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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

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Da wir dem Leben keine Schönheit abzuringen vermögen, sollten wir zumindest versuchen, unserem Unvermögen Schönheit abzuringen. Verwandeln wir unser Scheitern in einen Sieg, in etwas Positives, Erhabenes, mit Säulen, Würde und unserer geistigen Zustimmung!

Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe, Zürich 2003, S. 302.

[via abendgesellschaft]

“A life ladder”
[via noxe]

“A life ladder”

[via noxe]

(Source: stationarywomanhood)

Nur wo dieses Pathos des Neubeginns vorherrscht und mit Freiheitsvorstellungen verknüpft ist, haben wir das Recht, von Revolution zu sprechen.

—Hannah Arendt: Über die Revolution. München 1974, S. 41. 

Das faszinierendste und vielleicht (ohne übertreiben zu wollen) entscheidenste Wort Freuds findet sich in dieser posthum veröffentlichten Notiz: ‘Psyche ist ausgedehnt, weiß nichts davon.’ Das heißt, daß die ‘Psyche’ Körper ist, und daß es genau dies ist, was ihr entgeht, und daß (könnte man denken) dieses Entgangene oder Entgehen sie als ‘Psyche’ konstituiert, und zwar in der Dimension eines Sich-nicht-Kennen (-Könnens/Wollens).

Jean-Luc Nancy: Corpus. Zürich-Berlin 2007, S. 23.

[via walter-benjamin-bluemchen]

Und wenn es so wäre, daß ich wahnsinnig bin, daß eine Welt in mir ist, die der deinen nicht gleicht - wenn es so wäre, wenn alles um mich herum riefe: Es ist nicht wahr. Du bist krank, wir sind gesund! Worin läge solcher Gesundheit Reiz? Wo deren Schönheit? Einmal war mir die Erde ein Fest, ein Ballsaal, unendlicher Spielraum, nächtliches Kaufhaus. Und jetzt? Wir sind schwarzweiße Comic-Helden, Floskeln, die man vom Ohr zu Ohr durch eine große grau Leere wirft. Ich habe keinen Wiedersehenswert entdeckt in deinem Land. Deiner Verwesung polternd Gasgemisch lebendig zu nennen - Euphemismus! Hättest soviel zu tun, aus dir noch was zu machen, so viel - das fällt in den Bereich der Theorie oder in die Vorstellungskraft hollywoodesker Lohnpoeten, denen für Geld kein Happy End zu aufgepriemelt ist. Dein Körper ist ein Massengrab verschenkter Möglichkeiten, erstickter Träume, ohne Sauerstoffmaske gar nicht begehbar, selbst dann nur mit Ekel!

Helmut Krausser: Der große Bagarozy, Hamburg 1997, S. 175.

[via animarson]

“Quel est votre plus grande ambition dans la vie?
Devenir immortel. Et puis: mourir!”

“Quel est votre plus grande ambition dans la vie?

Devenir immortel. Et puis: mourir!”

Statt zu fragen, wofür wir leben, fragen wir uns nur noch, wie wir möglichst lange leben beziehungsweise überleben können - gemäß den nunmehr völlig fraglos verabsolutierten Prinzipien wie Gesundheit, Sicherheit, Nachhaltigkeit und - vor allem - Kosteneffizienz. Dies ist nicht allein ein Stück Torheit - gemäß den Worten des Epikur, wonach der Weise niemals das größte Brot wähle, sondern immer das süßeste. Wir begehen damit vielmehr genau das, was in den Augen des römischen Satirikers Juvenal die schlimmste ethische Verfehlung darstellte. Er schrieb: »Betrachte es als den größten Frevel, das nackte Leben höher zu stellen als die Scham. Und um des Lebens willen die Gründe, für die es sich zu leben lohnt, zu verlieren.«

Robert Pfaller, Wofür es sich zu leben lohnt. Und was uns das vergessen lässt: Über-Ich, Narzissmus, Beuteverzicht, in: Kreation und Depression. Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus, hrsg. von Christoph Menke und Juliane Rebentisch, Berlin 2010, S. 191 - 207, hier: S. 193.

[via edsminorplace]

On guérit comme on se console: on
n’a pas dans le coeur de quoi toujours
pleurer et toujours aimer.


[Man genest wie man sich tröstet:
das Herz hat nicht das Vermögen,
immer zu weinen und immer zu lieben.]

LA BRUYÈRE
Les Caractères, ch. IV, Du Coeur.

(Marcel Proust, Der Gleichgültige; Erzählung in zwei Sprachen, S. 38/39, suhrkamp taschenbuch)

[via imregenfahrradfahren]

Geliebte Tätigkeiten I: Schnüffeln, dann ein- und aus-igeln, dann kann es losgehen.

[via baumwollpflanze]

(Source: yoopuriinn, via baumwollpflanze-deactivated2012)

Ein “Buchhafen” in Marburg Oberstadt. Einige Werke hatte er dort erstanden. Aber es schien ihm, als sollte er ein anderes Ufer und einen neuen Hafen ansteuern.
[via mephistopholus]
[viaweloveourcities:solar.empire]

Ein “Buchhafen” in Marburg Oberstadt. Einige Werke hatte er dort erstanden. Aber es schien ihm, als sollte er ein anderes Ufer und einen neuen Hafen ansteuern.

[via mephistopholus]

[viaweloveourcities:solar.empire]

SCHREIB DICH NICHT
zwischen die Welten,

komm auf gegen
der Bedeutungen Vielfalt,

vertrau der Tränenspur
und lerne leben.

Paul Celan: Schreib dich nicht. In: Paul Celan - Die Gedichte. Kommentierte Gesamtausgabe in einem Band, herausgegeben und kommentiert von Barbara Wiedemann, Frankfurt am Main 2005, S. 493.

Ein Mann hat eine Erfahrung gemacht, jetzt sucht er die Geschichte dazu — man kann nicht leben mit einer Erfahrung, die ohne Geschichte bleibt, scheint es, und manchmal stelle ich mir vor, ein andrer habe genau die Geschichte meiner Erfahrung…
[…]
Ich probiere Geschichten an wie Kleider!

Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein. Frankfurt am Main 1964.

[via -jsc-]

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