Nº. 1 of  1

Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

Posts tagged Imago:

Wird aber das Reale zum Bild, indem es in seiner Partikularität dem Ganzen so gleicht, wie ein Fordwagen allen anderen derselben Serie, so werden umgekehrt die Bilder zur unmittelbaren Realität. Zum vielberufenen ästhetischen Bildbewußtsein kommt es nicht mehr. Jede Leistung der Phantasie, die Erwartung, daß sie von sich aus die disjekten Elemente des Wirklichen zu dessen Wahrheit versammle, wird als ungebührliches Ansinnen fortgewiesen. Phantasie wird durch die automatisch verbissene Kontrolle darüber substituiert, ob auch die letzte imago, die zur Verteilung gelangt, das genaue, sachkundige und zuverlässige Abbild des entsprechenden Stückchens Wirklichkeit ist.

Theodor W. Adorno & Max Horkheimer: Das Schema der Massenkultur. Kulturindustrie (Fortsetzung). In: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 3, S. 301.

[via walter-benjamin-bluemchen]

Das Imaginäre an all dem später aufheben; es ist ebenfalls aktionsfähig.

René Char, Hypnos, Aufzeichnungen aus dem Maquis (1943-1944), zit. n.: Paul Celan, Gesammelte Werke, Bd. 4, Übertragungen I, S. 447, Frankfurt/M. 1986. 

[via noxe]

Das unmittelbare Erleben tritt zurück. Es brennen die Bilder, ihr unerschöpflicher beschirmter Traum. Sie entführen. Der körperliche Blick reicht nur über den Platz bis an die Burgen, - aber die Trauer reicht weiter, tief in die Ebene hinein, über die Wälder, die leeren Hügel, in den Abend, das Imaginäre, sie wird nicht mehr heimkehren, dort verweilt sie, sie sucht etwas, doch es ist zerfallen, und dann muß sie Abschied nehmen unter dem Licht zerbrochener Himmel - - (…).

—Gottfried Benn: Summarisches Überblicken, Roman des Phänotyp. In: Künstlerische Prosa. In der Fassung der Sämtlichen Werke - Stuttgarter Ausgabe. Herausgegebn, durchgesehen und mit einem Nachwort von Holger Hof. Stuttgart (Klett-Cotta) 2006 S.174 (via nokturn)

(via brainexpectingrain)

Wird aber das Reale zum Bild, indem es in seiner Partikularität dem Ganzen so gleicht, wie ein Fordwagen allen anderen derselben Serie, so werden umgekehrt die Bilder zur unmittelbaren Realität. Zum vielberufenen ästhetischen Bildbewußtsein kommt es nicht mehr. Jede Leistung der Phantasie, die Erwartung, daß sie von sich aus die disjekten Elemente des Wirklichen zu dessen Wahrheit versammle, wird als ungebührliches Ansinnen fortgewiesen. Phantasiewird durch die automatisch verbissene Kontrolle darüber substituiert, ob auch die letzte imago, die zur Verteilung gelangt, das genaue, sachkundige und zuverlässige Abbild des entsprechenden Stückchens Wirklichkeit ist.

Theodor W. Adorno & Max Horkheimer: Das Schema der Massenkultur. Kulturindustrie (Fortsetzung). In: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften, Darmstadt 1998, Band 3, S. 301.

Was sie jedoch von der Kulturindustrie bewahrt wähnen, wird von ihr desto gründlicher zerstört. Das gemütliche alte Wirtshaus demoliert der Farbfilm mehr, als Bomben es vermochten: er rottet seine imago aus. Keine Heimat überlebt ihre Aufbereitung in den Filmen, die sie feiern, und alles Unverwechselbare, von dem sie zehren, zum Verwechseln gleichmachen.

—Theodor W. Adorno, Résumé über Kulturindustrie. In: Tiedemann u.a. (Hrsg.): Theodor W. Adorno - Gesammelte Schriften Band 10.1, Frankfurt am Main 2003, S. 342.

Für die Imagines – wir haben das Vorrecht, zu sehen, wie ihre verschleierten Gesichter in unserer alltäglichen Erfahrung und im Halbschatten der symbolischen Wirksamkeit Konturen gewinnen – scheint das Spiegelbild die Schwelle der sichtbaren Welt zu sein, falls wir uns der spiegelartigen Anordnung überlassen, welche die Imago des eigenen Körpers in der Halluzination und im Traum darbietet – handle es sich nun um seine individuellen Züge, seine Gebrechen oder seine Projektion auf ein Objekt –, falls wir die Rolle des spiegelnden Apparates in den Erscheinungsweisen des Doppelgängers entdecken, in denen sich psychische Realitäten manifestieren, die im übrigen sehr verschiedenartig sein können.

—Jacques Lacan: Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion wie sie uns in der psychoanalytischen Erfahrung erscheint. In: Haas (Hg.): Jacques Lacan - Schriften I, Freiburg 1973, S. 65.

Die Lektüre vieler literarischer Beiträge der “Lacaniens” ist deshalb unerträglich. Sie erschöpfen sich in Wiederholungen, Paraphrasierungen, versuchen den oft assoziativen Stil des Meisters nachzuahmen, entbehren jeder eigenständigen Exegese - und sind deshalb noch “dunkler” als die Schriften des Meisters selbst. Lacan wurde zum “sujet-supposé-savoir”, zum Subjekt, das man als wissendes setzt, zum “personifizierten großen Anderen”, der eine absolute Wahrheit hat und mit dem man deshalb zu verschmelzen sucht. Zweifellos ein Paradox: In der Identifikation mit dieser Imago des Schöpfers einer Lehre, welche die Destruktion solcher Imagines zum zentralen Inhalt hat und sich deshalb ganz besonders zur Institutionskritik eignet, hält die imaginär-narzißtische Kategorie durch die Hintertür triumphalen Einzug.

Hermann Lang: Die Sprache und das Unbewußte. Jacques Lacans Grundlegung der Psychoanalyse, Frankfurt am Main 1973, S. XI.

[via diesebastionbehrisch]