Andre Breton // Nadja
Andre Breton // Nadja
The XX - Fiction, 2012
[Coexist, Young Turks]
Die Vernichtung der eigenen Form ist gegenseitig, aber nicht absolut gleich; es schaut sich jedes in dem andern an, als zugleich ein fremdes, und dieses ist die Liebe; die Unbegreiflichkeit dieses sein selbst Seins in einem fremden gehört darum der Natur, nicht der Sittlichkeit, denn diese ist, in Beziehung auf die differenten, absolute Gleichheit beider; in Beziehung auf das Einssein absolutes Einssein durch die Idealität; jene Naturidealität aber bleibt in der Ungleichheit und darum in der Begierde, in welcher das eine bestimmt ist als ein subjektives, das andre als ein objektives.
—
Georg Wilhelm Friedrich Hegel: System der Sittlichkeit [Critik des Fichteschen Naturrechts], herausgegeben von Horst D. Brandt, Hamburg: Meiner 2002, S. 12f.
Ich könnte nicht aus Freundschaft lieben, würde die Kraft dieses Liebens nicht an den Horizont jenes Todes heranreichen. Der Horizont ist die Grenze und die Abwesenheit der Grenze, das Verschwinden des Horizonts, die Grenze als Abwesenheit der Grenze. Ich könnte nicht aus Freundschaft lieben, ohne mich dazu verpflichten, ohne mich im voraus verpflichtet zu fühlen, den andren über den Tod – also über das Leben hinaus zu lieben. Im voraus, vor jedem Vertrag, fühle ich mich unwiderstehlich dazu hingerissen, den toten anderen zu lieben. Ich fühle mich so (hingerissen zu) lieben; so fühle ich mich (lieben).
—
Jacques Derrida: Politik der Freundschaft, Frankfurt am Main 2002, S. 33.
On guérit comme on se console: on
n’a pas dans le coeur de quoi toujours
pleurer et toujours aimer.
[Man genest wie man sich tröstet:
das Herz hat nicht das Vermögen,
immer zu weinen und immer zu lieben.]
—
LA BRUYÈRE
Les Caractères, ch. IV, Du Coeur.
(Marcel Proust, Der Gleichgültige; Erzählung in zwei Sprachen, S. 38/39, suhrkamp taschenbuch)
Als ein Wesen, das imaginiert, weil es begehrt, ist der Mensch fähig, die ganze Welt in ein Bild seines Verlangens zu verwandeln. Und deshalb ist er ein liebendes Wesen, er sehnt sich nach einer Präsenz, die das lebendige Bild, die Verkörperung seines Traums ist.
—Octavio Paz
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