In einem Abschnitt seines Buchs ‘The Claim of Reason’ erwähnt Stanley Cavell das ‘Gewahren eines Punkts, an dem der weitere Verlauf oder das Los [path] unserer Kommunikation davon abhängt, daß du den nächsten Schritt tust, ohne anderen Beistand, diesen Schritt zu tun.’
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Weil an diesem Punkt Liebe und Freundschaft auf die Probe gestellt werden, ist er für deren Bildung und Erneuerung sogar ausschlaggebend. Wir dürfen Regung und Urteil, Gewahren und Wissen nicht einfach gleichsetzen, beinhaltet und erlaubt Wissen ein urteilendes Verfügen über das ‘Kommunizieren’ und die Regungen, die es hervorruft. In dem Augenblick, in dem ich dessen gewahr werde, daß es so ist: daß du den nächsten Schritt tun mußt, weiß ich lediglich, daß es in unserer Beziehung, zwischen dir und mir, in der ‘Kommunikation’, die sich zwischen uns ereignet, etwas gibt, das mich zum Innehalten anhält. Ich muß unterbrechen, eine Unterbrechung zum Ausdruck bringen, will ich unsere Beziehung fortsetzen, will ich klären, was es damit auf sich hat. Es mag so scheinen, als würde ich mich dabei von dir entfernen, ja, als würde ich auf meinem ‘eigenen Titel’ insistieren. Vielleicht kann ich dir aber niemals näher sein als in diesem Augenblick. Jetzt haben wir eine Chance, es richtig zu machen. Die Kommunikation bricht nicht schlichtweg ab. Wir haben den Punkt erreicht, an dem wir gegenüber dem ‘Kommunizieren’ besonders aufmerksam sind, besonders empfindlich, einen Punkt, an dem die höchsten Anforderungen an unsere Fähigkeit, dieses oder jenes zu gewahren, ergehen, einen aphoristischen Punkt des Vollzugs oder der integralen Aktualität. Ich vertraue darauf, daß du den Unterschied kennst. Vielleicht wirst du ihn mir verdeutlichen.WIe kann ich allerdings eines solchen Punktes gewahr werden, eines So-ist-es, das so ungewiß und schwer bestimmbar ist, das sich so sehr der Feststellung entzieht, daß meine Antwort auf die unausweichliche Forderung, innezuhalten, auch eine Entscheidung, eine Wette, eine Herausforderung sein muß, eine schreckliche Last, die ich deiner Zuwendung aufzubürden wage? Der Weg führt durch einen Bereich, in dem Gewalt herrscht. Jeder getane oder vermiedene Schritt ist ebenso gewaltsam wie die Schritte der Tänzer, die sich in William Forsythes ‘Choreographie One Flat Thing, Reproduced’ schnell, gefährlich wagemutig bewegen, zwischen, unter, auf dicht nebeneinandergestellten Tischen, die rechteckig und kantig sind. Werden wir uns verletzen? Ich weiß vielleicht, warum unser ‘Kommunizieren’ an den Punkt gelangt ist, an dem ich spüre, daß ich innehalten muß. Diese Forderung teilt mir aber gerade mit, daß der fragliche Punkt ein Wendepunkt ist, ein Punkt, an dem sich etwas zeigen wird, das unsere Beziehung selber betrifft, das sie entweder einen Schritt weiter oder zu ihrem Ende bringt. Dessen gewahr zu sein, daß wir uns an einem Wendepunkt befinden, bedeutet demnach, daß ich auf die Grenzen meines Wissens stoße, zumindest im Hinblick auf unser ‘Kommunizieren’.
—Alexander García Düttmann: So ist es. Ein philosophischer Kommentar zu Adornos ‘Minima Moralia’. Frankfurt am Main 2004, S. 82f.