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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

Posts tagged Fühlen:

Gefühl in den Augenblicken totenähnlichen Seins: Alle Menschen sind der Liebe wert. Erwachend fühlst du die Bitternis der Welt, darin ist alle deine ungelöste Schuld; Dein Gedicht eine unvollkommene Sühne.

—Georg Trakl: Dichtungen und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe, hrsg. v. Walther Killy und Hans Szklenar, Salzburg 1987, Band 1, S. 463.

Im Gegensatz zu dem kognitivistischen Ansatz der Beschäftigung mit Emotionen begreift der phänomenologische Ansatz Empathie nicht als einen ausschließlich kognitiven Akt: er ist nicht mit Informationen verknüpft, weil die Gefühle des Anderen dem empathisierenden Subjekt (dem Betrachter) nicht zugänglich sind und äußerlich bleiben. Empathie lässt sich - wie Stein argumentieren würde - eher als ein Fühlen begreifen, das auf unterschiedlichen Ebenen zusammengefügt wird, und zwar auf einer Wahrnehmungs-, einer Gefühls- und einer Kognitionsebene. Ich bin der Auffassung, dass die von Stein vorgeschlagene Darstellung der Struktur der Einfühlung vollständig und komplex genug ist, um damit die psychologische Dynamik der filmischen Erfahrung erklären zu können. An dieser Stelle sind wir endlich bereit dafür, Steins Beschreibung des empathischen Prozesses zu lesen:

"[A] Indem es mit einem Schlage vor mir auftaucht, steht es mir als Objekt gegenüber (z.B. die Trauer, die ich dem anderen ‘vom Gesicht ablese’);
[B] indem ich aber den implizierten Tendenzen nachgehe (mir die Stimmung, in der sich der andere befindet, zu klarer Gegebenheit zu bringen versuche), ist es nicht mehr im eigentlichen Sinne Objekt, sondern hat mich in sich hineingezogen, ich bin ihm jetzt nicht mehr zugewendet, sondern in ihm seinem Objekt zugewendet, bin bei seinem Subjekt, an dessen Stelle;
[C] und erst nach der im Vollzug erfolgten Klärung tritt es mir wieder als Objekt gegenüber.”

Edith Stein: Zum Problem der Einfühlung. Halle 1917, S. 9.

—Adriano D’Aloia: Edith Stein geht ins Kino. Empathie als Filmtheorie. In: montage/av - Zeitschrift für Theorie und Geschichte audiovisueller Kommunikation. 19/1/2010, S. 79 - 100, hier: S. 92.

Die Liebe, der Schlaf, die Drogen und die Gifte sind Elementarformen der Kunst, oder, besser gesagt, sie bringen die gleiche Wirkung hervor wie sie. Aber auf Liebe, Schlaf und Drogen folgt allemal die Desillusionierung. Der Liebe wird man satt, oder sie enttäuscht. Aus dem Schlaf erwacht man und, während man geschlafen hat, hat man nicht gelebt. Die Drogen bezahlt man mit dem Ruin der Physis, zu deren Stimulierung sie gedient haben. Aber in der Kunst gibt es keine Desillusionierung, denn die Illusion war von Anfang an einkalkuliert. Aus der Kunst gibt es kein Erwachen, denn in ihr schlafen wir nicht, wenn wir auch träumen mögen. In der Kunst gibt es keinen Tribut, keine Strafe, die wir bezahlen müssten, weil wir sie genossen haben.

Den Genuß, den sie uns bietet, brauchen wir, da er in gewisser Weise nicht der unsrige ist, weder zu bezahlen noch zu bereuen.
[…]
Besitzen heißt verlieren. Fühlen ohne zu besitzen, heißt bewahren, denn es bedeutet, aus einer Sache ihr Wesen herauszuziehen.

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe, S. 293/294

[via imregenfahrradfahren]

(via imregenfahrradfahren-deactivate)

ISLE OF THE DEAD (MARK ROBSON, 1945)
"Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den  Schmerzen, die in mir sind und was ich von den Deinen. Und wenn ich mich  vor dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von  mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und  fürchterlich."
Franz Kafka (1966, 19) Brief an Oskar Pollak, 8. November 1903 (via)
[via dr0fn0thing:nosex]

ISLE OF THE DEAD (MARK ROBSON, 1945)

"Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich."

Franz Kafka (1966, 19)
Brief an Oskar Pollak, 8. November 1903 (via)

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