwachsen,
Bis er ganz instand gesetzt war und innendrin
Seine Stimme erstarb. Lieber ihm verloren als gestohlen
Von einer, die er liebgehabt.
—
Frieda Hughes - Vogelmann, in: Dies.: Wooroloo. Übertragung von Jutta Kaußen. Köln 2002.
Du machst Verrat zu Treue,
Und Treue zu Verrat!
—Georg Herwegh, Verrat! Deutsch-Französische Jahrbücher, 1844.
Am frühen Abend, wenn das Licht
Rouge auflegt, ein leichter Wein
und frischgepflückte Aprikosen
Den Ozean betrachten, schlicht
genießen, endlich fähig sein,
aller Ängste und Neurosen
wie welke Nelken hinter sich
zu lassen. Etwas ist geschafft,
immerhin, ein wenig, nicht
genug, das nie. Kein Königreich.
Was kommt, ist kalt und skizzenhaft,
wie hingetuscht, amorph und weich.
—
Helmut Krausser: Auf weißen Wüsten - Die besten Gedichte, München 2009.
[…]
Komm, wir wollen uns näher verbergen…
Das Leben liegt in aller Herzen
Wie in Särgen.
Du! wir wollen uns tief küssen—
Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,
An der wir sterben müssen.
-
[…]
Come, let us hide nearer each other…
Life lies in every heart
As in coffins.
You! let us kiss deeply—
A longing throbs against the planet
On which we must die.
—
Else Lasker-Schüler - Weltende
-
Else Lasker-Schüler - End of the World (translated by Michael Gillespie and Willis Barnstone)
Wo beginnen?
Alles kracht in den Fugen und schwankt.
Die Luft erzittert vor Vergleichen.
Kein Wort ist besser als das andre,
die Erde dröhnt von Metaphern…
—
Osip Mandelstam; zit.n.: Peter Handke - Weissagung, in.: Ders. - Publikumsbeschimpfung und andere Sprechstücke, Frankfurt am Main 1979, S. 51.
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