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Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

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Es gilt demnach von der Differenz überhaupt, daß sie ein Ding durch den Zutritt zu ihm verschieden beschaffen macht. Aber die Differenzen, als allgemeine und als eigentliche genommen, machen es anders beschaffen, dagegen machen die Differenzen im eigentlichsten Sinne es zu etwas anderem. Denn die Differenzen machen das Subjekt teils zu einem anders beschaffenen, teils zu einem anderen.

Aristoteles: Einleitung in die Kategorien (Poryphyrius), in: Aristoteles – Philosophische Schriften, übersetzt von Eugen Rolfes, Band 1, Hamburg 1995, S. 9.

[via diesebastionbehrisch]

Virginie Bocaert - I Can Feel You
[via artemisdreaming:francesca-mazzucato]

Virginie Bocaert - I Can Feel You

[via artemisdreaming:francesca-mazzucato]

Der Orgasmus wurde erfunden, damit sich die Lebewesen auch unter Lebensgefahren paaren mögen (damit sie den Tod zugunsten des Lebens vergessen). Aber den Tod vergessen ist Selbstvergessen. Im Orgasmus werden die Leute selbstlos: Das eine Selbst verschwimmt dabei im anderen. Im Orgasmus überwinden zwei Menschen den Tod und damit das Leben. (Übrigens bietet dies eine Definition von ‘Pornographie’: Beschreibung des Paarens bei Weglassung der Lebensüberwindung.) Das ist gegen das Interesse des Lebens. Es erlaubt (unter anderem), den Sex von der Vermehrung zu trennen. Angenommen: ‘Mensch’ meine ein verneinendes Lebewesen (auch die eigenen Lebensbedingungen verneinend). Das nannte man früher ein ‘geistiges’ Wesen. Dann ist die Trennung zwischen Sex und Vermehrung eine spezifisch menschliche Verneinung des Lebens. Ein Beweis, wie sehr das Leben beim Orgasmus (und beim Menschen überhaupt) über sein Ziel hinaus schoß.

—Vilém Flusser: Orgasmus, Reproduktionstechnik und Kindermachen

Die Vernichtung der eigenen Form ist gegenseitig, aber nicht absolut gleich; es schaut sich jedes in dem andern an, als zugleich ein fremdes, und dieses ist die Liebe; die Unbegreiflichkeit dieses sein selbst Seins in einem fremden gehört darum der Natur, nicht der Sittlichkeit, denn diese ist, in Beziehung auf die differenten, absolute Gleichheit beider; in Beziehung auf das Einssein absolutes Einssein durch die Idealität; jene Naturidealität aber bleibt in der Ungleichheit und darum in der Begierde, in welcher das eine bestimmt ist als ein subjektives, das andre als ein objektives.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel: System der Sittlichkeit [Critik des Fichteschen Naturrechts], herausgegeben von Horst D. Brandt, Hamburg: Meiner 2002, S. 12f.

[via abendgesellschaft]

Die ewige Wiederkehr nennt die ewige Wiederkehr des Selben und die Wiederholung nennt die Abkehr, den Umweg, auf dem sich das andere mit dem Selben identifiziert, um zur Nichtidentität des Selben zu werden und das Selbe in seiner Wiederkehr, die es von sich abkehrt, immer anders als es selbst werden zu lassen. […] Und derart die Wiederholung unendlich wiederholend, macht sie sie gewissermaßen zur Parodie, aber entzieht sie auch all dem, was zu wiederholen die Macht hätte: denn sie nennt sie als nichtidentifizierbare, irrepräsentable, nicht wiedererkennbare Affirmation und legt sie zugleich in Trümmer, indem sie sie, als ein unbestimmtes Murmeln, im Schweigen wiederaufrichtet, das sie seinerseits zertrümmert, indem sie es als jene Rede zu verstehen gibt, welche aus der tiefsten Vergangenheit, aus der entferntesten Zukunft immer schon als die immer noch zu kommende Rede gesprochen hat.

Maurice Blanchot: Nietzsche und die fragmentarische Schrift, in: Werner Hamacher (Hg.): Nietzsche aus Frankreich, Frankfurt am Main – Berlin 1986, S. 59.

[via diesebastionbehrisch]

Ich mußte nach anderen Mitteln des Ausdrucks suchen.

—Peter Weiss: Abschied von den Eltern. Frankfurt am Main 1977, S. 57.

Ein “Buchhafen” in Marburg Oberstadt. Einige Werke hatte er dort erstanden. Aber es schien ihm, als sollte er ein anderes Ufer und einen neuen Hafen ansteuern.
[via mephistopholus]
[viaweloveourcities:solar.empire]

Ein “Buchhafen” in Marburg Oberstadt. Einige Werke hatte er dort erstanden. Aber es schien ihm, als sollte er ein anderes Ufer und einen neuen Hafen ansteuern.

[via mephistopholus]

[viaweloveourcities:solar.empire]

Letzten Endes bleibt von diesem Tage das, was vom gestrigen blieb und vom morgigen bleiben wird: die unersättliche und nicht zählbare Begierde, immer derselbe und ein anderer zu sein.

Fernando Pessoa, Buch der Unruhe

[via gewehrfabrik:imregenfahrradfahren]

Die Weise des Anderen sich darzustellen, indem er die Idee des Anderen in mir überschreitet, nennen wir nun Antlitz. Diese Weise besteht nicht darin, vor meinem Blick als Thema aufzutreten, sich als ein Ganzes von Qualitäten, in denen sich ein Bild gestaltet, auszubreiten. In jedem Augenblick zerstört und überflutet das Antlitz des Anderen das plastische Bild, das er mir hinterläßt, überschreitet er die Idee, die nach meinem Maß und nach dem Maß ihres ideatum ist - die adäquate Idee.

Emmanuel Lévinas: Totalität und Unendlichkeit. Versuch über die Exteriorität, Freiburg – München 1987, S. 63.

[via lf:diesebastionbehrisch]

Gerade in der Verblüffung durch das Unerwartete, nämlich das Andere, ist der Wahrheitsgehalt der Allegorie enthalten: als Aufschließen und Verständlichmachen einer Situation, in der auseinanderliegende Bedeutungen plötzlich zusammenschießen und dadurch das Außergewöhnliche und singuläre des Augenblicks charakterisieren.
[…]
Hier setzt sich eine Dialektik durch, nämlich die von Zerstreuung und Sammlung. Das Denken entläßt sich allegorisierend ins Viele, zerstreut sich also, hingegeben an die Bedeutungen der Gegenstände. Indem es aber die Bedeutungen aufnimmt und aufeinander bezieht, sammelt es das Viele wieder um sich als eine Mitte konzentrischer Ringe. Unabhängig von seiner Bedeutung in diesem Kreise aber bleibt das Viele wieder zusammenhanglos, verstreut. So zeigt sich auch hier wieder eine Antinomie: die von Bedeutungszentrum und emblemerfüllter Peripherie - wobei Allegorie sich auf den Umkreis der Peripherie bewegt und das Bedeutungszentrum nur als Idee aufscheinen läßt im Zusammenfall der Extreme.

—Hans Heinz Holz: Prismatisches Denken. In: Über Walter Benjamin. Frankfurt am Main 1968, 1. Auflage, S. 85 - 87.

Nicht wer allein ist, fühlt sich allein; dieses Ungeheuer der Verlassenheit braucht die Anwesenheit eines anderen, damit seine Verlassenheit eine Bedeutung hat.

Maurice Blanchot, Faux Pas, zitiert nach: Gerald L. Bruns, Samuel Becketts Wie es ist, S. 147 in: Samuel Beckett, Herausgegeben von Hartmut Engelhardt, Frankfurt/M. 1986.

[via noxe]

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