Kult des Fragments

May 21

“Die Liebe vollendet die Gemeinschaft nicht (Sie steht weder gegen die Polis, noch außerhalb ihrer, noch an ihren Rändern): Sie wäre sonst das Werk der Gemeinschaft oder würde diese ins Werk setzen. Sobald man jedoch die Liebe nicht vom politisch-subjektiven Modell ihrer Verschmelzung zu einem Eins her begreift, bietet sie die Entwerkung und somit die unaufhörliche Un-Vollendung der Gemeinschaft dar. Sie exponiert die Gemeinschaft an ihrer Grenze. […]
Auf der Grenze exponieren die Liebenden das Einander-Aus-gesetzt-Sein der singulären Wesen wie auch das Pulsieren dieser Exposition: die Komparenz, das Überschreiten und die Mit-Teilung. […] Die Liebenden empfinden Lust, wenn sie im Augenblick der Intimität versinken, aber da dieses Ertrinken auch ihre Mit-Teilung ist, da dies weder den Tod bedeutet, so ist genau dies seinerseits eine Singularität, die sich (dem) draußen aussetzt.” — Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem Französischen von Gisela Febel und und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 83f.

“So gibt es auch keine Entität und keine Hypostase der Gemeinschaft, da diese Mit-Teilung, dieser Übergang keine Vollendung kennt. Das Unvollendetbleiben ist sein ‘Prinzip’. – Man muß aber das Unvollendetbleiben als aktiven Begriff verstehen, der nicht eine Unzulänglichkeit oder einen Mangel, sondern die Tätigkeit des Mit-Teilens bezeichnet, sozusagen also die Dynamik des Übergangs, des ununterbrochenen Entlanggehens an singulären Brüchen. Das heißt also wiederum eine entwerkte und entwerkende Tätigkeit. Es geht nicht darum, eine Gemeinschaft zu bilden, herzustellen oder einzurichten, auch nicht darum, in ihr eine heilige Macht zu verehren oder zu fürchten – vielmehr geht es darum, ihre Mit-Teilung nicht zur Vollendung zu bringen.” — Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem Französischen von Gisela Febel und und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 76f.

“Was der nationale Kommunismus in Frankreich werden kann, wenn man ihn laßt, das ist nicht auszudenken. Jedoch man laßt ihn nicht.” — Heinrich Blücher an Hannah Arendt, Paris, 7. 8. 1936.

“Die Anrede, deren Form die vermeintliche Bestimmung der Tatsache überschreitet und in sich einschließt, ähnelt gleichzeitig einem Akt des Wiederholens und Appellierens (au rappel et à l’appel). Sie ähnelt einem Appell, weil sie in die Zukunft verweist: Seid meine Freunde, denn ich liebe euch oder werde euch lieben, hört mir zu, seid empfänglich für mein Klagen, versteht und seid verständnisvoll; ich bitte um Sympathie und Einverständnis, werdet die Freunde, nach denen ich strebe. Willigt ein in das, was gleichzeitig ein Wunsch, eine Bitte, ein Versprechen und – wie man auch hinzufügen könnte – ein Gebet ist. Und vergessen wir nicht, was Aristoteles über das Gebet sagte (euche): Es ist ein Diskurs (logos), aber es ist ein Diskurs, der nach Art eines Performativs weder wahr noch falsch ist ( all’ute alethes ute pseudes). Es gibt keine Freunde, die wir kennen, aber ich bitte euch, sorgt dafür, dass es von nun an Freunde gibt. Mehr noch, wie könnte ich dein Freund sein und dir meine Freundschaft erklären – und Letzteres besteht mehr im Lieben als im Geliebt werden –, wenn Freundschaft nicht etwas bliebe, das erst noch geschieht, noch zu begehren, zu versprechen ist?” — Jacques Derrida: Politik der Freundschaft. Vortrag auf einem APA-Symposium über ‘Gesetz und Gesellschaft’ am 30. Dezember 1988.

May 15

[via abgrundtiefe]
“Der Kuß ist trotz allem nicht das Wort. Sicherlich sprechen die Liebenden, aber es ist ein Sprechen an der Grenze, es ist ohnmächtig, exzessiv in seiner exzessiven Armut, ein Sprechen, in dem sich die Liebe auch schon verfängt: ‘Die Liebenden sprechen und das Wirrwarr ihrer Worte dämpft und steigert zugleich das Gefühl, das sie bewegt. Denn sie verleihen dem eine Dauer, dessen Wahrheit nur für den Augenblick eines Blitzes da ist.’ (Georges Bataille).”
Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem Französischen von Gisela Febel und und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 79f.

[via abgrundtiefe]

“Der Kuß ist trotz allem nicht das Wort. Sicherlich sprechen die Liebenden, aber es ist ein Sprechen an der Grenze, es ist ohnmächtig, exzessiv in seiner exzessiven Armut, ein Sprechen, in dem sich die Liebe auch schon verfängt: ‘Die Liebenden sprechen und das Wirrwarr ihrer Worte dämpft und steigert zugleich das Gefühl, das sie bewegt. Denn sie verleihen dem eine Dauer, dessen Wahrheit nur für den Augenblick eines Blitzes da ist.’ (Georges Bataille).”

Jean-Luc Nancy: Die undarstellbare Gemeinschaft. Aus dem Französischen von Gisela Febel und und Jutta Legueil. Stuttgart 1988, S. 79f.

“something in you
stands up. it is like light,

or a crime. it is alive.
your turn.” —

Marty McConnell: The World’s Guide to Beginning

[via drunkenboat:grammatolatry:swanfucker]

Qu’est-ce que c’est la fiction?
[via baldabiou]

Qu’est-ce que c’est la fiction?

[via baldabiou]

May 14

Bettina von Arnim - Die Eisenbahnen haben einen Schnupfen, 1983.
[via batarde:ajourneyroundmyskull]

Bettina von Arnim - Die Eisenbahnen haben einen Schnupfen, 1983.

[via batarde:ajourneyroundmyskull]

[video]

Apr 29

“Zutiefst fremd ist den ‘Kinoki’ die schauspielerische Darstellung, auf die sich der Film gründet. Zutiefst fremd ist ihnen jedes theatralisch-zirzensische Moment, jede artifizielle dekadente Hypertrophie, jede tragische, wenn auch geschnittene Pose ‘stummer Extase’ und eine Reihe anderer Eigenschaften und Besonderheiten, die nicht aus dem ‘Leben, wie es ist’ gegriffen sind, sondern aus dem sogenannten ‘Theater für Dummköpfe’.” — Dziga Vertov, zit. nach Eduard Ditschek: Politisches Engagement und Medienexperiment. Theater und Film der russischen und deutschen Avantgarde der zwanziger Jahre. Tübingen 1989, S. 115.

Apr 27

“Der Film kann nie Kunst vermitteln, aber die Vermittlung kann eine Kunst, eine technische Kunst an sich sein.” — Klaus Neukranz: Vom Wesen des Films. In: Film und revolutionäre Arbeiterbewegung in Deutschland, 1918-1932: Dokumente und Materialien zur Entwicklung der Filmpolitik der revolutionären Arbeiterbewegung und zu den Anfängen einer sozialistischen Filmkunst in Deutschland. Zusammengestellt und eingeleitet von Gertrude Kühn, Karl Tümmler, Walter Wimmer, Band I. Berlin/DDR 1975, S. 52.

Apr 18

Enno Patalas & Frieda Grafe

Enno Patalas & Frieda Grafe