Die Liebe, der Schlaf, die Drogen und die Gifte sind Elementarformen der Kunst, oder, besser gesagt, sie bringen die gleiche Wirkung hervor wie sie. Aber auf Liebe, Schlaf und Drogen folgt allemal die Desillusionierung. Der Liebe wird man satt, oder sie enttäuscht. Aus dem Schlaf erwacht man und, während man geschlafen hat, hat man nicht gelebt. Die Drogen bezahlt man mit dem Ruin der Physis, zu deren Stimulierung sie gedient haben. Aber in der Kunst gibt es keine Desillusionierung, denn die Illusion war von Anfang an einkalkuliert. Aus der Kunst gibt es kein Erwachen, denn in ihr schlafen wir nicht, wenn wir auch träumen mögen. In der Kunst gibt es keinen Tribut, keine Strafe, die wir bezahlen müssten, weil wir sie genossen haben.
Den Genuß, den sie uns bietet, brauchen wir, da er in gewisser Weise nicht der unsrige ist, weder zu bezahlen noch zu bereuen.
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Besitzen heißt verlieren. Fühlen ohne zu besitzen, heißt bewahren, denn es bedeutet, aus einer Sache ihr Wesen herauszuziehen.
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Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe, S. 293/294
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