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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

Posts tagged Liebe:

Die Liebe vollendet die Gemeinschaft nicht (Sie steht weder gegen die Polis, noch außerhalb ihrer, noch an ihren Rändern): Sie wäre sonst das Werk der Gemeinschaft oder würde diese ins Werk setzen. Sobald man jedoch die Liebe nicht vom politisch-subjektiven Modell ihrer Verschmelzung zu einem Eins her begreift, bietet sie die Entwerkung und somit die unaufhörliche Un-Vollendung der Gemeinschaft dar. Sie exponiert die Gemeinschaft an ihrer Grenze. […]
Auf der Grenze exponieren die Liebenden das Einander-Aus-gesetzt-Sein der singulären Wesen wie auch das Pulsieren dieser Exposition: die Komparenz, das Überschreiten und die Mit-Teilung. […] Die Liebenden empfinden Lust, wenn sie im Augenblick der Intimität versinken, aber da dieses Ertrinken auch ihre Mit-Teilung ist, da dies weder den Tod bedeutet, so ist genau dies seinerseits eine Singularität, die sich (dem) draußen aussetzt.

Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem Französischen von Gisela Febel und und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 83f.

[via abgrundtiefe]
“Der Kuß ist trotz allem nicht das Wort. Sicherlich sprechen die Liebenden, aber es ist ein Sprechen an der Grenze, es ist ohnmächtig, exzessiv in seiner exzessiven Armut, ein Sprechen, in dem sich die Liebe auch schon verfängt: ‘Die Liebenden sprechen und das Wirrwarr ihrer Worte dämpft und steigert zugleich das Gefühl, das sie bewegt. Denn sie verleihen dem eine Dauer, dessen Wahrheit nur für den Augenblick eines Blitzes da ist.’ (Georges Bataille).”
Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem Französischen von Gisela Febel und und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 79f.

[via abgrundtiefe]

“Der Kuß ist trotz allem nicht das Wort. Sicherlich sprechen die Liebenden, aber es ist ein Sprechen an der Grenze, es ist ohnmächtig, exzessiv in seiner exzessiven Armut, ein Sprechen, in dem sich die Liebe auch schon verfängt: ‘Die Liebenden sprechen und das Wirrwarr ihrer Worte dämpft und steigert zugleich das Gefühl, das sie bewegt. Denn sie verleihen dem eine Dauer, dessen Wahrheit nur für den Augenblick eines Blitzes da ist.’ (Georges Bataille).”

Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem Französischen von Gisela Febel und und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 79f.

Tizian - Bildnis des Filippo Archinto, ca. 1558 
»Nicht enthüllen, wenn dir die Freiheit lieb ist, denn mein Antlitz ist Kerker der Liebe.« 

Leonardo da Vinci

Tizian - Bildnis des Filippo Archinto, ca. 1558 

»Nicht enthüllen, wenn dir die Freiheit lieb ist, denn mein Antlitz ist Kerker der Liebe.« 

Leonardo da Vinci

Die Unwahrheit steckt im Substrat von Echtheit selber, dem Individuum. Wenn im principum individuationis, wie die Antipoden Hegel und Schopenhauer gemeinsam erkannten, das Gesetz des Weltlaufs sich versteckt, so wird die Anschauung von der letzten und absoluten Substantialität des Ichs Opfer eines Scheins, der die bestehende Ordnung schützt, während ihr Wesen bereits verfällt. Die Gleichsetzung von Echtheit und Wahrheit ist nicht zu halten. Gerade die unbeirrte Selbstbesinnung – jene Verhaltensweise, die Nietzsche Psychologie nannte –, also die Insistenz auf der Wahrheit über einen selber, ergibt immer wieder, schon in den ersten Erfahrungen der Kindheit, daß die Regungen, auf die man reflektiert, nicht ganz ‘echt’ sind. Stets enthalten sie etwas von Nachahmung, Spiel, Andersseinwollen. […] Das Humane haftet an der Nachahmung: ein Mensch wird zum Menschen überhaupt erst, indem er andere Menschen imitiert. In solchem Verhalten, der Urform von Liebe, wittern die Priester der Echtheit Spuren jener Utopie, welche das Gefüge der Herrschaft zu erschüttern vermöchte. […] Ja es wäre nicht erst das Unechte, das als seinshaltig sich aufspielt, der Lüge zu überführen, sondern das Echte selber wird zur Lüge, sobald es zum Echten überhaupt wird, also in der Reflexion auf sich, in seiner Setzung als Echtes, in der es bereits die Identität überschreitet, die es im gleichen Atemzug behauptet.

Theodor W. Adorno: Goldprobe, in: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, in: Rolf Tiedmann (Hg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften Band 4, Frankfurt am Main 2003, S. 173-177.

[via abgrundtiefe:frutelia3000]


Die bitteren Tränen der Petra von Kant, von Rainer Werner Fassbinder, 2012.
Regie MARTIN KUŠEJ
mit:
Bibiana Beglau als Petra von Kant
Elisa Plüss als Gabriele von Kant, ihre Tochter
Andrea Wenzl als Karin Thimm, ihre Liebe
Sophie von Kessel als Marlene, ihre Bedienstete
Residenztheater München

Die bitteren Tränen der Petra von Kant, von Rainer Werner Fassbinder, 2012.

Regie MARTIN KUŠEJ

mit:

Bibiana Beglau als Petra von Kant

Elisa Plüss als Gabriele von Kant, ihre Tochter

Andrea Wenzl als Karin Thimm, ihre Liebe

Sophie von Kessel als Marlene, ihre Bedienstete

Residenztheater München

The XX - Fiction, 2012

[Coexist, Young Turks]

[via catcreature]

(via koetturskepna-deactivated201212)

Paula Morelenbaum - Seule

“Seule, seule,

Seule même dans tes bras

Seule la nuit

Seule le jour

Rêvant un grand amour

Qui ne vient pas

Chante une chanson pour me bercer

Fais-mois, je t’en prie, tout oublier

Embrasse-moi, enlace-moi

Meurt en mon corps ton désarroi

Ah, si tu savais me faire sourire!

Je pourrais t’aimer jusqu’au délire

Mais mon amour

Mon pauvre amour

Je ne rêve pas de toi”

[via supplim:salonsueno]

(via salonsueno-deactivated20130114)

“The Lana Sutra created by Cuban artist Erik Ravelo is a series of 15 installations conceived as a homage to love and dedicated to the desire for an equal and sharing society.”

[via sweet-station]

[via ruineshumaines:chaoticoncentration]

(via chaoticoncentration)

Das Leben schien nur lebenswert, wo die Schwelle, die zwischen Wachen und Schlaf ist, in jedem ausgetreten war, wie von Tritten massenhafter hin und wider flutender Bilder, die Sprache nur sie selbst, wo Laut und Bild und Bild und Laut mit automatischer Exaktheit derart glücklich ineinandergriffen, daß für den Groschen »Sinn« kein Spalt mehr übrigblieb. Bild und Sprache haben den Vortritt. Saint-Pol-Roux befestigt, wenn er gegen Morgen sich zum Schlafe niederlegt, an seiner Tür ein Schild: Le poète travaille. Breton notiert: »Still. Ich will, wo keiner noch hindurchgegangen ist, hindurchgehen, still! – Nach Ihnen, liebste Sprache.« Die hat den Vortritt.[…]
Die wahre, schöpferische Überwindung religiöser Erleuchtung aber liegt nun wahrhaftig nicht bei den Rauschgiften. Sie liegt in einer profanen Erleuchtung, einer materialistischen, anthropologischen Inspiration, zu der Haschisch, Opium und was immer sonst die Vorschule abgeben können. (Aber eine gefährliche. Und die der Religionen ist strenger.)
[…]
Jede ernsthafte Ergründung der okkulten, sürrealistischen, phantasmagorischen Gaben und Phänomene hat eine dialektische Verschränkung zur Voraussetzung, die ein romantischer Kopf sich niemals aneignen wird. Es bringt uns nämlich nicht weiter, die rätselhafte Seite am Rätselhaften pathetisch oder fanatisch zu unterstreichen; vielmehr durchdringen wir das Geheimnis nur in dem Grade, als wir es im Alltäglichen wiederfinden, kraft einer dialektischen Optik, die das Alltägliche als undurchdringlich, das Undurchdringliche als alltäglich erkennt. Die passionierteste Untersuchung telepathischer Phänomene zum Beispiel wird einen über das Lesen (das ein eminent telepathischer Vorgang ist) nicht halb soviel lehren, wie die profane Erleuchtung des Lesens über die telepathischen Phänomene. Oder: die passionierteste Untersuchung des Haschischrausches wird einen über das Denken (das ein eminentes Narkotikum ist) nicht halb soviel lehren, wie die profane Erleuchtung des Denkens über Literarische und ästhetische Essays den Haschischrausch. Der Leser, der Denkende, der Wartende, der Flaneur sind ebensowohl Typen des Erleuchteten wie der Opiumesser, der Träumer, der Berauschte. Und sind profanere. Ganz zu schweigen von jener fürchterlichsten Droge – uns selber –, die wir in der Einsamkeit zu uns nehmen.

—Walter Benjamin: Der Sürrealismus. In: Tiedemann/Schweppenhäuser (Hrsg.): Walter Benjamin - Gesammelte Schriften II.1., Frankfurt am Main 1991, S. 295-310; hier: S. 296f. und S. 307f.

Die meisten Bücher, die wir zitieren, sind Bücher, die wir mögen (manchmal aus geheimen oder perversen Gründen). Es macht nichts, daß einige sehr bekannt, andere weniger bekannt oder vergessen sind. Wenn wir zitieren, dann nur aus Liebe. Wir beanspruchen nicht, eine Summa zu verfassen oder eine Chronik aufzustellen, unsere Verfahren sind Vergessen und Subtraktion. […] Findet die Stellen in einem Buch, mit denen ihr etwas anfangen könnt.

Gilles Deleuze und Félix Guattari: Rhizom. Berlin 1977, S. 39f.

[via brainexpectingrain]

[via walter-benjamin-bluemchen]

F ä c h e r. – Man wird folgende Erfahrung gemacht haben: liebt man jemanden, ist man sogar nur intensiv mit ihm beschäftigt, so findet man beinah in jedem Buche sein Porträt. Ja, er erscheint als Spieler und als Gegenspieler. In den Erzählungen, Romanen und Novellen begegnet er in immer neuen Verwandlungen. Und hieraus folgt: das Vermögen der Phantasie ist die Gabe, im unendlich Kleinen zu interpolieren, jeder Intensität als Extensivem ihre neue gedrängte Fülle zu erfinden, kurz, jedes Bild zu nehmen, als sei es das des zusammengelegten Fächers, das erst in der Entfaltung Atem holt und mit der neuen Breite die Züge des geliebten Menschen in seinem Innern aufführt.

—Walter Benjamin: Einbahnstraße. Frankfurt am Main 1955, S. 68.

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