Bilder sind ‘künstlich’, sind Artefakte zumindest in dem Sinne, dass sie vom Menschen hervorgebracht werden. Man könnte den künstlichen die natürlichen Bilder gegenüberstellen. Dies gilt aber – mit Blick auf Spiegelungen in Teichoberflächen oder Schattenwürfen – wieder nur unter der Bedingung, dass gedankliche Verrichtungen vorgenommen werden müssen, um etwas als Bild von (oder für) etwas zu beschreiben. D.h., auch die in natura vorkommenden Bilder sind nur insofern Bilder, als sie als Bilder bezeichnet werden, und in diesem Sinne kann in der Tat auch ein natürliches Bild als Bild (und Artefakt) gelten.
—Mathias Gutmann: Metapher und Bild. Zur tätigkeitstheoretischen Deutung von Gegenständen mittlerer Eigentlichkeit. In: Siegfried Blasche, Mathias Gutmann, Michael Weingarten (Hg.): Repraesentatio Mundi. Bilder als Ausdruck und Aufschluss menschlicher Weltverhältnisse. Historisch-systematische Perspektiven. Bielefeld 2004, S. 223.
![“Das ist eine Legende, die muss einmal zerstört werden, es gibt höchstens Männer, mit denen es völlig hoffnungslos ist, und einige, mit denen es nicht ganz so hoffnungslos ist. Darin ist der Grund dafür zu suchen, nach dem noch niemand gesucht hat, warum nur Frauen immerzu den Kopf voll haben mit ihren Gefühlen und Geschichten mit ihrem Mann oder Männern. Das Denken daran nimmt tatsächlich den größten Teil der Zeit jeder Frau in Anspruch. Sie muß aber daran denken, weil sie sonst buchstäblich, ohne ihr nie erlahmendes Gefühlstreiben, Gefühlantreiben, es niemals mit einem Mann aushalten könnte, der ja ein Kranker ist und sich kaum mit ihr beschäftigt. Für ihn ist es ja leicht, wenig an die Frau zu denken, denn sein kranken System ist unfehlbar, er wiederholt, er hat sich wiederholt, er wird sich wiederholen. Wenn er gerne Füße küsst, wird er noch fünfzig Frauen die Füße küssen […]. Eine Frau muss aber damit fertig werden, daß jetzt ausgerechnet ihre Füße an der Reihe sind, sie muß sich unglaubliche Gefühle erfinden und den ganzen Tag ihre wirklichen Gefühle in den erfundenen unterbringen, einmal damit sie das mit den Füßen aushält, dann vor allem, damit sie den größeren fehlenden Rest aushält, denn jemand, der so an Füßen hängt, vernachlässigt sehr viel anderes. Überdies gibt es noch die ruckartigen Umstellungen, von einem Mann zum andern muß sich ein Frauenkörper alles abgewöhnen und wieder an etwas ganz Neues gewöhnen. Aber ein Mann zieht mit seinen Gewohnheiten friedlich weiter, manchmal hat er eben Glück damit, meistens keins.”
Ingeborg Bachmann: Malina. Frankfurt am Main 1980, S. 282ff.
[via wasunsausmacht]](http://25.media.tumblr.com/tumblr_lpus30ospL1qgu4k6o1_500.gif)