Ich war nicht allein, ich war ein beliebiger Mensch. Wie sollte ich diese Formel vergessen?
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Maurice Blanchot: Der Allerhöchste. Berlin 2011, S. 9.
Ich war nicht allein, ich war ein beliebiger Mensch. Wie sollte ich diese Formel vergessen?
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Maurice Blanchot: Der Allerhöchste. Berlin 2011, S. 9.
“Die zweite Sprechweise [von Marx] ist politisch: Sie ist knapp und direkt, mehr als knapp und mehr als direkt, denn sie schließt jedes Wort kurz. Sie trägt keinen Sinn mehr, sondern einen Appell, eine Gewalt, eine Entscheidung zum Bruch (rupture).”
Maurice Blanchot: Les trois paroles de Marx. In: Maurice Blanchot: L’Amitié. Paris 1971, S. 116.
Zit. nach: Jacques Derrida: Marx’ Gespenster. Der Staat der Schuld, die Trauerarbeit und die neue Internationale. Frankfurt am Main 2004, S. 53.
Die dritte Sprechweise ist die indirekte Rede des wissenschaftlichen Diskurses (und damit die ausführlichste). In dieser Hinsicht wird Marx von den anderen Repräsentanten des Wissens geehrt und anerkannt. Er ist dann Mann der Wissenschaft, hält sich an die Ethik des Gelehrten, unterwirft sich bereitwillig jeder kritischen Revision. […] Dennoch ist Das Kapital ein wesentlich subversives Werk. Nicht so sehr deshalb, weil es auf dem Weg wissenschaftlicher Objektivität zur notwendigen Konsequenz der Revolution führte, sondern weil es, ohne das ausdrücklich zu formulieren, einen Modus des theoretischen Denkens einschließt, der die Idee der Wissenschaft selbst auf den Kopf stellt. Weder die Wissenschaft noch das Denken verlassen das Marxsche Werk tatsächlich intakt, und das im stärksten Sinne des Wortes, weil die Wissenschaft sich darin als radikale Transformation ihrer selbst zu erkennen gibt, als Theorie einer Mutation, die in der Praxis immer im Spiel ist, wie auch, in dieser Praxis als eine Mutation, die immer theoretisch ist.
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Maurice Blanchot: Les trois paroles de Marx. In: Maurice Blanchot: L’Amitié. Paris 1971, S. 116.
Zit. nach: Jacques Derrida: Marx’ Gespenster. Der Staat der Schuld, die Trauerarbeit und die neue Internationale. Frankfurt am Main 2004, S. 54f.
Indem sie [die Sprechweise] Antwort gibt – die Entfremdung, der Primat des Bedürfnisses, die Geschichte als Prozeß der materiellen Praxis, der ganze Mensch –, läßt sie gleichwohl die Fragen, auf die sie antwortet, unbestimmt oder unentschieden: Je nachdem wie der Leser von heute oder der Leser von gestern verschieden formulieren, was ihnen zufolge in einer solchen Abwesenheit der Frage Platz nehmen sollte – auf diese Weise eine Leere füllend, die eher immer weiter geleert sein sollte –, kann diese Sprechweise von Marx bald Humanismus, ja sogar Historismus interpretiert werden, bald als Atheismus, ja sogar als Nihilismus.
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Maurice Blanchot: Les trois paroles de Marx. In: Maurice Blanchot: L’Amitié. Paris 1971, S. 115-116.
Zit. nach: Jacques Derrida: Marx’ Gespenster. Der Staat der Schuld, die Trauerarbeit und die neue Internationale. Frankfurt am Main 2004, S. 50.
Franz Kafka, drawing from the series of figures Max Brod described as “Die schwarzen Marionetten an unsichtbaren Fäden” [The black marionettes hanging from invisible threads], 1922.
Maurice Blanchot writes:
“When Kafka allows a friend to understand that he writes because otherwise he would go mad, he knows that writing is madness already, his madness, a kind of vigilance, unrelated to any wakefulness save sleep’s: insomnia. Madness against madness, then. But he believes that he masters the one by abandoning himself to it; the other frightens him, and is his fear; it tears through him, wounds and exalts him. It is as if he had to undergo all the force of an uninterruptable continuity, a tension at the edge of the insupportable which he speaks of with fear and not without a feeling of glory. For glory is the disaster.”
Die ewige Wiederkehr nennt die ewige Wiederkehr des Selben und die Wiederholung nennt die Abkehr, den Umweg, auf dem sich das andere mit dem Selben identifiziert, um zur Nichtidentität des Selben zu werden und das Selbe in seiner Wiederkehr, die es von sich abkehrt, immer anders als es selbst werden zu lassen. […] Und derart die Wiederholung unendlich wiederholend, macht sie sie gewissermaßen zur Parodie, aber entzieht sie auch all dem, was zu wiederholen die Macht hätte: denn sie nennt sie als nichtidentifizierbare, irrepräsentable, nicht wiedererkennbare Affirmation und legt sie zugleich in Trümmer, indem sie sie, als ein unbestimmtes Murmeln, im Schweigen wiederaufrichtet, das sie seinerseits zertrümmert, indem sie es als jene Rede zu verstehen gibt, welche aus der tiefsten Vergangenheit, aus der entferntesten Zukunft immer schon als die immer noch zu kommende Rede gesprochen hat.
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Maurice Blanchot: Nietzsche und die fragmentarische Schrift, in: Werner Hamacher (Hg.): Nietzsche aus Frankreich, Frankfurt am Main – Berlin 1986, S. 59.
Das geschriebene Wort; wir leben nicht mehr in ihm, nicht daß es kund tue: “gestern, das war das Ende”, vielmehr ist es unser Uneinverständnis, die Gabe des prekären Wortes.
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Maurice Blanchot: Die Schrift des Desasters, München 2005, S. 176.
No one likes to recognize himself as a stranger in a mirror where what he sees is not his own double but someone whom he would have liked to have been.
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Maurice Blanchot, “Michel Foucault As I Imagine Him”
Die ‘Mystik’ Wittgensteins stammt wohl, außer aus seinem Vertrauen in die Einheit, aus seinem Glauben, man könne dort zeigen, wo man nicht sprechen kann. Doch ohne Sprache zeigt sich nichts. Und verstummen ist immer noch sprechen. Das Schweigen ist unmöglich. Deshalb erwünschen wir es. Schrift (oder Sagen) geht jedem Phänomen, jedem Kundgeben oder Zeigen voraus: jedem Erscheinen.
—Maurice Blanchot: Die Schrift des Desasters, München 2005, S. 20.
Die Rede des Fragments ist Rede nur an der Grenze. Das soll nicht heißen, daß sie erst am Ende redet, sondern sie begleitet und durchzieht allezeit jedes Wissen, jeden Diskurs mit einer anderen Sprache, die ihn unterbricht, indem sie ihn durch seine Verdopplung in ein Außen zieht, wo das Ununterbrochene spricht, das Ende, das kein Ende nimmt.
—Maurice Blanchot: Nietzsche und die fragmentarische Schrift. In: Werner Hamacher (Hrsg.) (2003): Nietzsche aus Frankreich. Berlin/Wien 2003, S. 82.
‘Sind wir zusammen?’ ‘Nur beinahe, nicht wahr? Ganz nur, wenn wir getrennt sein könnten.’
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Maurice Blanchot: Warten und Vergessen, Frankfurt am Main , S. 32.
Er sucht und kreist dabei wieder und wieder um dieses Wort in der Mitte und weiß, daß Finden immer noch Suchen ist, nur auf die Mitte bezogen, die selber unfindbar bleibt. Die Mitte erlaubt zu finden und zu kreisen, aber läßt sich selber nicht finden. Die Mitte als Mitte ist immer heil.
Kreisend um ihre Anwesenheit, der er nur so begegnen konnte, auf diesem Umweg, in dieser Abkehr.
Das Auge-in-Auge mit ihrer Anwesenheit (die immer sich abkehrt).
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Maurice Blanchot: Warten und Vergessen, Frankfurt am Main 1964, S. 99f.
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