Kult des Fragments

"Methode dieser Arbeit: literarische Montage. Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen."

Walter Benjamin: Passagen-Werk

Heute neigt man eher dazu, das Leiden als Argument gegen das Dasein in Anschlag zu bringen. Eine solche Argumentation zeugt von einer Art des Denkens, die uns teuer, freilich aber reaktiv ist. Wir nehmen darin nicht nur den Platz des Leidenden ein, sondern machen den Standpunkt des Menschen des Ressentiments, der seine Reaktionen nicht mehr ausagieren kann, zu dem unseren. Wollten wir doch verstehen, daß der aktive Sinn des Leidens in einer anderen Perspektive aufscheint: Das Leiden ist kein Argument gegen das Leben, vielmehr ein Anreiz für dasselbe, ein “Köder für das Leben”, ein Argument, das zu seinen Gunsten spricht. Leiden sehen oder selbst leiden, Schmerzen zufügen, macht eine Struktur des Lebens als aktivem aus, bildet eine aktive Äußerung desselben.

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There is a tendency to invoke pain as an argument against existence; this way of arguing testifies to a way of thinking which is dear to us, a reactive way. We not only put ourselves in the position of the one who suffers, but in the position of the man of ressentiment who no longer acts his reactions. It must be understood that the active meaning of pain appears in other perspectives: pain is not an argument against life, but, on the contrary, a stimulant to life, “a bait for life”, an argument in its favour. Seeing or even inflicting suffering is a structure of life as active life, an active manifestation of life.

Gilles Deleuze: Nietzsche und die Philosophie. Aus dem Französischen übersetzt von Bernd Schwibs.München 1976, S. 142.

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Gilles Deleuze, Nietzsche & Philosophy, p. 130.

[thanks to deleuzenotes!]