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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

Posts tagged Fernando Pessoa:

Da wir dem Leben keine Schönheit abzuringen vermögen, sollten wir zumindest versuchen, unserem Unvermögen Schönheit abzuringen. Verwandeln wir unser Scheitern in einen Sieg, in etwas Positives, Erhabenes, mit Säulen, Würde und unserer geistigen Zustimmung!

Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe, Zürich 2003, S. 302.

[via abendgesellschaft]

Letzten Endes bleibt von diesem Tage das, was vom gestrigen blieb und vom morgigen bleiben wird: die unersättliche und nicht zählbare Begierde, immer derselbe und ein anderer zu sein.

Fernando Pessoa, Buch der Unruhe

[via gewehrfabrik:imregenfahrradfahren]

Ich bin zu einem Buchwesen geworden, zu einem gelesenen Leben. Was ich fühle, wird, ohne daß ich das wollte, gefühlt, damit aufgeschrieben werden kann, daß es gefühlt worden ist. Was ich denke, steht sogleich in Worten da, untermischt mit Bildern, die es zerstören, ausgebreitet in Rhythmen, die etwas anderes sind. Über der Mühsal, mich selber wieder zusammenzusetzen, habe ich mich zerstört. Über so vielem Mich-Überdenken bin ich schon meine Gedanken geworden, aber nicht ich selbst. Ich wollte mich erkunden und ließ die Sonde tief hinabsinken; ich lebe mit dem Gedanken, ob ich tief bin oder nicht, nunmehr ohne eine andere Sonde als den Blick, der mir, hell auf dunklem Grund, im Spiegel des tiefen Brunnens mein eigenes Gesicht zeigt, das mich betrachtet, so wie ich es betrachte.

Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe, Frankfurt am Main 1988, S. 155.

[via diesebastionbehrisch]

Die Liebe, der Schlaf, die Drogen und die Gifte sind Elementarformen der Kunst, oder, besser gesagt, sie bringen die gleiche Wirkung hervor wie sie. Aber auf Liebe, Schlaf und Drogen folgt allemal die Desillusionierung. Der Liebe wird man satt, oder sie enttäuscht. Aus dem Schlaf erwacht man und, während man geschlafen hat, hat man nicht gelebt. Die Drogen bezahlt man mit dem Ruin der Physis, zu deren Stimulierung sie gedient haben. Aber in der Kunst gibt es keine Desillusionierung, denn die Illusion war von Anfang an einkalkuliert. Aus der Kunst gibt es kein Erwachen, denn in ihr schlafen wir nicht, wenn wir auch träumen mögen. In der Kunst gibt es keinen Tribut, keine Strafe, die wir bezahlen müssten, weil wir sie genossen haben.

Den Genuß, den sie uns bietet, brauchen wir, da er in gewisser Weise nicht der unsrige ist, weder zu bezahlen noch zu bereuen.
[…]
Besitzen heißt verlieren. Fühlen ohne zu besitzen, heißt bewahren, denn es bedeutet, aus einer Sache ihr Wesen herauszuziehen.

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe, S. 293/294

[via imregenfahrradfahren]

(via imregenfahrradfahren-deactivate)

Everything, all that I’ve written, is grey. My life, even my mental life, has been like a drizzly day in which everything is non-occurrence and haziness, empty privilege and forgotten purpose. I agonize in tattered silks. In the light and in tedium I see but don’t know myself.

Fernando Pessoa

[via anderalexander:shredyourtears]

(Source: nu-v44v, via watchinghereyes4512)

Sich bewegen heißt leben, sich in Worte fassen heißt überleben.

Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe, Zürich 2008, S. 35.

[via diesebastionbehrisch]

Indem wir nichts ernst nehmen und unsere Empfindungen als die einzig gewisse Wirklichkeit betrachten, finden wir bei ihnen Zuflucht und erforschen wir große unbekannte Länder. Und wenn wir nicht nur Sorgfalt auf die ästhetische Betrachtung, sondern auch auf den Ausdruck ihrer Methoden und Ergebnisse verwenden, dann, weil die Prosa oder Verse, die wir schreiben, ohne fremdes Verständnisvermögen überzeugen oder fremden Willen bewegen zu wollen, nur wie das laute Vorsichhinsprechen eines Lesenden sind, dass dazu beiträgt, dem subjektiven Genuss der Lektüre volle Objektivität zu verschaffen.

Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe, Zürich 2008, S. 14.

[via diesebastionbehrisch]

Ich habe niemals den Selbstmord als Lösung betrachtet, weil ich das Leben aus Liebe zum Leben hasse.

Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe, Frankfurt am Main 1987, S. 125.

[via diesebastionbehrisch]

In diesem Augenblick kommen mir so viele fundamentale Gedanken, so viele wahrhaft metaphysische Dinge möchte ich mitteilen, daß ich auf einmal müde werde und die Entscheidung fälle, nicht weiterzuschreiben, nicht weiterzudenken, sondern geschehen zu lassen, daß mir das Ausdrucksfieber Schlaf schenkt und ich mit geschlossenen Augen all das, was ich gesagt haben könnte, wie eine Katze streichele.

Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe, Frankfurt am Main 1987, S. 295.

[via diesebastionbehrisch]