Kult des Fragments

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May 2011

82 posts

“Hegel hat bemerkt, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. […]
Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. Und wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparolen, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neue Weltgeschichte aufzuführen. So maskierte sich Luther als Apostel Paulus, die Revolution von 1789-1814 drapierte sich abwechselnd als römische Republik und römisches Kaisertum, und die Revolution von 1848 wußte nichts Besseres zu tun, als hier 1789, dort die revolutionäre Überlieferung von 1793-1795 zu parodieren. So übersetzt der Anfänger, der eine neue Sprache erlernt hat, sie immer zurück in seine Muttersprache, aber den Geist der neuen Sprache hat er sich nur angeeignet, und frei in ihr zu produzieren vermag er nur, sobald er sich ohne Rückerinnerung in ihr bewegt und die ihm angestammte Sprache in ihr vergißt.”
—

Karl Marx: Der 18te Brumaire des Louis Napoleon, in: Institut für Marxismus-Leninismus (Hg.): Karl Marx - Friedrich Engels Werke, Berlin 1988, S. 115.

(via diesebastionbehrisch)

May 30, 201113 notes
#Marx #Geschichte #Tragödie #Farce #Freiheit #Gespenster #Geister #Vergangenheit #Revolution #Krise #Namen #Kostüme #Theater #Sprache
“Doch der mit historischem Sinn begabte Mensch sollte sich nicht über den angebotenen Ersatz täuschen, denn der ist nur Verkleidung. So hat man der Revolution das römsiche Vorbild, der Romantik die Rüstung des Ritters, der Wagnerzeit das Schwert des germanischen Helden angeboten; doch das sind fadenscheinige Kostüme, deren Irrealität nur auf unsere eigene Irrealität verweist. Sollen sie doch diese Götter anbeten und in Bayreuth die Erinnerung an dieses neue Jenseits zelebrieren; sollen sie ruhig diese leerstehenden Identitäten verhökern. Der gute Historiker, der Genealoge, weiß, was er von dieser Maskerade zu halten hat. Aber er lehnt sie nicht mit ernster Miene ab, sondern treibt sie ins Extrem; er inszeniert den großen Karneval der Zeit, auf dem die Maskeraden einander ablösen. Statt unsere blasse Individualität mit diesen überaus realen Identitäten der Vergangenheit zu identifizieren, geht es darum, uns selbst in all den wieder erstandenen Identitäten zu irrealisieren; und indem wir all diese Masken - wie vielleicht Friedrich II., Cäsar, Jesus, Dionysos, Zarathustra - wieder aufnehmen, indem wir das Possenspiel der Geschichte noch einmal aufführen, nehmen wir in unserer Irrealität die noch irrealere Identität des Gottes an, der sie einst eingeführt hat: ‘Vielleicht, daß wir hier gerade das Reich unserer Erfindung noch entdecken, jenes Reich, wo auch wir noch original sein können, etwa als Parodisten der Weltgeschichte und Hanswürste Gottes.’” —Michel Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie. Deutsche Übersetzung von Michael Bischoff aus: Michel Foucault, Schriften. Dits et Ecrits, Bd. II, 1970 - 1975, Frankfurt am Main 2002, S. 166 - 191. In: Werner Hamacher (Hrsg.): Nietzsche aus Frankreich. Berlin/Wien 2003, S. 117f.
May 30, 201124 notes
#Michel Foucault #Nietzsche #Genealogie #Historie #Geschichte #Parodie #Karneval #Inszenierung #Szene #Theater #Masken #Identität #Erfindung #Irrealität #Irreales #Irrealisieren #Fiktion #Fiktionen #Realität #Leerräume #Leerstellen #Kostüme
“Wir glauben, der Leib unterliege den Gesetzen der Physiologie und sei daher der Geschichte entzogen. Doch auch das ist ein Irrtum. Der Leib ist einer ganzen Reihe von Regimen unterworfen, die ihn formen, etwa dem Wechsel von Arbeit, Muße und Festlichkeiten; er wird vergiftet von Nahrung und von Werten, von Ernährungsgewohnheiten geradeso wie von Moralgesetzen; und er bildet Resistenzen aus. Die ‘wirkliche’ Historie unterscheidet sich von der Historie der Historiker dadurch, daß sie keinerlei Beständigkeit vorraussetzt: Nichts am Menschen - und auch nicht an seinem Leib - ist so unveränderlich, daß man die anderen dadurch begreifen und sich selbst in ihnen wieder erkennen könnte. Alles, worauf man sich stützen mag, um sich der Geschichte zuzuwenden und sie in ihrer Totalität zu erfassen, und alles, was sie als ruhige, kontinuierliche Bewegung erscheinen läßt, muß systematisch zerstört werden. Es gilt, alles in Stücke zu schlagen, was dem tröstlichen Spiel des Wiedererkennens Vorschub leistet. Wissen bedeutet selbst auf historischer Ebene nicht ‘wieder finden’ und erst recht nicht ‘uns selbst wiederfinden’. Die Historie wird in dem Maße ‘wirklich’ sein, wie sie das Diskontinuierliche in unser Sein einführt. Sie wird unsere Gefühle unterteilen und unsere Triebe dramatisieren; sie wird unseren Leib vervielfachen und ihm selbst entgegensetzen. Sie wird nichts unter sich dulden, das die beruhigende Stabilität des Lebens oder der Natur besäße; sie wird sich nicht von einer stummen, beharrlichen Bewegung tragen lassen, die angeblich in ein großes Ziel mündet. Sie wird ihre eigenen Fundamente untergraben und die vorgebliche Kontinuität zerstören. Denn Wissen dient nicht dem Verstehen, sondern dem Zerschneiden.” —

Michel Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie. Deutsche Übersetzung von Michael Bischoff aus: Michel Foucault, Schriften. Dits et Ecrits, Bd. II, 1970 - 1975, Frankfurt am Main 2002, S. 166 - 191. In: Werner Hamacher (Hrsg.): Nietzsche aus Frankreich. Berlin/Wien 2003, S. 110f.

[Eine neuere (?) Übersetzung für die adaequatio]

May 30, 201127 notes
#Michel Foucault #Nietzsche #Historie #Leib #Geschichte #Irrtum #Moral #Gesetz #Kontinuität #Diskontinuität #Erkennen #Wiedererkennen #System #Zerstören #Teilen #Zerteilen #Untergraben #Graben #Genealogie #Zerschneiden #Wissen #Verstehen
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May 27, 20119 notes
#Mount Kimbie #Carbonated #Crooks #Lovers #music #musik
“Es liegt in dieser Haltung etwas, was ich mythisch nennen möchte; etwas von der Furcht, daß das kleinste bißchen, was anders ist als das eigene Prinzip, bereits ausreichen könnte, die ganze Herrschaft dessen, was man selber ist: nämlich des Geistes, […], zu kompromittieren und hinfällig zu machen. Die Fundamentalontologie verhält sich dem Seienden gegenüber ein klein wenig so wie die böse Stiefmutter in dem Märchen vom Schneewittchen, die die Schönste ‘hier’ ist und ein unermeßlich weites Reich hat; aber irgendwo ganz weit in der Ferne, ‘hinter den Bergen bei den sieben Zwergen’, da lebt das Schneewittchen, das noch viel schöner ist als sie. Und das eine bißchen, das kann die Fundamentalontologie nicht ertragen; und deshalb wird dieses Denken, in einer Art manischen, ja bis zum Paranoiden gesteigerten Anstrengung, immer wieder dazu gedrängt, jede Spur der Reminiszenz an Seiendes aus sich heraus zu vertreiben; sie zu tilgen auch auf die Gefahr hin, daß sie dadurch schließlich so abstrakt wird, daß von ihr selber gar nichts übrig bleibt. Aber ich möchte dabei dieses Moment, das ja weitgehend die Leidenschaft und das Pathos dieser Philosophie überhaupt ausmacht, keineswegs verkleinern, keineswegs geringschätzen. Es ist nämlich hier wirklich etwas ganz Richtiges in dieser Angst gesehen; die Angst notiert an dieser Stelle wirklich die Crux dieser ganzen Philosophie. Sobald ich nämlich einmal – und das ist das ungeheure Verdienst der Radikalisierung des χωϱισμóς durch Husserl und durch Heidegger –, sobald ich einmal nur mit einem bißchen ins Seiende übergehe, sobald ich die Bestimmungen von Sein nur in irgendeinem Moment an Seiendem festmache, bin ich wehrlos gegenüber der Frage, warum ich bei diesem Seienden aufhöre und warum ich nicht die ganze Fülle von Seiendem ebenso in die Philosophie hereinnehme. Also, – das Schneewittchen hinter den Bergen, das kann wirklich sozusagen mit seinem Prinzen, wenn es nicht umgebracht wird, am nächsten Tag die Karosse besteigen und in der Hauptstadt einziehen und die Stiefmutter dazu veranlassen, irgendwie in glühenden Schuhen sich zu Tode zu tanzen oder was sonst in der Mythologie an Annehmlichkeiten für derartige Fälle vorgesehen ist.” —Theodor W. Adorno: Ontologie und Dialektik, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno - Nachgelassene Schriften, Abteilung IV, Band 7, Frankfurt am Main 2008, S. 104f.
May 27, 201116 notes
#Adorno #Dialektik #Eigentlichkeit #Heidegger #Husserl #Jargon #Mythos #Ontologie #Schneewittchen #Seiendes #Sein #Seinsfrage #χωϱισμóς #Platon
“In jedem Fremdwort steckt der Sprengstoff von Aufklärung, in seinem kontrollierten Gebrauch das Wissen, daß Unmittelbares nicht unmittelbar zu sagen, sondern nur durch alle Reflexion und Vermittlung noch auszudrücken sei. Nirgends bewähren die Fremdwörter im Deutschen sich besser als gegenüber dem Jargon der Eigentlichkeit, jenen Termini von Schlag des Auftrags, der Begegnung, der Aussage, des Anliegens, und wie sie sonst heißen mögen. Sie alle möchten darüber täuschen, daß sie Termini sind. Sie vibrieren menschlich wie die Wurlitzer-Orgel, denen das Vibrato der Stimme technisch eingelegt ist.” —

Theodor W. Adorno: Wörter aus der Fremde, in: Rolf Tiedemann (Hg.): Theodor W. Adorno - Noten zur Literatur, Frankfurt am Main 1981, S.221f.

[via nokturn:diesebastionbehrisch]

May 27, 201127 notes
#Adorno #Fremdwörter #Wörter #Fremde #Unmittelbarkeit #Vermittlung #Sprache #Reflexion #Aufklärung #Ausdruck #Ausdruckszusammenhang #Jargon #Eigentlichkeit #Begriff #Termini #Täuschung #Medium
May 27, 2011121 notes
#Leonora Carrington #Litany of the Philosophers #Litanei #Philosophie #Philosopher #Philosophe #Art
“Diese Aufzeichnungen indem sie ein Maß an sehr angewachsene Leiden legen, deuten an, bis zu welcher Höhe die Seligkeit steigen könnte, die mit der Fülle dieser selben Kräfte zu leisten wäre.” —

Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

[via blindedbyeverything]

May 27, 201115 notes
#Höhe #Kraft #Leiden #Rilke #Schmerz #Schmerzen #Seligkeit #Tiefe #Malte Laurids Brigge
“Die Klage ist aber der undifferenzierteste, ohnmächtige Ausdruck der Sprache, sie enthält fast nur den sinnlichen Hauch; und wo auch nur Pflanzen rauschen, klingt immer eine Klage mit. Weil sie stumm ist, trauert die Natur. Doch noch tiefer führt in das Wesen der Natur die Umkehrung dieses Satzes ein: die Traurigkeit der Natur macht sie verstummen. Es ist in aller Trauer der tiefste Hang zur Sprachlosigkeit, und das ist unendlich viel mehr als Unfähigkeit oder Unlust zur Mitteilung. Das Traurige fühlt sich so durch und durch erkannt vom Unerkennbaren. Benannt zu sein - selbst wenn der Nennende ein Göttergleicher und Seliger ist - bleibt vielleicht immer eine Ahnung von Trauer.” —

Walter Benjamin: Über Sprache überhaupt und über die Sprache des Menschen.

[via hintergrundrauschen]

May 27, 201122 notes
#Walter Benjamin #Sprache #Sprechen #Klage #Rauschen #Traurigkeit #Verstummen #Sprachlosigkeit #Erkennen #Unerkennbar #Benennen
May 25, 2011300 notes
#Art #Jane Lafarge Hamill #Leid #Leiden #Schmerz #Todeskampf #Tod #Leben
“

Tänzerin

Dir ist als ob ich schon gezeichnet wäre
Und auf der Totenliste stünde.
Es hält mich ab von mancher Sünde.
Wie langsam ich am Leben zehre.
Und ängstlich sind oft meine Schritte,
Mein Herz hat einen kranken Schlag
Und schwächer wird’s mit jedem Tag.
Ein Todesengel steht in meines Zimmers Mitte.
Doch tanz ich bis zur Atemnot.
Bald werde ich im Grabe liegen
Und niemand wird sich an mich schmiegen.
Ach, küssen will ich bis zum Tod.

”
—Emmy Hennings: Tänzerin
May 25, 201115 notes
#Atem #Dada #Emmy Hennings #Herz #Krankheit #Küssen #Leben #Leid #Leiden #Liebe #Liebe dein Symptom #Lieben #Liebeskampf #Not #Schmerz #Tanz #Tanzen #Tod #Todesengel #Tänzerin #Lyrik #Dichtung
“

Die Erwartung - ein Szenarium


Es gibt eine Szenogaphie der Erwartung: ich lege sie fest,manipuliere sie, löse ein Stück Zeit ab, in der ich den Verlust des Liebesobjektes schauspielerisch darstelle und alle Effekte einer kleinen Trauer heraufbeschwöre. Das spielt sich also ab wie ein Theaterstück.
Die Bühne stellt das Innere eines Cafés dar; wir sind verabredet, ich warte. Als einziger Schauspieler des Stückes (und das aus gutem Grund) konstatiere ich, registriere ich im Prolog die Verspätung des Anderen; diese Verspätung ist bisher nur eine mathematische, rechnerische Größe (ich schaue mehrmals auf die Uhr); der Prolog endet mit einer Kopflosigkeit: ich beschließe, mit jetzt “ernstlich Sorgen zu machen”, ich löse die Erwartungsangst aus. Dann beginnt der erste Akt; er steht im Banne von Mutmaßungen: wenn es nun ein Mißverständnis in bezug auf Ort oder Uhrzeit gegeben hätte? Ich versuche mir den Zeitpunkt, zu dem die Verabredung getroffen wurde, und die genaueren Einzelheiten wieder in Erinnerung zu rufen, die vereinbart worden sind. Was tun (Verhaltensangst)? Ein anderes Café aufsuchen? Telephonieren? Aber wenn der Andere nun gerade während dieser kurzen Abwesenheit kommt? Wenn er mich nicht sieht, besteht die Gefahr, daß er wieder weggeht, usw. Der zweite Akt ist der des Zorns; ich mache dem Abwesenden heftige Vorwürfe: “Trotzdem, er (sie) hätte doch…können!”, “Er (sie) weiß doch genau…”. Ach! Wenn er (sie) doch nur da wäre, damit ich ihm (ihr) vorwerfen könnte, daß er (sie) nicht da war. Im dritten Akt überkommt mich (gelingt mir?) die ganz reine Angst: die Angst vor dem Verlassenwerden; in einem Augenblick bin ich von der Abwesenheit zum Tode übergegangen; der Andere ist gleichsam tot: Ausbruch von Trauer: ich bin innerlich leichenblaß. Das ist das Stück, es kann durch die Ankunft des anderen abgekürzt werden; taucht er im ersten Akt auf, ist der Empfang, der ihm bereitet wird, noch ruhig; trifft er im zweiten ein, gibt es eine “Szene”; kommt er im dritten, herrscht eitel Dankbarkeit und Gnadenerweis: wie Pelléas, wenn er aus dem Kellergewölb des Schlosses heraufsteigt und ins Leben zurückkehrt, atme ich befreit den Duft der Rosen…

”
—

Roland Barthes, Fragmente einer Sprache der Liebe, Suhrkamp, Frankfurt/Main, 1984, S.97f.

[via mephistopholus]

May 25, 20114 notes
#Erwarten #Erwartung #Fragmente #Liebe #Roland Barthes #Szenarium #Szene #Szenographie #Theater #Theatralität #Warten #Frieda
“Die Rede des Fragments ist Rede nur an der Grenze. Das soll nicht heißen, daß sie erst am Ende redet, sondern sie begleitet und durchzieht allezeit jedes Wissen, jeden Diskurs mit einer anderen Sprache, die ihn unterbricht, indem sie ihn durch seine Verdopplung in ein Außen zieht, wo das Ununterbrochene spricht, das Ende, das kein Ende nimmt.” —Maurice Blanchot: Nietzsche und die fragmentarische Schrift. In: Werner Hamacher (Hrsg.) (2003): Nietzsche aus Frankreich. Berlin/Wien 2003, S. 82.
May 24, 20119 notes
#Außen #Blanchot #Diskurs #Ende ohne Ende #Fragment #Fragmente #Grenze #Innen #Nietzsche #Rede #Rede des Fragments #Sprache #Unterbrechung #Verdopplung #Wissen #andere Sprache #durchziehen #unterbrechen #Sprechen
May 24, 2011229 notes
#Anderes #Anrufung #Art #Begrüßen #Der Andere #Emmanuel Lévinas #Erkennen #Face #Facetten #Gesellschaft #Gesicht #Gespräch #Gewalt #Paul Ruiz #Sich zu erkennen geben #Sprache #Sprechen #Visage #Visier #Benennen #Berufen #Nominativ #Vokativ #Handeln #Antwort #Verantwortung #Moral #Gleichheit #Gerechtigkeit #Verhältnis
May 24, 2011162 notes
#Art #Cauldron of the Sorceress #Odilon Redon #Zauberkessel
“

Nachtflug

Unser Acker ist der Himmel,
im Schweiß der Motoren bestellt,
angesichts der Nacht,
unter Einsatz des Traums -

geträumt auf Schädelstätten und Scheiterhaufen,
unter dem Dach der Welt, dessen Ziegel
der Wind forttrug – und nun Regen, Regen, Regen
in unserem Haus und in den Mühlen
die blinden Flüge der Fledermäuse.
Wer wohnte dort? Wessen Hände waren rein?
Wer leuchtete in der Nacht,
Gespenst den Gespenstern?

Im Stahlgefieder geborgen, verhören
Instrumente den Raum, Kontrolluhren und Skalen
das Wolkengesträuch, und es streift die Liebe
unseres Herzens vergessene Sprache:
kurz und lang lang … Für eine Stunde
rührt Hagel die Trommel des Ohrs,
das, uns abgeneigt, lauscht und verschwindet.

Nicht untergegangen sind Sonne und Erde,
nur als Gestirne gewandert und nicht zu erkennen.

Wir sind aufgestiegen von einem Hafen,
wo Wiederkehr nicht zählt
und nicht Fracht und nicht Fang.
Indiens Gewürze und Seiden aus Japan
gehören den Händlern
wie die Fische den Netzen.

Doch ein Geruch ist zu spüren,
vorlaufend den Kometen,
und das Gewebe der Luft,
von gefallenen Kometen zerrissen.
Nenn’s den Status der Einsamen,
in dem sich das Staunen vollzieht.
Nichts weiter.

Wir sind aufgestiegen, und die Klöster sind leer,
seit wir dulden, ein Orden, der nicht heilt und nicht lehrt.
Zu Handeln ist nicht Sache der Piloten. Sie haben
Stützpunkte im Aug und auf den Knien ausgebreitet
die Landkarte einer Welt, der nichts hinzuzufügen ist.

Wer lebt dort unten? Wer weint …
Wer verliert den Schlüssel zum Haus?
Wer findet sein Bett nicht, wer schläft
auf den Schwellen? Wer, wenn der Morgen kommt,
wagt’s den Silberstreifen zu deuten: seht über mir …
Wenn das Wasser von neuem ins Mühlrad greift,
wer wagt’s, sich der Nacht zu erinnern?

”
—Ingeborg Bachmann [1953/1956]: Die gestundete Zeit / Anrufung des Großen Bären, München 1974, S. 36.
May 24, 201111 notes
#Ingeborg Bachmann #Nachtflug #Nacht #Schweiß #Traum #Schädel #Gespenster #Regen #Regnen #Liebe #Sprache #Zeit #Lauschen #Wiederkehr #Netz #Einsamkeit #Staunen #Weinen #Schlüssel #Schwellen #Schlafen #Deuten #Deutung #Erinnern #Lyrik #Dichtung #Dichten
May 24, 201188 notes
#André Kertész #Distortion #Miroir #Mirror #Spiegel #Verzerrung #fotographie #photography #Friedrich Nietzsche #Welt #Zeigen #Medium
“

Ich bin nicht so gut, ich kann nicht alles, ich kann doch nicht immer alles. Sie hätte den Satz in keine andere Sprache übersetzen können, obwohl sie zu wissen meinte, was jedes dieser Worte bedeute und wie es zu wenden war, aber sie wußte nicht, woraus dieser Satz wirklich gemacht war. Sie konnte eben nicht alles.

[…]

Probleme Probleme

»Dann um sieben. Ja, mein Lieber. Wäre mir lieber. Hochhauscafé. Weil ich zufällig. Ja, zufällig, einmal muß ich immerhin zum Friseur. Um sieben, so ungefähr denke ich mir, wenn ich rechtzeitig… Was, ach so? Es regnet? Ja, finde ich auch, es regnet ja immerzu. Ja, ich mich auch. Ich freu mich.«

”
—Ingeborg Bachmann: Simultan. Neue Erzählungen. München 1986, S. 31 und 34.
May 24, 201111 notes
#Ingeborg Bachmann #Simultan #Leben #Lernen #Ich bin nicht so gut #Ich kann nicht alles #Probleme #Wagnis #Wagen #Worte #Satz #Sprache #Sprechen #Wissen #Wenden #Wendungen #Windungen #Zufall #Zufällig #Zufälligkeit #Ungefähr #Zeit #Regen #Regnen
“Da sitze ich nun mitten 2 Schriftgelehrten, mit meinem Gestammel und muß stets gegenwärtig sein, daß sie beide an mir herumziehen voll Entsetzen über all meine faux pas. Ist es da nicht tolldreist, wenn ich es trotzdem wage.” —

Gretel Adorno: Brief an Walter Benjamin vom 29. September 1937, in: Christoph Gödde & Henri Lonitz (Hg.): Gretel Adorno & Walter Benjamin - Briefwechsel 1930-1940, Frankfurt am Main 2005, S. 295f.

[via diesebastionbehrisch]

May 24, 201119 notes
#Entsetzen #Gestaltwechsel #Gestammel #Gretel Adorno #Herumziehen #Schriftgelehrte #Wagen #Wagnis #Walter Benjamin #Tolldreist
“Hier trafen wir zusammen, Fahrensleut; hier nahmen wir Quartier, zwischen verzweigten Gassen, von Nacht und Schweigen dicht zugedeckt. In Freundschaft rasten wir, zufrieden, nicht mehr der irrigen, verschlungenen Wege gedenkend, die wir gefahren. Was bewegt sich auf mich zu aus dem Dunkel, unmerklich und murmelnd wie eine Flut, leidenschaftlich und wild mit anstößiger Bewegung der Lenden? Was springt, mit einem Schrei antwortend, aus mir hervor, wie Adler zu Adler hoch in der Luft, dem Schrei, zu obsiegen, dem Schrei um freventliche Hingabe.” —James Joyce: Epiphanien, Nr. 31. In: Kleine Schriften. Übertragen von Hiltrud Marschall und Klaus Reichert. Frankfurt am Main 1987, S. 37.
May 24, 201110 notes
#Epiphanie #Epiphany #Freundschaft #Frevel #Hingabe #Hingeben #Irre #James Joyce #Leidenschaft #Nacht #Rasen #Schrei #Schweigen #Sex #Verschlingen #Verschlingung #Wege #schweigende Kommunikation #Verdichtung #Dichten
May 24, 201183 notes
#Art #Bild #Bilden #Bilder #Buch #Bücher #Imaginäres #Imago #Lesen #Miroir #Mirror #Spiegel #Unmittelbarkeit #Vermittlung #Aktionsfähig #Handeln
“Das Imaginäre an all dem später aufheben; es ist ebenfalls aktionsfähig.” —

René Char, Hypnos, Aufzeichnungen aus dem Maquis (1943-1944), zit. n.: Paul Celan, Gesammelte Werke, Bd. 4, Übertragungen I, S. 447, Frankfurt/M. 1986. 

[via noxe]

May 24, 20119 notes
#Aktion #Aktionsfähig #Bild #Bilden #Bilder #Handeln #Hypnos #Imaginäres #Imago #René Char #Aufheben #Aufhebung
“Das unmittelbare Erleben tritt zurück. Es brennen die Bilder, ihr unerschöpflicher beschirmter Traum. Sie entführen. Der körperliche Blick reicht nur über den Platz bis an die Burgen, - aber die Trauer reicht weiter, tief in die Ebene hinein, über die Wälder, die leeren Hügel, in den Abend, das Imaginäre, sie wird nicht mehr heimkehren, dort verweilt sie, sie sucht etwas, doch es ist zerfallen, und dann muß sie Abschied nehmen unter dem Licht zerbrochener Himmel - - (…).” —Gottfried Benn: Summarisches Überblicken, Roman des Phänotyp. In: Künstlerische Prosa. In der Fassung der Sämtlichen Werke - Stuttgarter Ausgabe. Herausgegebn, durchgesehen und mit einem Nachwort von Holger Hof. Stuttgart (Klett-Cotta) 2006 S.174 (via nokturn)
May 24, 201122 notes
#Gottfried Benn #Unmittelbarkeit #Vermittlung #Erleben #Leben #Bild #Bilder #Traum #Entführen #Körper #Blick #Trauer #Imago #Imaginäres #Abschied
May 24, 201131 notes
#André Kertész #self portrait #self-portrait #Selbstporträt #autoportrait #photography #fotographie #Schatten #Shadow #Shadows
“

Hinter den tiefsten Erinnerungen
Verwächst die Zeit;
Die alten Wege waren frei und breit,
Nun hat die Welt sie überdrungen.

»O Rauschen tief in mir,
Was aber hast du, das ich gerne hörte?
Ist denn ein Ton in dir,
Der mich nicht störte?«

»Ich habe nichts als Rauschen,
Kein Deutliches erwarte dir,
Sei dir am Schmerz genug, in dich zu lauschen.«

”
—

Rudolf Borchardt: Pause, in: Theodor W. Adorno (Hg.): Rudolf Borchardt - Ausgewählte Gedichte. Frankfurt/M. 1957, S.40

[via nokturn]

May 24, 201113 notes
#Bedeutung #Deuten #Deutlich #Deutliches #Erinnerungen #Lauschen #Leid #Leiden #Rausch #Rauschen #Rudolf Borchardt #Schmerz #Ton #Weg #Wege #Welt #Zeit #Überdringen #Hören #Verwachsen #Töne
“Next to the bowels and the genital organs is the mouth, through which enters the world to be swallowed up. And next is the anus. All these convexities and orifices have a common characteristic; it is within them that the confines between bodies and between the body and the world are overcome: there is an interchange and an interorientation.” —

Michail M. Bachtin, Rabelais and His World

[via foxesinbreeches]

May 23, 201111 notes
#Michail M. Bachtin #Mouth #Mund #Sex #Genital #to swallow #Anus #Convexity #Orifice #Interchange #Interorientation #Wölbung #Bauchung #Öffnung #Öffnen #Zwischenraum #Between #Austausch
May 23, 20113,019 notes
#Anderes #Aufhebung #Du #Formen #Hegel #Ich #Selbst #Selbstbewusstsein #aufheben #außer sich kommen #Sich Verlieren
“‘Sind wir zusammen?’ ‘Nur beinahe, nicht wahr? Ganz nur, wenn wir getrennt sein könnten.’” —

Maurice Blanchot: Warten und Vergessen, Frankfurt am Main , S. 32.

[via diesebastionbehrisch]

May 23, 201116 notes
#Blanchot #Trennung #Getrennt-Sein #Zusammen-Sein #Mit-Teilen
May 23, 20114 notes
#Fay Nolan #Golden Dreams #Ina Weiershäuser #Nora Bieker #Traum #Träumen #fotographie #photography #Dream #Dreamers
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May 23, 201116 notes
#Casper #Gesicht #Gorgo #Gorgonen #Hund #Hundeleben #Hundigkeit #James Joyce #Jean-Pierre Vernant #Klage #Leid #Leiden #Mythos #Schlangen #Stimme #Stöhnen #caspern #erzene Stimme #music #musik #Leben #Tod #Klage der Toten #Klage der Lebenden
May 23, 2011998 notes
#photography #fotographie #music #musik #Auflegen #Ablegen #Hinlegen #Umlegen #Auslegen #caspern
“Wenn wir die Sätze im Kopf haben, dachte ich, haben wir noch nicht die Sicherheit, sie aufs Papier zu bringen. Die Sätze machen uns Angst, dann der Satz, dann, daß wir diesen Satz möglicherweise nicht mehr im Kopf haben, wenn wir ihn aufschreiben wollen. Sehr oft schreiben wir einen Satz zu früh auf, dann wieder einen zu spät; wir haben den Satz zu dem richtigen Zeitpunkt aufzuschreiben, sonst ist er verloren.” —Thomas Bernhard, Beton, 206.
May 23, 201125 notes
#Angst #Beton #Denken #Intention #Kopf #Schreiben #Schrift #Sicherheit #Stil #Sätze #Thomas Bernhard #Verlieren #aufs Papier bringen #zu früh #zu spät #Vertrauen #Uneinssein
May 23, 2011187 notes
#Art #Leben #Leonor Fini #Ohne Haltetau #Reise #Voyage sans amarres #Fehlen #Anker #Tau #Leine
“Sorrow comes in great waves…but rolls over us, and though it may almost smother us, it leaves us. And we know that if it is strong, we are stronger, inasmuch as it passes and we remain.” —Henry James (via jerzee55)
May 23, 2011388 notes
#Henry James #Sorrow #Waves #to smother #Overcoming #to roll over
May 21, 201125,231 notes
#Angst #Bewußtsein #Gefängnis #Käfig #Mindcage #Rodrigo Aviles #Art
“Und das Ärgste ist dann, wenn man sich fragt, wie man am nächsten Tag wieder die Kraft aufbringen soll, um wieder zu tun, was man tags zuvor und schon seit viel zu langer Zeit immer wieder getan hat, woher man die Entschlusskraft zu allen diesen leidsinnigen Handlungen nehmen soll, zu diesen Plänen, die zu nichts führen, diesen vergeblichen Versuchen, aus der ärgsten Not herauszukommen, die einen nur davon überzeugen, dass das Schicksal unüberwindlich ist und dass man jeden Abend wieder den Fuß der Mauer herunterfällt und sich immer wieder vor dem Morgen fürchtet, das immer ungewisser und trostloser erscheint.” —

Louis-Ferdinand Céline: Reise ans Ende der Nacht

[via ilostmyheartatsea]

May 21, 201119 notes
#Louis-Ferdinand Céline #Kraft #Entschluss #Handeln #Angst #Not #Leiden
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May 21, 201156 notes
#James Blake #music #musik #Lindisfarne
May 21, 2011152 notes
#Yukiko Hayashi #Art
“Kann man gewisse Gedanken und gewisse Zweifel einfach ausschließen, ohne das Ausgeschlossene dem Ausschließenden zu unterwerfen und damit das Vertrauen des Denkens, seine Mindest- oder Vorleistung prinzipiell einzuschränken? Einfach: ohne den Widerstreit des Uneinsseins. Wenn Denken, das sich mit bloßem Vertrauen nicht abgeben kann, ja dessen Begriff unvereinbar ist mit bloßem Vertrauen, durch die arbeitsteilige, anerkennende und abgrenzende Rechtfertigung des Vertrauens, in dem seine unabdingbare Mindest- oder Vorleistung liegt, diese prinzipiell einschränkt, so erhebt es sich subreptiv über das, was es ermöglicht, eignet sich Aufklärung das Andersein an, das sie ‘an sich’ haben soll.” —

Alexander Garcia Düttmann:Trust me. Aufklärung und Vertrauen, in: Ders. (Hg.): Philosophie der Übertreibung, Frankfurt am Main 2004, S. 66.

[via diesebastionbehrisch]

May 21, 201110 notes
#Alexander Garcia Düttmann #Denken #Gedanken #Zweifel #Ausschließen #Unterwerfung #Vertrauen #Widerstreit #Uneinssein #Begriff #Rechtfertigung #Grenzen #Grenze #Abgrenzen #Anderssein #Aufklärung
May 21, 201146 notes
#Weegee #Circus Aerialist #Art #photography #fotographie
“Er sucht und kreist dabei wieder und wieder um dieses Wort in der Mitte und weiß, daß Finden immer noch Suchen ist, nur auf die Mitte bezogen, die selber unfindbar bleibt. Die Mitte erlaubt zu finden und zu kreisen, aber läßt sich selber nicht finden. Die Mitte als Mitte ist immer heil.
Kreisend um ihre Anwesenheit, der er nur so begegnen konnte, auf diesem Umweg, in dieser Abkehr.
Das Auge-in-Auge mit ihrer Anwesenheit (die immer sich abkehrt).”
—

Maurice Blanchot: Warten und Vergessen, Frankfurt am Main 1964, S. 99f.

[via diesebastionbehrisch]

May 21, 201116 notes
#Blanchot #Suchen #Kreisen #Kreis #Mitte #Anwesenheit #Abwesenheit #Abkehr #Begegnen #Umweg #Fluchtlinie #Auge #Auge-in-Auge
“Also kurzum, die Dialektik verweigert Rezepte. Ich habe Ihnen das in abstracto schon öfter gesagt. Ich glaube, ich habe Ihnen heute an einigen Modellen vorgeführt, wie wenig sie tatsächlich an Rezepten zu bieten hat, und ich glaube, nur der, der eigentlich von vornherein darauf verzichtet, daß ihm das Denken, wie man so sagt, etwas gibt, sondern der statt dessen dem Denken etwas geben will, nämlich sich selber, nur der sollte überhaupt mit der Dialektik sich einlassen.” —Theodor W. Adorno: Einführung in die Dialektik (1958), in: Christoph Ziermann (Hg.u.a): Theodor W. Adorno - Nachgelassene Schriften, Abteilung IV: Band 2, Berlin 2010, S.274f.
May 21, 201129 notes
#Adorno #Dialektik #Modell #Rezept #Denken #Aufgabe
“Der Scheincharakter der Kunstwerke wird immanent vermittelt, durch ihre eigene Objektivität. Indem ein Text, ein Gemälde, eine Musik fixiert wird, ist das Gebilde tatsächlich vorhanden und täuscht das Werden, das es einschließt, seinen Gehalt, bloß vor; noch die äußeren Spannungen eines Verlaufs in ästhetischer Zeit sind soweit fiktiv, wie sie in dem Gebilde ein für allemal vorentschieden sind; tatsächlich ist ästhetische Zeit gegen die empirische, die sie neutralisiert, in gewissem Maß indifferent. In der Paradoxie des tour de force, Unmögliches möglich zu machen, maskiert sich aber die ästhetische Paradoxie schlechthin: wie kann Machen ein nicht Gemachtes erscheinen lassen; wie kann, was dem eigenen Begriff nach nicht wahr ist, doch wahr sein.” —

Theodor W. Adorno: Ästhetische Theorie. Frankfurt am Main 1970. S. 162f.

[via brainexpectingrain]

May 17, 201118 notes
#Adorno #Schein #Scheincharakter #Kunstwerk #Immanenz #Objektivität #Text #Gemälde #Musik #Werden #Spannung #Ästhetik #ästhetische Zeit #empirische Zeit #Zeit #Paradoxie #tour de force #unmögliche Möglichkeit #mögliche Unmöglichkeit #ästhetische Paradoxie
“Was, um es kurz zu machen, bedeutet, dass die Gabe als Gabe nur möglich ist, wo sie unmöglich erscheint. Wenn die Gabe stattgefunden haben soll, darf sie nicht als solche in Erscheinung treten. So wird man aber nie wissen, ob sie stattgefunden hat. Nie wird jemand mit einem hinreichenden Grad an Sicherheit sagen können ‚Die Gabe hat stattgefunden‘ oder auch nur ‚Ich habe gegeben‘, ‚Ich habe empfangen‘. Wenn es sie überhaupt gibt, wenn sie überhaupt möglich ist, muss die Gabe also unmöglich erscheinen. ‚Geben‘ heißt also das Unmögliche tun. Das Ereignis der Gabe darf nicht gesagt werden können; sobald man es ausspricht, zerstört man es. Anders gesagt: Es ist die Unmöglichkeit des Ereignisses, die das Maß für seine Möglichkeit gibt. Die Gabe ist unmöglich, und nur als unmögliche kann sie möglich werden. Es gibt kein ereignishafteres Ereignis als eine Gabe, die den Tausch, den Gang der Geschichte, den Kreislauf der Ökonomie unterbricht. […] Es gibt keine Möglichkeit der Gabe, die sich nicht als etwas präsentiert, das sich nicht präsentiert; sie ist das Unmögliche selbst.” —Jacques Derrida: Eine gewisse unmögliche Möglichkeit, vom Ereignis zu sprechen. Aus dem Französischen von Susanne Lüdemann. Berlin 2003, S. 28f.
May 17, 201111 notes
#Derrida #Gabe #Une certain possibilité impossible de dire l'événement #mögliche Unmöglichkeit #unmögliche Möglichkeit #Ereignis
Play
May 17, 20117 notes
#Again again and again (and a-gain) #Die 3 Millionen Musketiere #Dominik Eulberg #EULE #music #musik #Zwischenraum #Zwischenreich #Traum #Tanz #Aby Warburg #Chaos #Erholungspause #Selbstvernichtung #Prozess
May 17, 2011553 notes
#Jacek Malczewski #Thanatos #Art
May 17, 201122 notes
#Art #Gustave Moreau #Ingeborg Bachmann #Orpheus #Orphée #Dunkles Sagen #Sagen #Dunkel #Tod #Leben #Spiel #Augen #Fluss #Herz #Blut #Schatten #Schattenhaar #Nacht #Finsternis #Antlitz
“Lass mich alles wissen, was mitteilbar ist, und darueber hinaus vielleicht manchmal eines von den leiseren Worten, die sich einfinden, wenn man allein ist und nur in die Ferne sprechen kann. Ich tue dann dasselbe.” —

Paul Celan: Brief an Ingeborg Bachmann vom 30. Oktober 1951, in: Bertrand Badiou (Hg. u.a.): Herzzeit. Ingeborg Bachmann - Paul Celan: Der Briefwechsel, Frankfurt am Main 2008, S. 36.

[via diesebastionbehrisch]

May 17, 201118 notes
#Paul Celan #Ingeborg Bachmann #Briefwechsel #Herz #Zeit #Mit-Teilen #Nähe #Ferne #Teilen
“»Sobald sie berührt wird, gerät die sinnliche Gewißheit zu Chaos, wendet sie sich in Sturm, geraten alle Sinne durcheinander.«” —

Jean-Luc Nancy: Corpus. Aus dem Französischen von Nils Hodyas und Timo Obergöker. Zürich/Berlin 2003/2007, S.10.

[via nokturn]

May 16, 20118 notes
#Jean-Luc Nancy #Corpus #Sinnliche Gewißheit #Chaos #Sturm #Sinn #Sinne
“Das Antlitz ist Not. Die Nacktheit des Antlitzes ist Not, und in der Direktheit, die auf mich zielt, ist es schon inständiges Flehen. In ihm vereinigt sich die Demut mit Erhabenheit. Und dadurch kündigt sich die ethische Dimension der Heimsuchung an.” —

Emmanuel Levinas: Die Spur des Anderen. Untersuchungen zur Phänomenologie und Soziologie. Übersetzt, herausgegeben und eingeleitet von Wolfgang Nikolaus Krewani. Freiburg/München 1983/2007, S. 222f.

[via nokturn]

May 16, 20117 notes
#Emmanuel Lévinas #Spur #Spuren des Anderen #Antlitz #Not #Nacktheit #Flehen #Demut #Erhabenheit #Ethik #Heimsuchung
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