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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

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Müßiggänger erfassen mehr von den Dingen als Geschäftige, dringen tiefer als diese in sie ein: ihren Horizont begrenzt keinerlei Arbeit. In einen ewigen Sonntag hineingeboren, lassen sie ihre Blicke schweifen, betrachten sie sich selbst, während sie betrachten. [Faulheit ist eine physiologische Skepsis, ist das Zweifeln des Fleisches.] In einer dem Müßiggang anheimgefallenen Welt würden sie die einzigen sein, die nicht Mörder wären.

E. M. Cioran: Die Sonntage des Lebens, in: ders.: Lehre vom Zerfall, übertragen von Paul Clean, Stuttgart: Klett-Cotta 2010, S. 32.

[via abendgesellschaft:diesebastionbehrisch]

(via diesebastionbehrisch)

Die Liebe vollendet die Gemeinschaft nicht (Sie steht weder gegen die Polis, noch außerhalb ihrer, noch an ihren Rändern): Sie wäre sonst das Werk der Gemeinschaft oder würde diese ins Werk setzen. Sobald man jedoch die Liebe nicht vom politisch-subjektiven Modell ihrer Verschmelzung zu einem Eins her begreift, bietet sie die Entwerkung und somit die unaufhörliche Un-Vollendung der Gemeinschaft dar. Sie exponiert die Gemeinschaft an ihrer Grenze. […]
Auf der Grenze exponieren die Liebenden das Einander-Aus-gesetzt-Sein der singulären Wesen wie auch das Pulsieren dieser Exposition: die Komparenz, das Überschreiten und die Mit-Teilung. […] Die Liebenden empfinden Lust, wenn sie im Augenblick der Intimität versinken, aber da dieses Ertrinken auch ihre Mit-Teilung ist, da dies weder den Tod bedeutet, so ist genau dies seinerseits eine Singularität, die sich (dem) draußen aussetzt.

Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem Französischen von Gisela Febel und und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 83f.

[via abgrundtiefe]
"Der Kuß ist trotz allem nicht das Wort. Sicherlich sprechen die Liebenden, aber es ist ein Sprechen an der Grenze, es ist ohnmächtig, exzessiv in seiner exzessiven Armut, ein Sprechen, in dem sich die Liebe auch schon verfängt: ‘Die Liebenden sprechen und das Wirrwarr ihrer Worte dämpft und steigert zugleich das Gefühl, das sie bewegt. Denn sie verleihen dem eine Dauer, dessen Wahrheit nur für den Augenblick eines Blitzes da ist.’ (Georges Bataille)."
Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem Französischen von Gisela Febel und und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 79f.

[via abgrundtiefe]

"Der Kuß ist trotz allem nicht das Wort. Sicherlich sprechen die Liebenden, aber es ist ein Sprechen an der Grenze, es ist ohnmächtig, exzessiv in seiner exzessiven Armut, ein Sprechen, in dem sich die Liebe auch schon verfängt: ‘Die Liebenden sprechen und das Wirrwarr ihrer Worte dämpft und steigert zugleich das Gefühl, das sie bewegt. Denn sie verleihen dem eine Dauer, dessen Wahrheit nur für den Augenblick eines Blitzes da ist.’ (Georges Bataille)."

Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem Französischen von Gisela Febel und und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 79f.

Jan Saenredam nach Corlis van Haarlem - Platons Höhlengleichnis, Kupferstich, 1604.
"Ähnlich ungeklärt ist auch der Gebrauch des Begriffs ‘Simulation’, dessen Benutzung einen Unterschied zur Nicht-Simulation zwingend macht. Aber genau das Nicht-Simulierte soll es ja nach Baudrillard im dritten Simulakrum nicht mehr geben. Dann fallen aber alle Begriffe zusammen, weil sie eben keine Unterschiede mehr bezeichnen: Simulation gleich Realität gleich Hyperrealität."
Thomas Noetzel: Authentizität als politisches Problem. Ein Beitrag zur Theoriegeschichte der Legitimation politischer Ordnung. Berlin 1999, S. 143f.
"Wenn aber alles Simulation ist, so wird das Wort unbenutzbar; der Begriff verliert jede Bedeutung. Da lohnt sich abschließend ein Blick auf die (ontologischen?) Grenzen der Simulation. […] Auch die simulierte Welt hat […] glücklicherweise einen Riss. Es bleibt ein Rest, eine Lücke. Das ist der Zeitpunkt, an dem die eineiige Zwillingsschwester der Simulation auftritt: die Authentizität."
Thomas Noetzel: Die Simulation - Zombie des Monats - 09/2012 - Portal Ideengeschichte 

Jan Saenredam nach Corlis van Haarlem - Platons Höhlengleichnis, Kupferstich, 1604.

"Ähnlich ungeklärt ist auch der Gebrauch des Begriffs ‘Simulation’, dessen Benutzung einen Unterschied zur Nicht-Simulation zwingend macht. Aber genau das Nicht-Simulierte soll es ja nach Baudrillard im dritten Simulakrum nicht mehr geben. Dann fallen aber alle Begriffe zusammen, weil sie eben keine Unterschiede mehr bezeichnen: Simulation gleich Realität gleich Hyperrealität."

Thomas Noetzel: Authentizität als politisches Problem. Ein Beitrag zur Theoriegeschichte der Legitimation politischer Ordnung. Berlin 1999, S. 143f.

"Wenn aber alles Simulation ist, so wird das Wort unbenutzbar; der Begriff verliert jede Bedeutung. Da lohnt sich abschließend ein Blick auf die (ontologischen?) Grenzen der Simulation. […] Auch die simulierte Welt hat […] glücklicherweise einen Riss. Es bleibt ein Rest, eine Lücke. Das ist der Zeitpunkt, an dem die eineiige Zwillingsschwester der Simulation auftritt: die Authentizität."

Thomas Noetzel: Die Simulation - Zombie des Monats - 09/2012 - Portal Ideengeschichte 

We are always in the space in-between… all the spaces where you are not actually at home. You haven’t arrived yet…. This is where our mind is the most open. We are alert, we are sensitive, and destiny can happen. We do not have any barriers and we are vulnerable. Vulnerability is important. It means we are completely alive and this is an extremely important space.

Marina Abramovic

[via renewsbeginscollects:leda-swanson]

(via swanfucker)

3) a Meine Definition von Politik: die Erfüllung der ungesteigerten Menschhaftigkeit
b Es darf nicht heißen: durch die Religion erlassne, sondern muß heißen durch sie erforderte Gesetzgebung des Profanen. Die mosaischen Gesetze gehören wahrscheinlich ausnahmslos nicht zu ihr. Sondern diese gehören der Gesetzgebung über das Gebiet der Leiblichkeit im weitesten Sinne an (vermutlich) und haben eine ganz besondere Stellung; sie bestimmen Art und Zone unmittelbarer göttlicher Einwirkung. Und ganz unmittelbar da wo diese Zone sich ihre Grenze setzt, wo sie zurücktritt, grenzt das Gebiet der Politik, des Profanen, der im religiösen Sinne gesetzlosen Leiblichkeit an.

—Walter Benjamin: Ohne Titel, Fragment 73, Zur Geschichtsphilosophie, Historik und Politik. In: Tiedemann/Schweppenhäuser (Hrsg.): Walter Benjamin - Gesammelte Schriften, Band VI, S. 99.

[Theologisch-Politisches Fragment]

Erst der Messias selbst vollendet alles historische Geschehen, und zwar in dem Sinne, daß er dessen Beziehung auf das Messianische selbst erst erlöst, vollendet, schafft. Darum kann nichts Historisches von sich aus sich auf Messianisches beziehen wollen. Darum ist das Reich Gottes nicht das Telos der historischen Dynamis; es kann nicht zum Ziel gesetzt werden. Historisch gesehen ist es nicht Ziel, sondern Ende. Darum kann die Ordnung des Profanen nicht am Gedanken des Gottesreiches aufgebaut werden, darum hat die Theokratie keinen politischen sondern allein einen religiösen Sinn. Die politische Bedeutung der Theokratie mit aller Intensität geleugnet zu haben ist das größte Verdienst von Blochs »Geist der Utopie«.
Die Ordnung des Profanen hat sich aufzurichten an der Idee des Glücks. Die Beziehung dieser Ordnung auf das Messianische ist eines der wesentlichen Lehrstücke der Geschichtsphilosophie. Und zwar ist von ihr aus eine mystische Geschichtsauffassung bedingt, deren Problem in einem Bilde sich darlegen läßt. Wenn eine Pfeilrichtung das Ziel, in welchem die Dynamis des Profanen wirkt, bezeichnet, eine andere die Richtung der messianischen Intensität, so strebt freilich das Glückssuchen der freien Menschheit von jener messianischen Richtung fort, aber wie eine Kraft durch ihren Weg eine andere auf entgegengesetzt gerichtetem Wege zu befördern vermag, so auch die profane Ordnung des Profanen das Kommen des messianischen Reiches. Das Profane also ist zwar keine Kategorie des Reichs, aber eine Kategorie, und zwar der zutreffendsten eine, seines leisesten Nahens. Denn im Glück erstrebt alles Irdische seinen Untergang, nur im Glück aber ist ihm der Untergang zu finden bestimmt. – Während freilich die unmittelbare messianische Intensität des Herzens, des innern einzelnen Menschen durch Unglück, im Sinne des Leidens hindurchgeht. Der geistlichen restitutio in integrum, welche in die Unsterblichkeit einführt, entspricht eine weltliche, die in die Ewigkeit eines Unterganges führt und der Rhythmus dieses ewig vergehenden, in seiner Totalität vergehenden, in seiner räumlichen, aber auch zeitlichen Totalität vergehenden Weltlichen, der Rhythmus der messianischen Natur, ist Glück. Denn messianisch ist die Natur aus ihrer ewigen und totalen Vergängnis.
Diese zu erstreben, auch für diejenigen Stufen des Menschen, welche Natur sind, ist die Aufgabe der Weltpolitik, deren Methode Nihilismus zu heißen hat.

—Walter Benjamin: Theologisch-politisches Fragment. In: Tiedemann/Schweppenhäuser (Hrsg.): Walter Benjamin - Gesammelte Schriften, Band II.1, Frankfurt am Main 1991, S. 203f.

Ich könnte nicht aus Freundschaft lieben, würde die Kraft dieses Liebens nicht an den Horizont jenes Todes heranreichen. Der Horizont ist die Grenze und die Abwesenheit der Grenze, das Verschwinden des Horizonts, die Grenze als Abwesenheit der Grenze. Ich könnte nicht aus Freundschaft lieben, ohne mich dazu verpflichten, ohne mich im voraus verpflichtet zu fühlen, den andren über den Tod – also über das Leben hinaus zu lieben. Im voraus, vor jedem Vertrag, fühle ich mich unwiderstehlich dazu hingerissen, den toten anderen zu lieben. Ich fühle mich so (hingerissen zu) lieben; so fühle ich mich (lieben).

Jacques Derrida: Politik der Freundschaft, Frankfurt am Main 2002, S. 33.

[via diesebastionbehrisch]

Die Weise des Anderen sich darzustellen, indem er die Idee des Anderen in mir überschreitet, nennen wir nun Antlitz. Diese Weise besteht nicht darin, vor meinem Blick als Thema aufzutreten, sich als ein Ganzes von Qualitäten, in denen sich ein Bild gestaltet, auszubreiten. In jedem Augenblick zerstört und überflutet das Antlitz des Anderen das plastische Bild, das er mir hinterläßt, überschreitet er die Idee, die nach meinem Maß und nach dem Maß ihres ideatum ist - die adäquate Idee.

Emmanuel Lévinas: Totalität und Unendlichkeit. Versuch über die Exteriorität, Freiburg – München 1987, S. 63.

[via lf:diesebastionbehrisch]

(Source: dr0fn0thing)

Sagen wir es gleich am Anfang: der entscheidende Hass des Antidemokraten Platon sieht klarer in die Fundamente der Politik und der Demokratie als die Liebe jener müden Apologeten, die uns versichern, dass es angebracht sei, die Demokratie „vernünftig“, das heißt „gemäßigt“ zu lieben. Tatsächlich sieht er, was diese vergessen haben: die Verrechnung der Demokratie, die in letzter Instanz die Verrechnung der Politik ist. Es gibt Politik – und nicht einfache Herrschaft -, weil es eine falsche Zählung der Teile des Ganzen gibt. Es ist die unmögliche Gleichung, die die Formel zusammenfasst, die Herodot dem Perser Otanes zuschreibt: das Ganze ist im Vielen.

Jacques Rancière: Das Unvernehmen, Frankfurt am Main, 2002, S. 23.

[via universalestate:brainexpectingrain]

László Moholy-Nagy, Target Practice (In the Name of the Law), ca. 1927
[via areashape:quincampoix]

László Moholy-Nagy, Target Practice (In the Name of the Law), ca. 1927

[via areashape:quincampoix]

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