Tizian - Bildnis des Filippo Archinto, ca. 1558
»Nicht enthüllen, wenn dir die Freiheit lieb ist, denn mein Antlitz ist Kerker der Liebe.«
Leonardo da Vinci
Tizian - Bildnis des Filippo Archinto, ca. 1558
»Nicht enthüllen, wenn dir die Freiheit lieb ist, denn mein Antlitz ist Kerker der Liebe.«
Leonardo da Vinci
Sóley - Pretty Faces, 2011
[We Sink, Morr Music]
Nicht Reflexion – Vergegenwärtigung ist Prousts Verfahren. Er [Proust] ist ja von der Wahrheit durchdrungen, daß wir alle keine Zeit haben, die wahren Dramen des Daseins zu leben, das uns bestimmt ist. Das macht uns altern. Nichts anderes. Die Runzeln und Falten im Gesicht, sie sind Eintragungen der großen Leidenschaften, die Laster, die Erkenntnisse, die bei uns vorsprachen – doch wir, die Herrschaft, waren nicht zu Hause.
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He [Proust] is filled with the insight that none of us has the time to live the true dramas of the life that we are destined for. This is what ages us – this and nothing else. The wrinkles and creases on our faces are the registration of the great passions, vices, insights that called on us; but we, the masters, were not home.
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Walter Benjamin: Zum Bilde Prousts. In: Siegfried Unseld (Hrsg.): Walter Benjamin - Illuminationen, Frankfurt am Main 1977, S. 345.
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Walter Benjamin: The Image of Proust. In: Walter Benjamin - Illuminations: Essays and Reflections. Trans. by Harry Zohn, New York: Schocken Books, 1969.
(Source: gravellyrun, via lf)
Haben wir das Gesicht soeben noch inmitten einer Masse gesehen und wird es dann gesondert hervorgehoben, dann ist es uns, als wären wir plötzlich mit ihm unter vier Augen allein. Sahen wir es auch vorhin in einem großen Raum, so werden wir dennoch, wenn wir dann während der Nahaufnahme in dieses Gesicht blicken, nicht mehr an jenen Raum denken. Denn der Ausdruck des Gesichtes und die Bedeutung dieses Ausdrucks hat keinerlei räumliche Beziehung oder Verbindung. Einem isolierten Anlitz gegenüber fühlen wir uns nicht im Raum. Unser Raumempfinden ist aufgehoben. Eine andersgeartete Dimension erschließt sich: die Physiognomie.
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Bela Balázs: Der Film. Werden und Wesen einer neuen Kunst. Wien 1972, S. 53.
“LAUT ZU LESEN
es ist nicht deine schuld,
dass er dein gesicht nicht berühren kann,
deine nähe nicht sucht.
es ist nicht deine schuld,
dass die fäden seiner angst ihm die hände fesseln,
sich niemals nach dir ausstrecken.
es ist nicht deine schuld,
dass seine sprache deine schönheit nicht zu benennen vermag,
dass er, anders als du, von fremden träumt.
es ist nicht deine schuld,
dass sein schweigen deine uhren frisst,
seine antworten jahre brauchen.
es ist nicht deine schuld,
dass er sich kaputt in höhlen verkriecht,
lieber, als deine unberührten hände zu halten.
es ist nicht deine schuld.
und dennoch,
ist es deine haut,
die zu reißen versucht
es ist dein herz,
das die liebe verflucht
dein kopf,
der nach befreiung schreit,
deine zeit,
die sich zwischen nachrichten verteilt
deine lippen,
rosa ungeküsst
deine wunden
triefen weiter ungewusst
du, die zu lieben sich so sicher war
du und dein herz bleiben verwundbar.”
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