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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

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Ödipus ist wie ein Labyrinth, man tritt aus ihm nur heraus, indem man wieder eintritt (oder in dem man einen anderen zum Eintritt veranlaßt). Ödipus als Problem oder Lösung, das sind die zwei Enden einer Binde, die die umfassende Wunschproduktion zum Stocken bringt. Man dreht die Schraubenmuttern fest, bis nichts mehr von der Produktion herausdringt außer einem Gemurmel. Das Unbewußte ist niedergewalzt, trianguliert, vor Alternativen gestellt worden, die nicht die seinen sind. Alle Ausgänge verriegelt: aus mit dem möglichen Gebrauch inklusiver, nicht-limitativer Disjunktionen. Man hat dem Unbewußten Eltern gemacht!

—Gilles Deleuze und Félix Guattari: Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie I. Übersetzt von Bernd Schwibs. Frankfurt am Main 1977, S. 102.

Das ist die klassische, duale, hierarchiserte Opposition. Mann/Frau heißt auch automatisch groß/klein, überlegen/unterlegen… das heißt oben oder unten, das heißt Natur/Geschichte, das heißt Veränderung/Unbeweglichkeit. In der Tat ist alle Theorie der Kultur, alle Theorie der Gesellschaft, sämtliche symbolische Systeme - also alles, was sich spricht, sich organisiert als Diskurs, Kunst, Religion, Familie, Sprache, alles das, was uns verhaftet ist, was uns macht - organisiert in hierarchiserenden Oppositionen, die zurückgehen auf die Opposition Mann/Frau, die nur aufrechterhalten wird durch eine Differenz, die der kulturelle Diskurs als ‘naturgegeben’ versteht, die Differenz zwischen Aktivität und Passivität. Das funktioniert immer so, und diese Opposition ist eine Opposition in Paaren. Es ist ein Paar, das verstanden wird als sich opponierend, es ist ein Paar, zwischen dem es Spannung gibt, Kampf gibt… ein Paar, wo ein gewisser Krieg getrieben wird, wo immer ein Tod dabei ist, und wenn ich immer wieder die Bedeutung der Opposition als Paar hervorhebe, so deshalb, weil alles dies eben nicht nur nichts als Worte sind .. oder zumindest Wort ist: alles ist Wort, alles ist nichts als Wort. Festzustellen, daß es in Paaren abläuft, daß es das Paar ist, was es am funktionieren hält, weist auch darauf hin, daß man sich mit dem Paar beschäftigen muß, wenn man die Kultur dekonstruieren und transformieren möchte. Das Paar als Ort, als Kriegsschauplatz in der Kultur, aber auch als der Ort, der einer vollständigen Transformation der Relation zwischen dem Einen und dem Anderen bedarf und sie erfordert. Es ist immer das Paar, mit dem man sich beschäftigen muß, und also zum Beispiel damit: ‘was wäre eine völlig andersartige Paarbeziehung, was wäre eine Liebe, die nicht einfach eine Hülle wäre, nicht einfach eine Verschleierung des Kriegs?’

—Hélène Cixous: Geschlecht oder Kopf. In: Die unendliche Zirkulation des Begehrens - Weiblichkeit in der Schrift. Aus dem Französischen übersetzt von Eva Meyer und Jutta Kranz. Berlin 1977, S. 21f.

Die Kritik der praktischen Philosophie Kants organisiert die gesamte Philosophie des Rechts. Sie sichert den Übergang von der Moralität zur Sittlichkeit. In den Augen Hegels kann Kant nicht, will Kant nicht die Möglichkeit der Sittlichkeit denken und kann also nicht und will also auch nicht, aus Gründen, die (mit oder ohne Hegel) zu analysieren sind, dieses wesentliche Moment der Sittlichkeit denken, welches die Familie ist. Es gäbe folglich keinen Kantischen Begriff der Familie, keinen philosophisch, logisch herleitbaren und streng zuweisbaren Begriff, der dem Geschwätz einer empirischen Anthropologie entginge.Es gibt keine kantische Familie … außer als empirischer äußerlicher Zufall: als ein Bastard.
Am Ende seines Lebens gab Hegel einem unehelichen Sohn (fils naturel), der gekommen war, sich zu erkennen zu geben, zur Antwort: Ich weiß, daß ich irgendwie an ihrer Geburt beteiligt war, doch dereinst war ich im Zufälligen, jetzt bin ich im Wesentlichen.

Jacques Derrida: Glas, München 2006, S. 11

[via diesebastionbehrisch]

(Source: universalestate)

Meine Begeisterung für Nietzsche, Rousseau und auch für Gide, den ich damals viel las, bedeutete unter anderem: “Familie, ich hasse Dich”.

Jacques Derrida: Diese merkürdige Institution namens Literatur, in: Jürn Gottschalk und Tilmann Köppe: Was ist Literatur? Basistexte Literaturtheorie, Paderborn 2006, S. 93.

[via diesebastionbehrisch]